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Benkowitz, Gerhard

* 2.6.1923, † 29.6.1955
Widerstandskämpfer, Schauprozeßopfer

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Sudshenka (UdSSR) als Sohn einer Wolgadt. u. eines dt. Offiziers, der 1915 in russ. Kriegsgefangenschaft geraten war; 1924 Umzug nach Weimar; 1929 Einschulung, 1931 Internatsschule bei Stuttgart, ab 1938 wieder in Weimar, 1941 dort Abitur; anschl. Offiziersanw. der Wehrmacht, Juli 1943 Verwundung in der Schlacht am Kursker Bogen; 1944 ein Semester Medizinstudium an der Univ. Jena.
Nach 1945 Verhaftung des Vaters durch sowj. Geheimpolizei (Schicksal bis heute ungeklärt); Arbeit als Verkäufer, später in der Stadtverwaltung von Weimar, ab Ende 1946 bei der SMA Thüringen; 1946 LDP, Austritt 1946, 1948 SED; 1949 FS-Studium Russisch, 1950 Russischlehrer in Buttstädt, 1951 in Weimar, ab 1954 dort stellv. Schulltr.; 1949 Kontaktaufnahme zur KgU in West-Berlin, zunächst, um das Schicksal des Vaters aufzuklären, später Stimmungsberichte an die KgU; Herbst 1950 Bildung einer illeg. Widerstandsgr., trägt zeitw. illeg. eine Waffe, 1950 – 52 Vorbereitung von Sabotagemaßnahmen u. Sprengungen, die jedoch nicht vollzogen werden; nach 1952 Abkehr von der militanten Strategie u. Orientierung auf illeg. polit. Widerstand (Flugblätter, Kettenbriefe u. a.); 4.4.1955 Festnahme von B. u. Ehefrau; 22./23.6.1955 Schauprozeß am OG, 23.6.1955 Verkündung des Todesurteils, 29.6.1955 Hinrichtung durch Enthauptung in Dresden.
Im Juni 1955 fanden drei lange geplante Schauprozesse statt; die Todesurteile hatte  Walter Ulbricht vor Prozeßbeginn genehmigt oder angeordnet. B. u. die KgU galten bis 1989 der DDR-Propaganda als »Beweise« für die militante Bekämpfung der DDR durch den »Klassenfeind«.

Sek.-Lit.: Fricke, F. W., Engelmann, R.: »Konzentrierte Schläge«. Staatssicherheitsaktionen u. polit. Prozesse in der DDR 1953 – 1956. Berlin 1998.
ISK

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