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Hartmann, Werner

* 30.1.1912, † 8.3.1988
Physiker

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Berlin; Vater Handwerker; 1930 Abitur; Studium der Physik an der TH Berlin-Charlottenburg; 1935 Dipl. mit einer Arbeit über künstl. Sperrschichten in Metall-Halbleiter-Übergängen bei  Gustav Hertz; danach im von Gustav Hertz gegr. Forschungslabor II der Siemenswerke Berlin tätig; 1936 Prom. an der TH Berlin (b.  Max Volmer, Richard Becker, Hans Kopfermann) mit einer im Siemenslabor angefertigten, von Walter Schottky angeregten u. betreuten Diss. über elektr. Eigenschaften oxidischer Halbleiter; ab 1936 unter Gustav Hertz Arbeiten über Fotokathoden u. Bildwandler; 1937 Wechsel zur Fernseh-GmbH u. dort bis 1945 Arbeiten zu Fotozellen mit Sekundärelektronenvervielfachern u. anderen ebenfalls militär. relevanten Themen.
Juni 1945 – März 1955 in der UdSSR unter Gustav Hertz Ltr. einer Arbeitsgr. in einem kernphysikal. Forschungsinst. in Agudseri bei Suchumi; Arbeiten zur physikal. Meßtechnik, später auch Betreuer von Graduierungsarbeiten an Moskauer u. Leningrader Univ. u. (Mit-) Autor wiss. Publ. in sowj. Fachztschr.;
1955 – 62 Aufbau u. Ltg. eines wiss. geprägten Industriebetriebes zur Entw. u. Fertigung kernphysikal. Geräte (VEB Vakutronik) in Dresden; seit März 1956 zugl. nebenamtl. Prof. mit vollem Lehrauftrag für kernphysikal. Elektronik an der Fak. für Kerntechnik der TH Dresden; Begründung des Konzepts des Wissenschaftl.-Industriellen Betriebs als Versuch zur Überwindung wirtschaftl. u. bürokrat. Hemmnisse; 1959 NP; Mitgl. des Wiss. Rats für die friedl. Anwendung der Atomenergie u. Ltr. der Gerätekommission dieses Rats; 1961 beauftragt mit Aufbau u. Ltg. der von ihm initiierten Arbeitsstelle für Molekularelektronik Dresden (AME, später AMD); daneben Lehrtätigkeit an der Fak. für Elektrotechnik der TU Dresden; Begründer der Mikroelektronik in der DDR; Mitgl. des Forschungsrats; 1967 erste integrierte Schaltkrs.; 1970 NP; 1974 im Zuge einer pol. Intrige (OV »Molekül«) als Ltr. der AMD abgesetzt u. mit Hausverbot belegt; bis 1977 wiss. Mitarb. im VEB Spurenmetalle Freiberg.

Publ.: Fotovervielfacher u. ihre Anwendung in der Kernphysik. Berlin 1957 u. Moskau 1961 (mit F. Bernhard); Meßverfahren unter Anwendung ionisierender Strahlung (Hrsg.) als Bd. 5 v. Stanek, J. (Hrsg.), Handbuch der Meßtechnik in der Betriebskontrolle. Leipzig 1969; Nachweis von Kernstrahlung. In: Hertz, G. (Hrsg.): Lehrbuch der Kernphysik. Bd. 1. Leipzig 1958 u. 1966.
Sek.-Lit.: Becker, H. W.: Prof. W. H. – Würdigung eines diskriminierten Wissenschaftlers. In: radio u. fernsehen (1990) 10; Lippmann, H.: W. H. – ein Physikerschicksal im SED-Staat. In: Phys. Bl. (1992) 1; Dörfel, G.: W. H. Industriephysiker, Hochschullehrer, Manager, Opfer. In: D. Hoffmann (Hrsg.): Physik im Nachkriegsdtl. Frankfurt (Main) 2003; Dörfel, G., Augustin, P.: W. H. u. das Problem der Mikroelektronikindustrie in der DDR. In: Dresdener Beiträge zur Technikgeschichte (2003) 3; Augustine, D.: W. H. u. der Aufbau der Mikroelektronikind. in der DDR. In: Dresdener Beiträge zur Technikgeschichte (2003) 28; Augustine, D.: Red Prometheus. Cambridge (Mass.), London 2007.
GuD

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