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Müller, Rainer

* 26.9.1966
Bürgerrechtler

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Borna (b. Leipzig); Vater Hauptbuchhalter, Mutter Hauptbuchhalterin; aufgewachsen in Benndorf (b. Frohburg); 1973 – 76 Schule in Nenkersdorf, 1976 – 83 POS »Maxim Gorki« in Frohburg; aktiv in der Jungen Gemeinde, wg. Tragens des Aufnähers »Schwerter zu Pflugscharen« nicht zur Abiturausbildung zugelassen; Lehre als Maurer beim VEB Verkehrs- u. Tiefbaukombinat Leipzig, wg. Verweigerung der Unterschrift unter eine offizielle polit. Petition nicht durch den Ausbildungsbetrieb übernommen; Handwerker in der Baubrigade des Kirchenbez. Borna; nach Sonderreifeprüfung Zulassung zum Theologiestudium an der KMU Leipzig, Febr. 1987 Entzug der Studienzulassung nach Wehrdiensttotalverweigerung; Sept. 1987 – 88 Studium am Theolog. Seminar (ehem. Missionsseminar) in Leipzig, ausgeschieden wg. Kritik an der kompromißorientierten Linie der Kirche gegenüber dem Staat im Zusammenhang mit den Friedensgebeten in Leipzig; versch. Eingaben u. Petitionen an staatl. Stellen u. a. zu Umweltfragen u. gegen den Übergriff der Sicherheitsorgane auf die Berliner Umweltbibliothek; 1985 – 87 Mithrsg. der Samizdat-Ztschr. »Namenlos«; ab 1986 Kontakt zur IFM; 1986 Sammlung von Unterschriften zur Durchführung einer Volksabstimmung über die Nutzung der Atomenergie, u. a. auf dem Umwelttag Mölbis; ab 1987 aktiv im Arbeitskreis Solidar. Kirche, in der Umweltgruppe Borna u. in der Arbeitsgruppe Menschenrechte um Pfarrer  Christoph Wonneberger; ab Sommer 1988 aktiv im kirchl. Arbeitskreis Gerechtigkeit u. dessen Sprecher; Sept. 1987 Teiln. am Olof-Palme-Marsch mit einem Plakat gegen Raketenstationierung in der DDR; Teiln. am Umweltgottesdienst in Deutzen u. 1988 am »1. Pleiße-Gedenkumzug« in Leipzig 1988; nach der Ersetzung der Friedensgebete durch entpolitisierte »Montagsgebete« ab Ende Aug. 1988 Durchführung einer »Speakers Corner« (9 Wochen hintereinander) auf dem Leipziger Nikolaikirchplatz, am 24.10.1988 während des »Montagsgebets« in der Leipziger Nikolaikirche Protest-Transparent gegen diese Entscheidung der sächs. Kirchenltg. u. demonstrativer Marsch aus der Kirche, am 26.10. Festnahme, Ordnungsstrafe u. Belehrung; 10.12.1988 Mitgr. der »Arbeitergruppe zur Situation der Menschenrechte in der DDR«; Jan. 1989 nach dem Verteilen eines Aufrufs für eine alternative Demonstration zur offiziellen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Leipzig verhaftet, Ermittlungsverfahren, nach massiven Protesten eine Woche später freigelassen; Bestrebungen um eine DDR-weite Vernetzung von Oppositionsgruppen, in diesem Zusammenhang Sept. 1988 bis März 1990 Organisation des monatl. Sonnabend-Kreises in Leipzig; vom MfS erfaßt in der OPK »Aktion« u. im OV »Märtyrer«; 1990 Mitgl. des DDR-Sprecherrats der IFM.
1991 – 93 Bündnis 90, ab 1993 Mitgl. des Neuen Forums; Studium der Geschichte an der Univ. Leipzig; lebt als freiberufl. Historiker in Leipzig.

Sek.-Lit.: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biographien u. Fotos. Berlin 2006.
ChH

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Redaktionsschluss: Oktober 2009. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet.
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