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Koenen, Bernard (Johann Heinrich)

* 17.2.1889, † 30.4.1964
1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Halle, Diplomat

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Hamburg; Vater Tischler, Mutter Köchin, Bruder  Wilhelm K.; 1895 – 1903 Volksschule, 1903 – 07 Ausbildung zum Maschinenschlosser u. Dreher; 1906 Mitgl. der Gewerkschaft (DMV); 1907 SPD; auf Wanderschaft in Lausanne, Brüssel, Lille u. Tunis; Mitbegr. der Soz. Partei Frankreichs in Bizerta; 1910 – 12 Militärdienst, danach Elektromonteur im Ausland; 1914 – 16 Militärdienst, wegen »antimilitär. Tätigkeit« entlassen; anschl. Elektriker in Leuna; 1917 USPD, 1920 KPD; Mitarb. im Leunaer Arbeiterrat; 1921 – 33 Red. der KPD-Ztg. »Klassenkampf« u. Sekr. der KPD-BL Halle-Merseburg; Stadtverordn. in Merseburg, maßgebl. an der Märzrev. in Mitteldtl. beteiligt; 1922 – 33 Abg. des Landtags der Provinz Sachsen u. 1924 – 29 Mitgl. des Preuß. Staatsrats; 12.2.1933 von der SS in Eisleben schwer verletzt; illeg. pol. Tätigkeit; Mai 1933 Emigr. in die UdSSR; Org.-Sekr. der IRH u. Lehrer an einer KL-Schule; Mitgl. des EK der MOPR; 1935 Teiln. am VII. Weltkongreß der KI; 1937 u. 1939 vom sowj. Sicherheitsdienst NKWD verhaftet; 1941 – 45 Arbeit für den Dt. Volkssender, im NKFD, 1942/43 Lehrer an der KI-Schule in Kuschnarenkowo (b. Ufa), dann Lektor u. ab 1944 Sektorenltr. an der Antifa-Schule für Kriegsgefangene Nr. 165 in Juscha (b. Ivanowo).
1945 Rückkehr nach Dtl.; Mitunterz. des Aufrufs der KPD vom 11.6.1945; Juni 1945 – April 1946 Mitgl. des ZK der KPD; 1945/46 1. Sekr. der KPD-BL Sachsen-Anh.; 1946 – 49 Vors., 1949 – 52 1. Sekr. der SED-LL Sachsen-Anh.; 1946 – 52 MdL, SED-Fraktionsvors.; 1946 – 64 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats u. der DWK; 1949 – 64 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1952/53 u. 1958 – 63 1. Sekr. des SED-BL Halle (Nachf. von  Franz Bruk); 1953 – 58 Botschafter in der ČSSR (Nachf. von  Fritz Große); 1958 KMO; 1960 – 64 Mitgl. des Staatsrats; gest. in Berlin.

Publ.: Zu einigen Problemen des Grundrisses der Gesch. der dt. Arbeiterbew. Halle 1962.
Sek.-Lit.:  Reinowski, W.: B. K. Halle 1962.
BRB; HME

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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Am 17. Februar 1889 in Hamburg als Sohn des Tischlers Heinrich Koenen geboren. Der Vater war Sozialist und Teilnehmer des Gründungskongresses der II. Internationale in Paris. Wie sein Bruder Wilhelm Koenen kam Bernard früh zur sozialistischen Bewegung. Noch als Mechanikerlehrling trat er 1906 der Gewerkschaft, 1907 der SPD bei und ging 1907 auf Wanderschaft. Nach längerem Aufenthalt in Lausanne kam er bis nach Afrika, wo er in einer Ziegelei in Biserta und danach in Ägypten arbeitete. 1914 lebte er in Plauen, bei Kriegsausbruch in Hamburg, er wurde als Soldat eingezogen und 1916 zum Bau der Leuna-Werke nach Mitteldeutschland abkommandiert. Der Kriegsgegner Koenen trat 1917 zur USPD über. Er war in den Leuna-Werken politisch aktiv, ging 1920 mit der linken USPD zur KPD. 1921/22 war er für die Komintern in Belgien und Frankreich. Auf dem VIII. KPD-Parteitag 1923 in die Orgkommission und für Halle-Merseburg in den ZA gewählt. Redakteur der Halleschen KPD-Zeitung »Klassenkampf«, Mitglied der KPD-BL Halle-Merseburg. Ende 1927 Chefredakteur des »Klassenkampfes«. Koenen gehörte von 1922 dem Provinziallandtag und von 1924 bis 1932 dem Preußischen Staatsrat an.
Er war ein Vertreter der Mittelgruppe und später ein führender Versöhnler in Halle-Merseburg. Nach der Wittorf-Affäre leitete er zusammen mit Johannes Schröter u. a. die BL Halle-Merseburg, in der die Versöhnler die überwältigende Mehrheit besaßen. 1929 kapitulierte er vor der Parteimehrheit, wurde trotzdem seiner Funktionen enthoben und in die Genossenschaftsarbeit abgeschoben. Von 1931 bis 1933 Leiter des UB Mansfeld der KPD. Beim sogenannten Blutsonntag in Eisleben am 13. Februar 1933 von der SA zusammengeschlagen, verlor er ein Auge, wurde für tot gehalten und konnte entkommen. Danach emigrierte er im Mai 1933 in das Saargebiet und anschließend in die Sowjetunion. Dort arbeitete er unter seinem Parteinamen Heinrich Stafford als Orgsekretär in der Leitung der MOPR. Koenen wurde 1937 vom NKWD verhaftet. Wilhelm Pieck setzte sich im April 1938 bei Dimitroff für Koenen und andere Häftlinge ein, bezweifelte aber zwei Jahre später selbst, daß seine Initative dazu geführt hätte, daß Koenen und Paul Schwenk Anfang 1939 freigelassen wurden. Dies war vielmehr dem Engagement zweier sowjetischer Staatsanwälte zuzuschreiben. Koenen erhob konkrete Beschuldigungen gegen das NKWD und seine Torturverhöre, was ihm abermals einige Monate Inhaftierung einbrachte. Ab 1940 wieder zur KPD-Arbeit herangezogen und 1942 noch ins ZK kooptiert. 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, einer der Unterzeichner des Aufrufs der KPD vom 11. Juni 1945. Er wurde Vorsitzender bzw. 1. Sekretär der KPD- bzw. SED Sachsen-Anhalt, gehörte ununterbrochen dem PV bzw. dem ZK der SED an, war von 1952 bis 1958 Botschafter der DDR in Prag, danach wieder 1. Sekretär des SED-Bezirks Halle. Nach dem Tode Piecks im September 1960 in den neugeschaffenen Staatsrat der DDR unter Walter Ulbricht aufgenommen. Er erhielt 1959 den Karl-Marx-Orden. Bernard Koenen starb am 30. April 1964 in Ost-Berlin.
Seine Frau Frieda Koenen, geborene Bockentien (* 18. 4. 1890 in Flensburg), die er während des Ersten Weltkrieges geheiratet hatte, von Beruf Schneiderin, schloß sich 1913 der SPD an, ging 1917 zur USPD und Ende 1920 zur KPD. In der zwanziger Jahren war sie Funktionärin der Roten Hilfe, emigrierte ebenfalls in die Sowjetunion, war u. a. Lehrerin an der Komintern-Schule in Kuschnarenkowo und Mitarbeiterin des NKFD. 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde sie Frauensekretärin der KPD-Landesleitung Sachsen-Anhalt. Bis 1952 Hauptabteilungsleiterin für Schulung im Innenministerium des Landes Sachsen-Anhalt, ab 1952 beim Rat des Bezirks Halle. Frieda Koenen starb am 17.November 1968.

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