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Jennrich, Ernst

* 15.11.1911, † 20.3.1954
Opfer politischer Strafjustiz im Kontext des 17. Juni 1953

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Wedringen (b. Haldensleben); Vater Töpfer, acht Geschwister; Volksschule; anschl. Gärtnerlehre, ab 1940 dienstverpflichtet in den Junkerswerken; 1942 Wehrmacht, durch mehrere Granatsplitter schwer versehrt, 1945 Desertion, amerikan. Kriegsgefangenschaft.
1945/46 SPD/SED, 1947 Austritt; ab 1952 Gärtner in einer LPG in Magdeburg; erfährt am 17.6.1953 auf dem Weg zur LPG-Verwaltung von Demonstrationen, zieht danach mit seinem Sohn durch die Stadt bis zur Haftanstalt Sudenburg, nimmt dort einem Jugendl. einen Karabiner ab, schießt in die Luft u. zerstört anschl. das Gewehr; in der Nacht zum 20.6.1953 verhaftet, Verhör durch sowj. Vernehmer, dann Übergabe an DDR-Behörden; obwohl eine Mordabsicht nicht nachzuweisen ist, am 25.8. Verurteilung zu lebenslängl. Zuchthausstrafe, nach Protest des Staatsanwalts am 8.9. Aufhebung des Urteils durch das OG, am 6.10.1953 in einem 15-minütigen Prozeß ohne neue Beweisaufnahme durch das BG Magdeburg in zweiter Instanz zum Tode verurteilt; der Schöffe Fritz Ringenberg legt aus Gewissensgründen sein Amt nieder; nach Ablehnung der Berufung u. eines Gnadengesuchs am 20.3.1954 Hinrichtung durch Enthauptung in Dresden.
Aug. 1991 vollständige posthume Rehabilitierung durch das BG Magdeburg.

Sek.-Lit.: Fricke, K. W.: Todesstrafe für Magdeburger »Provokateur«. In: Deutschland Archiv (1993) 5.
ISK

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