Biographische Datenbanken

Klein, Dieter

* 15.10.1931
Wirtschaftswissenschaftler

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Berlin; Eltern kfm. Angest.; wegen jüd. Abstammung unter dem NS-Regime vom Gymnasium relegiert, anschl. Besuch einer einklassigen Dorfschule.
1951 Abitur; anschl. bis 1954 Studium der Wirtschaftswiss. an der HU Berlin; danach Assistent an der dortigen Wirtschaftswiss. Fak.; 1954 SED; 1961 Prom. mit der Diss. »Integration des Finanzkapitals in Westeuropa«; 1962 Doz.; 1964 Habil. mit einer Arbeit zu Planifikation u. anderen strateg. Ansätzen in der EWG; Mai 1965 wegen der Betonung von Entw.-Potentialen des Kap. als »Reformist« angegriffen; 1965 Prof. für pol. Ökon. u. bis 1977 Dir. des Inst. für pol. Ökon. an der HU; hier Förderung einer Arbeitsgr. Soziol. bis zur Gründung eines eigenständigen soziolog. Inst. an der HU Berlin sowie der Etablierung des Lehrfachs Demographie trotz offiz. Vorwürfe des »Biologismus«; ab 1978 Prorektor der HU Berlin für Ges.-Wiss.; 1979 NP (im Koll.); 1983 Mitgl. der SED-BL Berlin; erneute Vorwürfe des »Revisionismus« durch den Rektor der SED-PHS u. a. wegen Kritik am PB-Beschluß zur Errichtung des umweltgefährdenden Trichlorsilanwerks in Dresden-Gittersee; in den 80er Jahren hauptverantw. für den Aufbau einer multidisz. Friedensforschung an der HU Berlin u. den Austausch von Vorlesungszyklen mit dem Hamburger Inst. für Friedensforschung u. Sicherheitspol., wiederum gegen die Kritik mehrerer SED-PB-Mitgl.; 1989 beteiligt an der Org. der Protestkundgebung krit. SED-Mitgl. am 8.11.89 vor dem ZK-Gebäude in Berlin; Mitautor eines Programmvorschlags für die SED/PDS im Sinne des »Dritten Wegs«, Referat auf dem Sonderparteitag der SED/PDS im Dez. 1989; 1990 Gründungsdir. des Inst. für Interdisz. Zivilisationsforschung an der HU Berlin.
1992 – 96 Überhang-Professur für ökon. Grundlagen der Pol. am Fachber. Sozialwiss. der HU; 1997/98 Mitgl. des PDS-Bundesvorst.; 1998 Mitgl. der Grundsatzkommission der PDS; Mitgl. des Vorst. u. Vors. der Zukunftskommission der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Hrsg. u. Mitautor des Lehrbuchs »Pol. Ökon. des Kap.« (Berlin 1986); D. K. galt als reformorientierter Politökonom u. Wiss.-Funktionär; sein Buch »Chancen für einen friedensfähigen Kap.« (Berlin 1988) markiert einen Bruch mit dem offiz. Dogma vom »aggressiven Wesen des Kap.«; als Prorektor förderte er bis dato tabuisierte Forschungsrichtungen, u. a. den Aufbau einer interdisz. Forschung zur Homosexualität sowie eine Reihe reformorientierter Nachwuchswissenschaftler, u. a. die Mitarb. des Projekts »Konzeption eines mod. Soz.«; D. K.s eigene Forschungen betrafen insbes. Entwicklungspotentiale u. -probleme des mod. Kap., seit 1990 die Rückwirkungen der Transformationsprozesse in Osteuropa auf die westl. Welt.

Publ.: Ökon. Widersprüche des Kap. Moskau 1979 (russ.); Krisen des Kap. Berlin 1987; Zwischen den Zeiten. Hamburg 1992 (Hrsg. mit M. Brie); Der Engel der Geschichte. Befreiende Erfahrungen einer Niederlage. Berlin 1993 (mit M. Brie); Leben statt gelebt zu werden. Berlin 2004 (Hrsg.); Krisenkapitalismus. Berlin 2008.
Sek.-Lit.: Dokumentation (anläßl. der Em. von K.) in Berliner Debatte Initial (1997) 4.
JaW

© Die Urheberrechte am Lexikon und aller seiner Teile liegen beim Ch. Links Verlag. Die Weiterverwendung von Biographien oder Abschnitten daraus bedürfen der Zustimmung des Verlages.
Redaktionsschluss: Oktober 2009. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet.
Ch. Links Verlag, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin, Tel. 030- 44 02 32-0, mail@christoph-links-verlag.de

Zum Abkürzungsverzeichnis