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Kretschmer, Thomas

* 18.12.1955
Bürgerrechtler

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Dornburg (b. Jena); Vater Biologe, Mutter Horterzieherin, kath. erzogen; POS in Dornburg, 1972 Beginn einer Berufsausbildung mit Abitur im VEG Gartenbau Meilitz (b. Gera), 1972 Relegation von der Berufsschule nach Austritt aus der FDJ u. der Absichtserklärung, den Wehrdienst zu verweigern; danach Krankenpflegerausbildung im Städt. Krankenhaus Jena; Juni 1973 gescheiterter Fluchtversuch an der tschechoslowak.-österreich. Grenze (»um sich dem Wehrdienst zu entziehen«), Verhaftung u. Verurteilung zu 15 Monaten Jugendhaft durch das Kreisgericht Jena; Jugendstrafanstalt Ichtershausen, hier zunächst Verpflichtungserklärung zur Mitarbeit für das MfS, dann schriftl. Widerruf gegenüber dem Führungsoffizier, nach Haftentlassung 1974 erneute Versuche des MfS, ihn zur Mitarbeit zu erpressen, denen sich K. verweigert u. durch Dekonspiration entzieht; Kontakt zur Offenen Jugendarbeit in Jena, unter dem Einfluß der ev. Jugendarbeit Übertritt zur ev. Kirche; 1974 – 76 Krankenpfleger im Städt. Krankenhaus Jena u. in einem Behindertenheim in Bad Blankenburg; aktiv in der alternativen Jugendszene in Jena; 1976 Beginn des Theologiestudiums am Erfurter Predigerseminar, Heirat u. Umzug nach Apfelstädt (b. Erfurt) in ein Pfarrhaus, das sich zum Anlaufpunkt der Offenen Arbeit entwickelte; 1979 Unterbrechung des Studiums aus persönl. Gründen, 1980 nach einem MfS-Maßnahmeplan Verwehrung der Fortsetzung des Studiums durch die thüringische Amtskirche; Nov. 1980 Wehrdiensttotalverweigerung, Inhaftierung, Dez. 1980 Verurteilung auf Bewährung u. Entlassung aus der Haft nach der Bereitschaftserklärung, den Wehrdienst als Bausoldat abzuleisten; hier offensives Eintreten für pazifist. Ideen u. öff. Solidarisierung mit der Solidarność in Polen; Jan. 1982 erneut verhaftet u. bis Juni U-Haft in der zentralen U-Haftanstalt des MfS Berlin-Magdalenenstraße, Aug. 1982 vom Militärobergericht Halle zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, Jan. 1985 Überstellung in die MfS-Abschiebehaftanstalt Karl-Marx-Stadt, nach Verweigerung der Ausreise Fortsetzung der Haft in Karl-Marx-Stadt u. Leipzig; bis zum Juli 1985 weiter inhaftiert; aufgrund kirchl. u. internat. Proteste, u. a. durch Altbischof  Kurt Scharf, Bischof  Werner Leich u. die Gefangenenhilfsorg. »amnesty international«, die K. zum »Häftling des Jahres« erklärte, im Juli 1985 aus der Haft entlassen; anschl. Anstellung als kirchl. Handwerker in Ebersdorf (Krs. Lobenstein); 1989 Beteiligung an der Besetzung der MfS-Kreisdienstelle Lobenstein u. Mitarbeit im thüring. Bürgerkomitee zur Auflösung des MfS; vom MfS erfaßt in den OPK »Philister« u. »Seminar«.
1990 – 94 Abg. im Kreistag Lobenstein für die »Kirchl. Wählergemeinschaft«, lebt als Holzbildhauer mit seiner Fam. in Tegau (Saale-Orla-Krs.).

Sek.-Lit.: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biographien u. Fotos. Berlin 2006.
ChH

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