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Nelhans, Erich (eigtl.: Nehlhans)

* 12.2.1899, † 15.2.1950
Kommissarischer Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Berlin; aufgewachsen in einer streng religiösen jüd. Fam., Vater Kaufm. u. Vorsteher der Alten Synagoge in der Berliner Heidereutergasse; Mittelschule; 1918 Eintritt in die kaiserl. Armee; danach tätig als Kaufm. in Berlin, betrieb eine kleine Druckerei, die u. a. Postkarten vertrieb; ab 1934 nebenbei versch. Arbeiten, u. a. bei der DR; 1934 Heirat; 1938 endgültige Aufgabe der Druckerei; ab 1942 in der Illegalität, z. T. unter falscher Identität; Anstellung in einer Kartonagenfabrik.
Mai 1945 Umzug in den Berliner Stadtbez. Prenzlauer Berg, Engagement für die Wiederherstellung der Synagoge Rykestraße, beteiligt an der Wiedergründung u. kommissar. Vors. der Jüd. Gemeinde Berlin; Vors. der religiös-zionist. Vereinigung Misrachi in Berlin, die sich für den Aufbau des Staates Israel einsetzte u. für die Übersiedl. nach Palästina warb; Engagement für »Displaced Persons« in der SBZ, das vom NKWD zunehmend beargwöhnt wurde; versorgte zudem jüd. Rotarmisten, die nach Palästina wollten, mit Papieren u. Zivilkleidung u. ermöglichte so ihre Flucht in die Westsektoren; Einbestellung u. Verwarnung durch die sowj. Kommandantur in Berlin; nach weiterem Engagement für auswanderungswillige Juden, die als Bewohner der UdSSR in die Rote Armee eingezogen worden u. in Berlin stationiert waren, am 7.3.1948 vom NKWD verhaftet, Haft im NKWD-Gefängnis Magdalenenstraße in Berlin-Lichtenberg, am 4.8. 1948 zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt, Überstellung in das Speziallager Sachsenhausen, nach zwei Monaten Transport in die UdSSR, inhaftiert im Gefängnis Brest; nach schwerer Hepatitis-Erkrankung gest. im Krankenhaus Dubrawlag (Moldawien), beigesetzt auf dem Friedhof des Lagerpunkts Nr. 2. 1997 Aufhebung des Urteils u. Rehabilitierung.

Sek.-Lit.: Leo, A.: E. N. In: Karl Wilhelm Fricke, K. W. u. a. (Hrsg.): Opposition u. Widerstand in der DDR. Polit. Lebensbilder. München 2002.
ChH

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