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Krausz, Georg

* 2.3.1894, † 18.3.1973
Vorsitzender des Verbands Deutscher Journalisten

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Homonna (Österreich-Ungarn/Humené/Slowakei) in einer jüd. Fam.; Vater Prof. an einer Handelsschule, Mutter im KZ Auschwitz ermordet; Volks- u. Handels-HS, Gymnasium in Miskolc (Ungarn); 1912 – 18 Studium der Chemie an der TU Budapest, Kunstgeschichte, Romanistik u. Germanistik an der Univ. in Budapest u. 1914 in Frankreich; 1918 Studienassessor an einer Oberrealschule in der Slowakei; Herbst 1918 Gründungsmitgl. der KP Ungarn; 1918/19 Teiln. an der ungar. Räterev.; Mitgl. des rev. Direktoriums in Nord-Ungarn; 1919 Emigr. nach Wien, 1920 in die Slowakei; KP der Slowakei; 1920 Bez.-Sekr. des slowak. KJV in der Karpatho-Ukraine; 1921 Red., zeitw. Chefred. der »Volksstimme« in Preßburg (Bratislava); 1921/22 Zentral-Sekr. des KJV der ČSR in Prag; zeitw. verhaftet, Abschiebung nach Österreich; April 1922 Übersiedl. nach Dtl.; KPD; 1922 – 28 außenpol. Red. der »Roten Fahne« in Berlin; 1928 Mitarb. des ZK der KPD; 1928/29 Anhänger der »Versöhnler«; 1928/29 Chefred. der »Soz. Arbeiterztg.« in Leipzig; ab 1929 Red. an der »Inprekorr« u. weiteren Ztg. in Berlin, u. a. der Ztschr. der sowj. Handelsvertretung »Sowjetwirtschaft u. Außenhandel« (Ps. Herbert Georg, Georg Deutsch); 1932 – 36 Werbeltr. beim sowj. Reisebüro »Intourist« in Berlin; ab 1933 illeg. Arbeit im Berliner UB Kreuzberg u. UB Nord (»Georg«, »Herbert Mallow«; 13.8.1936 Verhaftung, Verurteilung durch das Kammergericht Berlin wegen »Hochverrats« zu vier Jahren Zuchthaus, Haft in Berlin, im Zuchthaus Brandenb. u. Waldheim, 1941 – 45 KZ Buchenwald, dort Mitgl. der illeg. KP-Org.
Apr. 1945 Red. der »Buchenwalder Nachrichten«; Mai 1945 vom sowj. NKWD bei Potsdam aufgrund einer Namensverwechslung verhaftet u. bis 1948 interniert, u. a. in Potsdam u. Torgau; Mai 1948 Entlassung; auf Beschluß des ZS des SED-PV Erholung im Parteiheim in Börnicke; anschl. Hauptred. bzw. Hauptref. in der Abt. Presse, Rundfunk, Werbung des ZS des SED-PV; Apr. 1950 stellv. Ltr. der Abt. Presse des ZK der SED; Korresp. der ungar. KP-Ztg. »Szabad Nép«; Aug. 1950 stellv. Ltr. der ZK-Abt. Agitation u. ab Okt. 1950 Red. des »Neuen Dtl.«; dort 1951 – 56 Ltr. der Abt. Prop. u. Mitgl. des Red.-Kolleg., außenpol. Korresp., berichtete u. a. über die stalinist. Schauprozesse in Osteuropa; 1954/55 stellv. Chefred.; 1956 – 68 Red. für bes. Aufgaben; 1957 – 67 Vors. des VdJ (Nachf. von  Deba Wieland); 1958 Studienreise durch Südostasien; 1967 – 73 Mitgl. des Präs. des Zentralvorst. des VDJ; zeitw. Vizepräs. der Internat. Journalistenorg. IOJ; 1959 Dr. h. c. an der KMU Leipzig; 1959 Banner der Arbeit; ab 1961 Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft; ab 1968 freier Mitarb. mit Vertrag beim »Neuen Dtl.«; 1964 KMO; 1969 VVO; gest. in Berlin.

Publ.: Feindl. Agenten in der Arbeiterbew. Lehren aus dem Rajk-Prozeß. In: Einheit (1950) 1; Kreuz u. quer durch China. Berlin 1957; Von Indien bis Laos. Berlin 1960; Gedanken u. Erfahrungen eines rev. Journalisten. Berlin 1974.
Sek.-Lit.: Volker, H.: Sibirien liegt in Deutschland. Berlin (West) 1958; Carlebach, E.: Tote auf Urlaub. Bonn 1995; Voigt, J. H.: Die Indienpolitik der DDR. Köln 2008.
BRB; AnH

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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 2. März 1894 in Humene/Slowakei, entstammte einer bürgerlichen Familie, der Vater war Professor an der Handelshochschule. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er von 1912 bis 1918 u. a. Germanistik und Psychologie an Universitäten in Budapest und in Frankreich. 1918 Studienassessor an einer Oberrealschule. Krausz schloß sich linkssozialistischen Studentengruppen an, war 1919 aktiv an den Kämpfen für die Ungarische Räterepublik beteiligt und Mitglied des »revolutionären Direktoriums« in Nord-Ungarn. Nach deren Niederschlagung floh er zunächst nach Wien, dann in die Slowakei, wurde Bezirkssekretär des KJV in der Karpato-Ukraine und 1921 Chefredakteur der kommunistischen »Volksstimme« in Bratislava. Krausz gehörte dem ersten ZK der Tschechoslowakischen KP als Vertreter der Jugend an, war 1921/22 Sekretär des ZK des KJV der Tschechoslowakei. 1921 in der âSR inhaftiert und nach Österreich ausgewiesen, übersiedelte er im April 1922 nach Deutschland, hier 1922/23 außenpolitischer Redakteur der »Roten Fahne« (unter dem Pseudonym Georg Mahlow). 1924 Chefredakteur des »Rhein-Ruhr-Pressedienstes« der KPD und von 1925 an wieder Redakteur der »Roten Fahne«.
1928 einer der aktiven und führenden Versöhnler, blieb Krausz trotz einer offiziellen »Reue-Erklärung« fest mit der Versöhnler-Fraktion verbunden. Ende 1928 aus der Redaktion der »Roten Fahne« entfernt, zunächst der Informationsabteilung des ZK der KPD zugeteilt, dann zur Redaktion der »Sozialistischen Arbeiterzeitung« nach Leipzig versetzt. Krausz persönliche Verbindungen zu Anhängern der Versöhnlergruppe in Leipzig veranlaßten die Leipziger BL nach dem XII. Weddinger Parteitag 1929, ihn als Redakteur abzusetzen und ihm wegen »fraktioneller Betätigung« ein Jahr Funktionsverbot zu erteilen. Nach Berlin zurückgekehrt, bestritt er seinen Lebensunterhalt mit Beiträgen für die »Inprekorr«, deren ständiger Mitarbeiter er bereits seit 1925 war. 1930 Angestellter im sowjetischen Reisebüro »Intourist«, offiziell war er dort von 1930 bis 1936 Leiter der Werbeabteilung. Ab 1933 illegale Arbeit in Deutschland, zeitweise lehnte er eine Zusammenarbeit der Versöhnler-Gruppe mit Walter Ulbricht ab. Am 13.August 1936 verhaftet und durch das Kammergericht Berlin zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Waldheim verbüßte. 1941 in das KZ Buchenwald eingeliefert, das Krausz überlebte, weil er seine jüdische Herkunft verschleiern konnte. Nach der Befreiung des Lagers im April 1945 als Redakteur der politischen Lager-Tageszeitung und in Weimar beim Aufbau der KPD-Ortsgruppe aktiv.
Im Juni 1945, noch während der amerikanischen Besetzung Thüringens, fuhr Krausz in die sowjetisch besetzte Zone, um den Heimtransport politischer Häftlinge zu besprechen. Unterwegs wurde er in Potsdam angeblich wegen ungenügender Ausweispapiere und einer Namensverwechslung von Organen der sowjetischen Besatzungsmacht festgenommen und als »amerikanischer Spion« in das nun zum Speziallager des NKWD umgewandelten ehemaligen KZ Sachsenhausen und dann Buchenwald eingesperrt. Erst nach weltweiten Protesten der Versöhnler sowie einer Intervention Wilhelm Piecks öffneten sich im Mai 1948 für Krausz die Lagertore. Er wurde Mitglied der SED, ab Juni 1948 Hauptreferent für außenpolitische Fragen im PV, 1950 stellvertretender Abteilungsleiter. Im Herbst 1950 Redakteur beim »Neuen Deutschland«, berichtete als Auslandskorrespondent u. a. aus Warschau und Prag. Inzwischen aber wegen seiner Vergangenheit wieder Überprüfungen seitens der ZPKK ausgesetzt, lieferte Krausz (um Repressalien zu entgehen?) linientreue Artikel, z. B. von den Schauprozessen in den Ostblockstaaten, u. a. im November 1952 über den Slánsk ´y-Prozeß, sowie am 6. Dezember 1952 über die »Zionistische Agentur des USA-lmperialismus«.
Am 27. Dezember 1951 hatte die ZPKK beschlossen: »Genosse Krausz erhält das Mitgliedsbuch. Begründung: Die durchgeführte Untersuchung ergab, daß Georg Krausz vor 1933 und in der Illegalität bis zu seiner Verhaftung der Fraktion der Versöhnler angehörte, daß er in der Illegalität nicht zur engeren Berliner Reichsleitung der Versöhnler gehörte. Genosse Georg Krausz war von 1936 bis 1945 im Zuchthaus und KZ und anschließend von unseren Freunden bis 1948 festgesetzt. Aus der Zeit nach 1948 kennen wir keine Tatsachen, wonach er sich erneut fraktionell bestätigte.« 1954/55 stellvertretender Chefredakteur des »Neuen Deutschland«, von 1956 bis 1968 »Redakteur für besondere Aufgaben«, ab 1968 freier Mitarbeiter des SED-Zentralorgans. Von 1957 bis 1967 war Krausz Vorsitzender des Verbandes der deutschen Presse, des späteren VdJ. 1959 verlieh ihm die Universität Leipzig den Dr. h. c. Im gleichen Jahr reiste er acht Monate lang durch Südostasien, berichtete darüber in seinem Buch »Von Indien bis Laos«, das 1960 in Ost-Berlin erschien und lobte in einer Schlußbemerkung besonders die chinesischen Kommunisten. Er erhielt 1964 den Karl-Marx-Orden. Georg Krausz starb am 18. März 1973 in Ost-Berlin.

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