Biographische Datenbanken

Jacoby, Günther

* 21.4.1881, † 4.1.1969
Philosoph

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater Theologe u. Prof. an der Albertina; 1900 – 03 Studium der Theol., Germanistik u. Philos. in Königsberg u. Tübingen mit Abschl. als Lizentiat (theolog. Dr.); 1903 – 06 fortführendes Studium der Philos. in Berlin u. Prom. über Johann G. Herders u. Immanuel Kants Ästhetik (publ. Leipzig 1907); 1909 Habil. über weitere Herderforschung in Greifswald (»Herder als Faust«. Leipzig 1911); danach ausgedehnte Studien- u. Vortragsreisen sowie Gastprof. in den USA u. Japan; 1914/15 Kriegsteiln. als Offz., schwer verwundet u. lebenslange Schwerhörigkeit; 1915 – 18 an der Dt. Univ. Istanbul; 1919 a. o. Prof. u. 1928 ord. Prof. für Philos. an der Univ. Greifswald; 1937 wegen ungeklärter Abstammung seines Großvaters durch den NS-Staat zwangspensioniert, Lehrverbot.
1945/46 vollständige Rehabil.; Wiederaufn. der Lehrtätigkeit u. 1946 – 48 erster Dekan der philosoph.-naturwiss. Fak. der EMAU Greifswald; danach mehrfach wechselnd bis 1956 Dir. des Philosoph. Seminars bzw. des Inst. für Philos. dieser Univ.; seit 1950 alleiniges ostdt. Mitgl. des Vorst. der (westdt.) Allg. Ges. für Philos. in Dtl.; zugl. Mitarb. im 1953 gebildeten wiss. Beirat für Philos. beim Staatssekr. für HS-Wesen der DDR; anläßl. seiner krit. »Denkschrift über die gegenwärtige Univ.-Philos. in der DDR« mit Forderungen nach grundsätzl. Reformen ab 1955 Auseinandersetzungen mit dem Staats- u. Parteiapparat der SED; danach endgültig em.; 1969 als letzter in der DDR verbliebener »spätbürgerl. Philosoph« in Greifswald gest.
Forschungen zu Johann G. Herder, zur Geistesgeschichte des 19. Jh. sowie zur amerik. u. chin. Philos.; neben N. Hartmann wichtigster Mitbegr. u. Vertreter der gegen den Neukantianismus u. dessen bes. Spezialisierung auf die Erkenntnistheorie gerichteten sog. Neuen bzw. Krit. Ontologie; Beiträge zur Logik als bleibender philosoph. Diziplin.

Publ.: Der Pragmatismus. Leipzig 1909; Allg. Ontologie der Wirklichkeit. Bd. I – II. Halle 1925 – 55; Die Ansprüche der Logistiker auf die Logik u. ihre Geschichtsschreibung. Stuttgart 1962.
Sek.-Lit.: G. J. (1881 – 1969) – Zu Werk u. Wirkung. Univ. Greifswald 1993; Rauh, H.-C.: Der Greifswalder Universitätsphilosoph G. J. u. die DDR-Philos. In: Dt. Ztschr. f. Philos. (1994) 3; Rauh, H.-C., Frank, H. (Hrsg.): G. J. Lehre, Werk u. Wirkung. Greifswald 2003.
HCR

© Die Urheberrechte am Lexikon und aller seiner Teile liegen beim Ch. Links Verlag. Die Weiterverwendung von Biographien oder Abschnitten daraus bedürfen der Zustimmung des Verlages.
Redaktionsschluss: Oktober 2009. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet.
Ch. Links Verlag, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin, Tel. 030- 44 02 32-0, mail@christoph-links-verlag.de

Zum Abkürzungsverzeichnis