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Just, Gustav

* 16.6.1921, † 23.2.2011
Stellv. Chefredakteur der Zeitung »Sonntag«

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Reinowitz (Krs. Gablonz, ČSR/Rynovice, Tschechien); Vater Schlosser; 1927 – 32 Volksschule, 1932 – 40 Gymnasium in Gablonz; 1938 – 40 HJ; 1940 RAD; 1940 – 45 Wehrmacht, Freiw., zul. Ltn, EK.
Mai 1945 – Mai 1946 Steinschleifer in Jablonec; Mai 1946 Aussiedl. nach Dtl.; Steinschleifer in Bad Schmiedeberg; Juni 1946 SED; 1946 Neulehrerkurs in Quedlinburg; 1947 Lehrer an der Volksschule in Westerhausen (Krs. Quedlinburg); 1948 wegen Tbc aus dem Dienst geschieden; 1948/49 Sekr. für Werbung u. Schulung bei u. Mitgl. der SED-KL Quedlinburg; 1950 Ltr. der Abt. Kultur u. Erziehung der SED-LL Halle; 1951 LPS Ballenstedt; 1952 – Febr. 1954 Sektorenltr. für Kunst u. Lit. im ZK der SED; März 1954 – Jan. 1955 1. Sekr. des Vorst. des DSV (Nachf. von  Kurt Barthel); Jan. 1955 Parteirüge, nachdem G. J. im Dez. 1954 offenbart hatte, daß er in der Wehrmacht nicht Uffz., sondern zul. Ltn. gewesen war; März 1955 – 20.1.1957 stellv. Chefred. des »Sonntags«, dann beurlaubt u. aus der Red. entlassen; März – Aug. 1957 in der zentralen U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen; am 8.3.1957, dem zweiten Tag der Hauptverhandlung im Prozeß gegen  Wolfgang Harich, nach seiner Zeugenaussage im Gerichtssaal verhaftet; am 26.7. 1957 zus. mit  Walter Janka,  Heinz Zöger u. Richard Wolf Verurteilung zu vier Jahren Zuchthaus wegen »Verbrechens gemäß Art. 6 der Verfassung der DDR« (Boykotthetze); verbüßt von der Gesamthaftzeit zwei Jahre in Einzelhaft (Zuchthaus Bautzen II); 1960 – 86 freischaff. liter. Übersetzer (aus dem Tschech. u. Slowak.); 1986 Rentner; im Herbst 1989 wurden Lesungen aus den Memoiren »Zeuge in eigener Sache« zu einem wichtigen Impuls für die Demokratiebew.; 1989 SDP/SPD.
1990 – 92 Alterspräs. des Brandenb. Landtags u. Vors. der Verfassungskommission; zum Rücktritt genötigt durch eine öffentl. Kampagne, die sich auf die seit 1957 bekannte Beteiligung G. J.s an einem Erschießungskdo. in einem ukrain. Dorf im Jahr 1941 bezog; gest. in Prenden (Landkrs. Barnim).

Publ.: Zeuge in eigener Sache. Die 50er Jahre in der DDR. Berlin 1990; Deutsch, Jahrgang 1921. Ein Lebensbericht. Potsdam 2001.
Sek.-Lit.: Interview mit G. J. In: Gaus, G.: Porträts 4. Berlin 1993; Prokop, S.: 1956 – DDR am Scheideweg. Berlin 2006; Herzberg, G.: Anpassung u. Aufbegehren. Berlin 2006.
CaW

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