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Holm, Johannes (Hans)

* 3.1.1895, † 31.10.1981
Verlagsleiter, Opfer von »Säuberungen«

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Hamburg; Vater Arbeiter (SPD); Dekorationsmaler; 1911 SAJ; 1914 SPD in Hamburg-Altona; Weltkriegsteilnehmer/Westfront; Arbeiter- u. Soldatenrat (Presseabt. unter  Rudolf Lindau); 1918/19 Spartakusbund; KPD; KPD-Org.-Ltr. in Hamburg; ab 1919 für die KPD im Buchwesen; April 1921 Ltr. des Verlags Carl Hoym Nachf. Hamburg (Außenstelle Berlin); 1923 Auftrag zur Org. einer illeg. Druckerei; April 1924 wegen Differenzen in der Gewerkschaftsfrage mit Ruth Fischer Parteiausschl.; April 1926 Aufhebung des Ausschlusses; vom ZK nach Berlin gerufen; Ltr. des Parteiverlags Viva (Vereinigung Internat. Verlagsanstalten); Mitgl. der Abt. Agit.-Prop. beim ZK; 1927 mit Arbeiterdelegation sechs Wochen in der UdSSR; Juni 1929 wegen Meinungsverschiedenh. als »Versöhnler« von allen Funktionen entbunden; Mitarbeit bei Willi Münzenberg als Ltr. des Neuen Dt. Verlags, später auch der Universumbücherei für Alle; mehrfach in Moskau; April 1932 Kontrolle u. Beratung der KI-Verlage der einzelnen Sekt. (unterstand dem Ltr. der Abt. Internat. Verbindungen der KI, Ossip Pjanitzki, vermittelt durch Hugo Eberlein); April 1933 auf Parteiweisung nach Kopenhagen, Juni illeg. in Berlin, Juli 1933 Zürich, Nov. 1934 nach Paris (Edition sociales internationales); Reisen nach Amsterdam, Rotterdam, Kopenhagen, Oslo, Stockholm, Brüssel, Zürich, Basel, Wien; Jan. 1936 bis Herbst 1938 in Prag, legaler Vertrieb dt. Lit.; Juni 1936 zur Berichterstattung in Moskau; März 1939 mit  Willi Langrock u.  Sepp Miller über Polen mit der Nansen-Hilfe nach Norwegen; nach dt. Okkupation mit der illeg. KP Norwegens Kontakt; Hrsg. illeg. Schriften, Ltr. eines Grenztransportapparats, Bau kleiner Radiogeräte; 8.1.1943 in Oslo verhaftet; Juni 1943 ohne Prozeß ins KZ Sachsenhausen, Verbindungsmann zwischen dt. u. norweg. Parteigr.; April 1945 nach Evakuierung aus Sachsenhausen, aus dem Waldlager Wittstock (Mecklenb.) als »Norweger« mit den »Weißen Bussen« nach Schweden.
Aug. 1945 Übersiedl. nach Norwegen; auf Wunsch der KP Norwegens Ltr. ihres Parteiverlags, trotz Anforderung aus Berlin auf eigenen Wunsch Tätigkeit in Norw. verlängert; Febr. 1948 Rückkehr in die SBZ; Hauptref. für Buchwesen beim ZK; April – Mai 1948 u. Jan./ Febr. 1949 im Parteiauftrag nach Prag, Wien, Zürich, Basel, Paris, Kopenhagen, Oslo; 1949 in Basel verhaftet, vier Wochen U-Haft (Deligentia-Affäre); Jan. 1950 Abt.-Ltr. bei Zentrag; April 1952 Opfer der »Säuberungen«, Parteiausschl.; Aug. 1952 im Mitteldt. Verlag Halle, Leipzig Ltr. der Abt. Presse u. Werbung; Okt. 1956 Parteiausschl. aufgehoben; 1957 – Okt. 1960 in der Verlagsltg. des Urania-Verlags in Leipzig tätig; Dez. 1961 – 
Nov. 1962 als Kopf einer »parteifeindl. Gruppierung« innerhalb des Verlagswesens Gegenstand des Operativ-Gruppen-Vorlaufs »Verschwörer«; gest. in Berlin.

Sek.-Lit.: Petrick, F.: Der dt. Kommunist H. H. u. der antifa. Widerstand in Norwegen. In: Ders., »Ruhestörung«. Studien zur Nordeuropapol. Hitlerdtl. Berlin 1998.
MFS

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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 3. Januar 1895 in Hamburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; Dekorationsmaler, trat 1911 der Arbeiterjugend, 1914 der SPD bei. Weltkriegsteilnehmer, während der Novemberrevolution gehörte er dem Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat an und arbeitete mit Rudolf Lindau in der Presseabteilung. 1918/19 Mitglied des Spartakusbundes und der KPD, zeitweise Orgleiter der KPD in Hamburg, wechselte aber dann in das Verlagswesen der jungen Partei. Seit April 1921 Leiter der Berliner Außenstelle des Verlages Carl Hoym Nachf. Hamburg, baute 1923 eine illegale Druckerei auf. Nach Differenzen mit Ruth Fischer in der Gewerkschaftsfrage im April 1924 aus der KPD ausgeschlossen. Im April 1926 wurde der Beschluß aufgehoben, Holm wurde in Berlin als Nachfolger von Robert Siewert Leiter der VIVA (Vereinigung Internationaler Verlagsanstalten). Er gehörte auch der ZK-Abteilung für Agitation und Propaganda an. Im Juni 1929 als Versöhnler von allen Funktionen entbunden, begann er bei Willi Münzenberg als Leiter der Buchabteilung des Neuen Deutschen Verlags, der späteren »Universumbücherei für alle«. Als erfahrener Verlagsspezialist unterstützte Holm auf Empfehlung von Hugo Eberlein für die Komintern ausländische, kommunistische Verlage, u. a. ab April 1933 in Dänemark. Im März 1939 flüchtete er gemeinsam mit Sepp Miller und Willi Langrock nach Norwegen, sie beteiligten sich nach der deutschen Besetzung am illegalen Kampf der KP Norwegens. Im Januar 1943 in Oslo verhaftet, kam Holm in das KZ Sachsenhausen, von dort im April 1945 als »Norweger« im Zusammenhang mit der Rot-Kreuz-Aktion des schwedischen Gesandten Bernadotte nach Schweden evakuiert. Im August 1945 Übersiedlung nach Norwegen, Leiter des Parteiverlages der KP Norwegens. Im Februar 1948 Rückkehr nach Berlin, Holm begann als Hauptreferent für Buchwesen im PV der SED und wurde Anfang 1952 noch Abteilungsleiter in der Zentrag. Bereits im April 1952 wegen seiner Westemigration aus der SED ausgeschlossen und als Leiter der Presseabteilung in den Mitteldeutschen Verlag nach Leipzig abgeschoben. Im Oktober 1956 »rehabilitiert«, arbeitete er von 1957 bis 1960 in der Leitung des URANIA-Verlages. Da sich Holm nach 1956 ablehnend zur dogmatischen Politik Walter Ulbrichts äußerte, im Sommer 1960 offen die Verhaftung des einstigen VVN-Generalsekretärs Karl Raddatz kritisierte, wurde gegen ihn durch das MfS ein operativer Vorgang »Verschwörer« angelegt. Hans Holm starb am 31.Oktober 1981 in Berlin.

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