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Melsheimer, Ernst

* 9.4.1897, † 25.3.1960
Generalstaatsanwalt

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Neunkirchen (Saar); Vater Dir. der Neunkirchner Eisenwerke; 1903 – 14 Volksschule, Realgymnasium, Abitur in Neunkirchen; 1914/15 Soldat, verwundet; Studium der Rechts- u. Staatswiss. in Marburg u. Bonn; 1918 Referendarexamen; Febr. 1919 Prom. zum Dr. jur.; Vorbereitungsdienst bei den Gerichten in Rhauenen, Saarbrücken u. Köln; 1921 Assessorexamen; 1921 – 37 Assessor im Justizmin.; ab 1924 als LG-Rat; ab 1932 als Oberjustizrat; ab 1933 LG-Dir.; 1937 zum Kammergerichtsrat degrad.; 1928 SPD; Abt.-Ltr. in Berlin-Steglitz, Krs.-Vorstandsmitgl., Abg. des Bez.-Tags.; Mitgl. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold u. dessen Vorst. in Berlin-Steglitz; Mai 1933 kurzz. inhaftiert; 1937 – Mai 1945 Mitgl. des Zivilsenats 1a beim Kammergericht Berlin; 1942 – 44 Krs.-Rechtsberater im NSV; Mitgl. des NS-Rechtswahrerbundes.
16.5.1945 Oberstaatsanwalt beim Bez.-Gericht Berlin-Friedenau, von Gen. Jan Bersin eingesetzt; Juni 1945 KPD, dann SED; Mitgl.
des Krs.-Vorst. Berlin-Schöneberg; Juli 1945 Oberstaatsanwalt beim Bez.-Gericht Berlin-Mitte; ab 13.9.1945 – April 1946 Ltr. der Abt. Gesetzgebung in der Zentr. Justizverw.; dann Vizepräs. bis 1949; 7.12.1949 – 1960 Gen.-Staatsanwalt der DDR; führte eine Reihe Prozesse u. a. im April 1950 gegen den ehem. Sozialminister des Landes Sachsen-Anh., Dr.  Leo Herwegen, u. den Min.-Dir.  Willi Brundert (Dessauer Prozeß), Zeugen Jehovas,  Leonhard Moog,  Wolfgang Harich,  Walter Janka; erwarb sich den Ruf eines »zweiten  Andrej J. Wyschinski«; 1951 leitete in Berlin (West) der Unters.-Aussch. freiheitl. Juristen eine Anklage gegen ihn wegen Verfolgung Unschuldiger, schwerer Freiheitsberaubung im Amt, Rechtsbeugung u. Anstiftung zur Urkundenvernichtung ein; bis 1955 hat E. M. zu 90 Todesurteilen u. 200 lebenslängl. Zuchthausstrafen seine Zustimmung gegeben; 1952 Mitgl. des Jur. Arbeitskrs. der DAW; gest. in Berlin.

Publ.: Wahlschuld u. Wahlerklärung. Marburg 1921; Kostenrecht. Berlin 1937; Reichskostenordnung. Berlin 1942.
Sek.-Lit.: Weber, J., Piazolo, M. (Hrsg.): Justiz im Zwielicht. München 1998; Heymann, B.: E. M. Frankfurt (Main) 2007.
HME

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