Biographische Datenbanken

Jahn, Roland

* 14.7.1953
Bürgerrechtler, Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. u. aufgew. in Jena; Vater Konstrukteur für wiss. Gerätebau, Mutter Buchhalterin; 1972 Abitur; anschl. bis 1974 Grundwehrdienst bei der Bereitschaftspolizei in Rudolstadt; seit 1974 Mitarb. in versch. opp. Gruppen u. Lesekrs. in Jena; erste publizist. Beiträge für westl. Medien; 1975 Aufnahme eines Studiums der Wirtschaftswiss. in Jena, Feb. 1977 Exmatrikulation nach Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; ab März 1977 »Bewährung« als Transportarb. im VEB Carl Zeiss Jena; ab 1980 öffentl. Unterstützung für die poln. Gewerkschaft Solidarność, Protest gegen das Kriegsrecht in Polen; nach Protestaktion gegen die Militärparade am 1.5.1982 mehrmalige Festnahmen u. Verhöre durch VP u. MfS; Sept. 1982 Verhaftung wegen Mitführens der poln. Nationalfahne mit der Aufschrift »Solidarität« am Fahrrad, nach sechs Mon. U-Haft u. totaler Aussageverweigerung im Jan. 1983 nach § 220 StGB (öffentl. Herabwürdigung der staatl. Ordnung) u. § 222 StGB (Mißachtung staatl. Symbole) Verurteilung zu 18 Mon. Freiheitsstrafe; Feb. 1983 vorz. Haftentlassung aufgrund internat. Proteste; März 1983 Mitbegr. der außerkirchl. opp. Gruppe »Friedensgemeinschaft Jena«, dort zuständig für Öffentlichkeitsarbeit; März 1983 Teiln. an offiz. Demonstrationen mit eigenen Plakaten, u. a. »Schwerter zu Pflugscharen«; Übermittlung von Informationen opp. Gruppen an westl. Medien; 8.6.1983 Ausbürgerung u. Zwangsabschiebung in die Bundesrep. Dtl.; seitdem einer der wichtigsten Organisatoren der Veröff. von Informationen über die DDR-Opp. in der Bundesrep. Dtl.
1985 – 87 Studienprojekt »Opp. in der DDR« am Hamburger Inst. für Sozialforschung; dann freier Journalist, u. a. für »Radio Glasnost« u. »die tagesztg.«; ab 1991 angestellter Red. beim SFB-Magazin »Kontraste«; 1996 Mitgl. im Beirat der Robert-Havemann-Ges. u. ab 1999 des Fachbeirats der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; 1998 Bundesverdienstkreuz; 2005 Einheitspreis der Bundeszentr. für pol. Bildung; seit 2011 Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Nachf. von Marianne Birthler).

Publ.: Wendezeiten 1990/91. »Kontraste« auf den Spuren einer Diktatur. Dok. der Zeitgeschichte (Videokassette, 2000).
Sek.-Lit.: Jahn, W.: »Du bist wie Gift«. Erinnerungen eines Vaters. Erfurt 1996; Kowalczuk, I.-S.: Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006; G. Praschl: R.J. - Ein Rebell als Behördenchef. Berlin 2011 (Biogr.).
SiM; HME

© Die Urheberrechte am Lexikon und aller seiner Teile liegen beim Ch. Links Verlag. Die Weiterverwendung von Biographien oder Abschnitten daraus bedürfen der Zustimmung des Verlages.
Redaktionsschluss: Oktober 2009. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet.
Ch. Links Verlag, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin, Tel. 030- 44 02 32-0, mail@christoph-links-verlag.de

Zum Abkürzungsverzeichnis