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Loeser, Franz Georg

* 20.12.1924, † 21.1.1990
Philosoph

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Breslau (Wrocław, Polen) in einer dt.-jüd. Fam., Vater Rechtsanwalt, beide Eltern wurden Opfer der Shoa; Volksschule u. Zwingergymn. in Breslau; 1938 mit einem jüd. Kindertransport Emigr. nach Großbrit.; Schulabschluß in London; 1940 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Kontakte zur FDJ in London, u. a. mit  Horst Brasch, Hinwendung zum Marxismus; 1943 / 47 als Angeh. der brit. Armee Teiln. am 2. Weltkrieg, 1945 – 47 Stationierung in Japan, dort als Angeh. einer med. Einheit mit den Auswirkungen der US-amerikan. Atombombenabwürfe konfrontiert.
1947 – 51 Stud. der Philos., polit. Wiss. u. Math. an der Univ. of Minnesota (USA), Bachelor of Arts; Mitgl. des Sozialist. Studentenbundes u. der KP der USA, Verfolgung durch McCarthy-Aussch., 1951 Ausweisung aus den USA u. Übersiedl. nach Großbritannien; Verweigerung der brit. Staatsbürgerschaft wg. »kommunist. Gesinnung«; 1955 / 56 Generalsekr. des Komitees für die Bürgerrechte Paul Robesons; 1951 – 56 Fortsetzung des Studiums in Manchester.
1956 Übersiedl. in die DDR; 1957 SED; 1957 Ass. am Inst. für Philos. der HU Berlin, dort 1962 Prom. mit der Arbeit »Kritik des Subjektivismus in den eth. Anschauungen von Bertrand Russel«, 1967 Habil. mit der Schrift »Zur Entw. einer marxist. Interpretation der Deontik«; 1968 kommissar. Ltg. der Abt. Ethik u. Prof. mit Lehrauftrag für marxist.-leninist. Ethik am Inst. für Philos. der HU, 1969 ord. Prof. für marxist.-leninist. Organisationswiss., ab 1978 für das Fachgebiet Heuristik, u. Ltr. des Bereichs Logik, Methodologie u. Heuristik an der Sektion Wissenschaftstheorie und -org. der HU Berlin; nach Konflikten mit der SED-Führung im Kontext der unabh. DDR-Friedensbew. 1980 vorzeitig em.; Mitgl. des Präsidiums des DDR-Friedensrats; 1967 Mitunterz. der anti-israel. »Erklärung jüd. Bürger der DDR«; 1974 VVO; 1983 nach einer USA-Reise Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl., Lehrtätigkeit an der Univ. Köln; gest. in Bergheim-Kenten.
L. hat die erste marxist. Ethik-Vorlesung der DDR ausgearbeitet; Pionier der Deontik u. Mnemotechnik in der DDR; neben wiss. Tätigkeit auch publizist. u. propagandist. Arbeit für die SED.

Publ.: Deontik (1966); Interrogativlogik (1968); Mord auf Befehl. Warum mußten die Rosenbergs sterben? (1976); Die Abenteuer eines Emigranten. Erinnerungen. Berlin (Ost) 1980; Die unglaubwürdige Gesellschaft. Quo vadis, DDR? Köln 1984; Sag nie, du gehst den letzten Weg. Ein dt. Leben. Köln 1986 (Autobiogr.); Die DDR auf dem Weg in das Jahr 2000. Politik, Ökonomie, Ideologie. Plädoyer für eine demokratische Erneuerung. Köln 1987 (mit -> Hermann von Berg u. -> Wolfgang Seiffert).
Sek.-Lit.: Kirsch, R.: Kopien nach Originalen. Leipzig 1974, S. 60 – 91.
DiH; BRB

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