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Koenen, Wilhelm

* 7.4.1886, † 19.10.1963
SED-Funktionär

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Hamburg; Vater Tischler, Mutter Köchin, Bruder  Bernhard K.; 1892 – 1900 Volksschule; 1900 – 04 Ausbildung zum Kfm. u. zum Buchhändler; 1903 SPD; 1907 Berichterstatter für die »Volksztg.« in Kiel u.
1908 – 10 in Königsberg; 1907 – 17 Kartellvorst. u. Jugendbez.-Ltr. in Kiel, Königsberg u. Halle; 1910/11 Besuch der Parteischule in Berlin; 1911 – 19 Red. beim »Volksblatt« (Halle); 1913 Mitgl. der SPD-BL Halle; 1917 USPD, Vors. des Bez. Halle; Landsturm; in der Novemberrev. 1918 Kommissar des Arbeiter- u.-Soldatenrats des Bez. Halle-Merseburg; 1919/ 20 Stadtverordn. in Halle; 1919/20 Mitgl. der Nationalvers. u. 1920 – 32 Abg. des Dt. Reichtags; 1919/20 Mitgl. u. Sekr. des ZK der USPD; 1920 Übertritt zur KPD; bis 1924 mit Unterbrechungen Mitgl. der Zentr., ab 1929 Mitgl. des ZK der KPD; 1921 – 24 Mitgl. der IKK der KI; 1926 – 32 Mitgl. des Preuß. Staatsrats, Stadtverordn. von Berlin; von der NSDAP beschuldigt, den Reichstagsbrand angestiftet zu haben; Febr. – Juni 1933 illeg. in Berlin (»Koppel«); 1933/34 Exil im Saargeb. bzw. in Frankreich (»Bernhard Schulz«); 1936 – 38 in der ČSR (»Wenzel«), als Vertreter des ZK der KPD an der Grenzarbeit beteiligt; Mitarb. an der »Neuen Weltbühne«, »Dt. Volksztg.«, der KPČ-Ztg. »Rote Fahne« (»Kopp«, »Heinz Wilhelm«); 1937 Ltg. der Auswahl dt. Spanienkämpfer aus der ČSR-Emigr.; ab Nov. 1938 in Großbritannien; dort 1939/40 Mitgl. der Fünferltg. der KPD-Auslandsorg.; 1940 – 42 dort u. in Kanada interniert; 1942 Mitarb. der Ztschr. »Freie Tribüne«; Mithrsg. der Presseinformation »Inside Nazi Germany«; ab 1943 Ltr. der Freien Dt. Bew.; 1944 Mitarb. am Soldatensender Calais.
Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Jan. – März 1946 Red. der »Mitteldt. Ztg.« (Halle); SED; 1946 – Dez. 1948 Vors. der SED Sachsen (zus. mit  Otto Buchwitz); seit 1946 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1948 Mitgl. u. 1949 Sekr. des Dt. Volksrats; 1949/50 Mitgl. des ZS des PV der SED; seit 1950 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1949 – 63 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 58 Ltr. des Sekr. der Volks- u. Länderkammer u. seit 1956 Ltr. der Interparlamentar. Gruppe der Volkskammer; Mai 1953 strenge Rüge wegen »mangelnder pol. Wachsamkeit«, 1956 gelöscht; 1956 KMO; 1959 Vors. der Kommission zur Erforschung der Berliner Arbeiterbew.; gest. in Berlin.

Publ.: Meine Begegnungen mit Lenin. Berlin 1957; Zur Entw. der Demokratie in Dtl. Berlin 1957; Über meine pol. Arbeit in Prag 1935 bis 1939. Aufzeichnungen. In: Beiderseits der Grenze. Berlin 1965; Einheit des Volkes – Garant des Sieges. Reden u. Artikel. Mit einem biogr. Abriß. Berlin 1986.
Sek.-Lit.: Pfefferkorn, O.: W. K. – im Schatten der Säuberung. In: SBZ-Archiv (1953) 4; Naumann, H.: W. K. Leipzig 1973.
BRB; HME

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Redaktionsschluss: Oktober 2009. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet.
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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Als Sohn des Tischlers und aktiven Sozialisten Heinrich Koenen am 7. April 1886 in Hamburg geboren; Bruder von Bernard Koenen; kaufmännische Lehre, 1904 Angesteller der SPD-Buchhandlung in Kiel. Im gleichen Jahr Mitglied der SPD, im Februar 1907 hauptamtlicher Funktionär, zunächst Zeitungsberichterstatter in Kiel, 1909 in Königsberg. 1910 Kursant an der SPD-Parteischule in Berlin, anschließend Redakteur. Von April 1911 bis 1919 am »Volksblatt« in Halle, dort 1913 Mitglied der SPD-Bezirksleitung. Da die Hallesche SPD 1917 fast geschlossen zur USPD ging und das »Volksblatt« zum USPD-Organ wurde, war Wilhelm Koenen einer der führenden Köpfe der USPD (die in Halle eine ihrer wichtigsten Ortsgruppen hatte). Nach der Revolution 1918 Kommissar der Arbeiter- und Soldatenräte im Bezirk Halle-Merseburg, im August 1919 wurde er Vorsitzender der provisorischen Reichszentrale der Betriebsräte Deutschlands, 1919/20 Stadtverordneter in Halle. Koenen zog im Januar 1919 (Wahlkreis Merseburg) als Abgeordneter der USPD in die Nationalversammlung ein, im Juni 1920 in den Reichstag, dem er bis 1932 angehörte.
Im August 1919 Vorstandsmitglied der USPD, in deren ZK gewählt. Vorsitzender des USPD-Bezirks Halle, war Anhänger des linken Flügels der Partei. Gemeinsam mit Walter Stoecker trat er auf dem II. Weltkongreß der Komintern 1920 für den Anschluß der USPD an die Komintern ein und warb auf dem Spaltungsparteitag der USPD in Halle 1920 aktiv für die Linke. Nach der Spaltung im ZK der linken USPD war Koenen einer der Hauptorganisatoren des Zusammenschlusses von linker USPD und KPD, im Dezember 1920 in die Zentrale der VKPD aufgenommen. Koenen leitete als Vorsitzender den III. Weltkongreß der Komintern 1921. Auf dem Jenaer Parteitag 1921 nicht in die Zentrale berufen, jedoch 1922 in die Zentrale kooptiert und seit dem VIII. Parteitag 1923 wieder Zentrale-Mitglied.
Beim Auseinanderfallen der Brandler-Führung (November 1923) gehörte Koenen zu den Führern der Mittelgruppe. Als Zentrale-Mitglied polizeilich gesucht, war er laut seinem Steckbrief »1,68 groß, linkes Bein etwas nachziehend (etwas gelähmt)«. Seit der Übernahme der Führung durch die Linken 1924 nicht mehr in der Zentrale, nur noch parlamentarische Tätigkeit und erst nach dem »Offenen Brief« 1925 wieder in wichtigen Funktionen. Von 1926 bis 1932 war er auch Mitglied des Preußischen Staatsrates und gehörte der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. Koenen war 1929 am Rande in den Sklarek-Skandal (eine Bestechungsaffäre in der Berliner Stadtverwaltung, in die damals viele Politiker verwickelt waren, vgl. Gustav Degner und Otto Gäbel) verstrickt, da er von Sklarek Geld geliehen hatte. Bei den Auseinandersetzungen mit den Rechten und Versöhnlern schloß er sich aktiv der Parteimehrheit an, löste im April 1929 den Versöhnler Johannes Schröter als Polleiter in Halle-Merseburg ab. Schon zuvor war er als »Kommissar« des ZK gegen die KPO und die Versöhnler in der BL Thüringen eingesetzt. Auf dem XII. Weddinger Parteitag im Juni 1929 wurde er als Mitglied ins ZK gewählt, aber 1931 seiner Funktion in Halle enthoben. In den Hintergrund gedrängt und 1932 nicht mehr in den Reichstag gewählt, blieb er jedoch von April 1932 an Abgeordneter des Preußischen Landtages.
Anfang Juni 1933 emigrierte er unter dem Parteinamen Bernhard Schulz über das Saargebiet nach Frankreich, dann in die Tschechoslowakei, dort ab Januar 1935 Leiter der kommunistischen Emigration. Teilnehmer des VII. Weltkongresses und der »Brüsseler Parteikonferenz« 1935 in Moskau, wurde Kandidat der IKK und Mitglied der Kontrollkommission des ZK der KPD. Koenen unterzeichnete im Dezember 1936 den »Aufruf für eine deutsche Volksfront«. Seit November 1938 in Großbritannien, war dort nach Kriegsausbruch Leiter der KPD-Landesgruppe. Von 1940 bis 1942 auf der Isle of Man bzw. in Kanada interniert. Er führte mit Vertretern des SPD-Emigrationsvorstandes Verhandlungen und war in der »Freien deutschen Bewegung« in Großbritannien aktiv. 1944 Mitarbeit an Sefton Delmers englischem Soldatensender in Calais. Im Dezember 1945 über Prag Rückkehr nach Deutschland, zunächst Redakteur der Halleschen KPD-Zeitung »Freiheit«, dann von 1946 bis 1949 1. Landesvorsitzender der SED in Sachsen. Von 1946 bis 1958 und dann wieder von Januar 1963 bis zu seinem Tode gehörte er dem PV bzw. dem ZK der SED an. Im Januar 1949 wählte der PV Koenen in das ZS, wegen seiner Westemigration aber bald aus dem Sekretariat entfernt. Ab Mai 1949 Sekretär des Deutschen Volksrates bzw. ab Oktober 1949 Leiter des Sekretariats der Volks- und Länderkammer, danach Vorsitzender der »Interparlamentarischen Gruppe der DDR«. Wegen »mangelnder Wachsamkeit« bekam Koenen im Mai 1953 eine Rüge, weil er 1952 nicht verhindert hatte, daß eine in der Zeitschrift des Nationalrats »Deutschlands Simme« abgedruckte Losung in albanischer Sprache in Wirklichkeit eine »amerikanische Provokation« darstellte. Er spielte keine politisch wichtige Rolle mehr, erhielt 1956 den Karl-Marx-Orden. Wilhelm Koenen starb am 19. Oktober 1963 in Ost-Berlin.
Sein Sohn Heinrich Koenen (* 12. 5. 1910 in Königsberg) emigrierte 1933 in die Sowjetunion und absolvierte verschiedene militärische und nachrichtendienstliche Ausbildungen. Am 23.Oktober 1942 sprang er mit dem Fallschirm über Ostpreußen ab, gelangte auch nach Berlin und wurde dort in der Wohnung der bereits verhafteten Ilse Stöbe von der Gestapo »empfangen«. Ohne Prozeß in das KZ Sachsenhausen eingeliefert, wo er wahrscheinlich im Februar 1945 erschossen wurde. Wilhelm Koenens zweite Ehefrau war Emmy Damerius-Koenen.

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