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Linse, Walter

* 23.8.1903, † 15.12.1953
Opfer politischer Strafjustiz

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Chemnitz; Vater Postsekretär; 1910 – 24 Schulbesuch in Chemnitz, Abitur; 1924 – 32 Studium der Rechtswiss., Philos. u. Geschichte an der Univ. Leipzig, 1927 Erste jur. Staatsprüfung; 1927 – 31 Referendar in Chemnitz u. Stollberg; 1931 Große jur. Staatsprüfung; 1931 – 33 Assessor in Stollberg u. Leipzig;, Hilfsrichter in Leipzig 1933 – 38 Rechtsanwalt in Chemnitz; 1938 Prom. zum Dr. jur. an der Univ. Leipzig; 1938 – 45 Referent bei der IHK Chemnitz, ab Sept. 1938 zuständig für die »Bearb. von Entjudungsvorgängen« u. der »Arisierung« jüd. Gewerbebetriebe im Bez. Chemnitz; 1940 NSDAP; Aufgaben im Rahmen des »totalen Kriegseinsatzes« bei der Koordinierung von jüd. Zwangsarbeit.
1945 – Juni 1949 Geschäftsf. der IHK Chemnitz; Vors. des LDP-BV Chemnitz; 1949 Flucht nach West-Berlin; 1949/50 Privatunternehmer in West-Berlin; ab Jan. 1951 Mitarb. im Untersuchungsaussch. Freiheitl. Juristen, dort ab 1951 Ltr. der Abt. Wirtschaft; Juli 1952 Organisator eines Internat. Juristenkongresses, der sich mit Rechtsbrüchen in der SBZ/DDR befaßt; am 8.7.1952 von Berlin-Lichterfelde nach Ost-Berlin entführt u. in der U-Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert, im Dez. 1952 dem KGB in Berlin-Karlshorst übergeben; Haft in der »Lubjanka« in Moskau; Proteste u. Kundgebungen gegen die Entführung, u. a. am 10.7.1952 in West-Berlin mit 25.000 Teiln.; am 23.9.1953 von einem sowj. Militärtribunal wegen »Spionage, antisowj. Propaganda u. Bildung einer antisowj. Org.« zum Tode verurteilt; am 15.12.1953 im »Butyrka«-Gefängnis in Moskau hingerichtet u. auf dem Friedhof des Don-Klosters in Moskau verbrannt u. anonym bestattet; am 8.5. 1996 von der russ. Staatsanwaltschaft rehabilitiert.

Publ.: Der untaugl. Versuch u. das Rechtsgefühl des Volkes. Eine dogmat. u. empir. Studie. Dresden 1938.
Sek.-Lit.: Mampel, S.: Entführungsfall Dr. W. L. – Menschenraub u. Justizmord als Mittel des Staatsterrors. Berlin 1999; Bästlein, K.: Vom NS-Täter zum Opfer des Stalinismus. Berlin 2008; Kirsch, B.: W. L. Dresden 2007.
HME

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