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Nuding, Hermann

* 3.7.1902, † 31.12.1966
KPD/SED-Funktionär

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Oberurbach (Württemb.); Vater Fabrikarb.; 1909 – 16 Volksschule in Oberurbach; Ausbildung zum Weißgerber u. Lederarb.; 1918 Mitgl. des Zentralverb. der Lederarbeiter Dtl. u. des Spartakusbunds; dann KPD; 1919 Mitgl. der Freien Soz. Jugend; Mitbegr. von KPD-Ortsgr. in Württemberg; Vors. der KPD Oberurbach; 1920 Mitgl. der KJVD-BL Württemberg; Sept. 1923 – Dez. 1924 im Auftrag der IAH in den USA eingesetzt (»Jimmy Hill«), 1923/24 Mitgl. der KP der USA; bis 1925/26 führend im KJVD in Württemberg; Mai 1925 Pol.-Sekr. der KPD-BL Württemberg; Mitgl. des ZK des KJVD; 1926 – 28 Aufenthalt in der UdSSR, Mitgl. der VKP(b); 1927/28 Schüler der Internat. Lenin-Schule der KI in Moskau; ab Okt. 1928 hauptamtl. KPD-Funktionär zunächst in Düsseldorf, dann in Solingen; Mitarb. des M-Apparats der KPD; 1929 Sekr. des KPD-UB Hagen (Niederrh.); Mai – Dez. 1929 Instrukteur des ZK der KPD im Bez. Oberschles.; Jan. – Febr. 1930 Pol.-Sekr. (Pol.-Ltr.) der KPD in Chemnitz; Feb. 1930 – Okt. 1931 erkrankt; Okt. 1931 – Mai 1932 Agit.-Prop.-Ltr. im Verb. proletar. Freidenker; Mai – Dez. 1932 Org.-Sekr. der KPD-BL Berlin-Brandenb.-Lausitz-Grenzmark u. Mitarb. der Org.-Abt. des ZK der KPD; Dez. 1932/33 Ltr. der Org-Abt. des ZK der KPD in Berlin; 28.2.1933 verhaftet u. »Schutzhaft« im KZ, 1934 vermutl. wegen schwerer Erkrankung (Tbc) entlassen; 1934 Emigr. nach Prag, anschl. in die UdSSR; 1934/35 Mitarb. des Mitteleurop. Ländersekr. des EKKI (»Hermann Degen«); 1935 Lehrer für Parteiaufbau an der KUNMZ in Moskau; Okt. 1935 – März 1937 in Prag u. Paris Ltr. des KPD-Abwehrapparats/ Nachrichtendienstes, verantw. für Kader- u. Ltr. »Abwehrarbeit« (Nachf. von Hans Kippenberger); Apr. 1937 – Ende 1938 wg. angebl. »schwerwiegender Wachsamkeitsfehler« aller Funktionen enthoben, Funktionsverbot; 1939/ 40 in Frankreich interniert im Lager Chambaron (Isére); anschl. in der Résistance (»Jean Bauer«), 1942 in einer Widerstandsgr. u. a. mit Louis Aragon; später aktiv bei den Maquis in Haut Savogon; ab Okt. 1944 Red. der BFD für den Westen.
Okt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Mitarbeit am Wiederaufbau der KPD Stuttgart u. Württemberg; 2. Vors. des KPD-LV Württemberg / Baden; Mitgl. der KPD-BL Baden-Württemberg; 1946 Mitgl. des PV der SED; 1946 – 49 Mitgl. der KPD-Fraktion in der Verfassungsgebenden Vers. bzw. des Landtags Württemberg-Baden, Vors. des Rechtsaussch.; Juni 1948 Wahl zum Mitgl. des Sekr. des PV der KPD; 1949 – 51 Abg. des Dt. Bundestags, Sprecher der KPD-Fraktion; verlor Anf. Juli 1950 auf KPD-Beschluß alle Parteiämter u. legte auf Weisung des PB der SED das Bundestagsmandat nieder; bis Mai 1955 formal Angest. der KPD; lebte als Rentner in Stuttgart; nach längerer Krankheit dort gest.

Sek.-Lit.: Klocksin, J. U.: Kommunisten im Parlament. Bonn 1993; Kaufmann et. al.: Der Nachrichtendienst der KPD 1919 – 1937. Berlin 1994; Mayer, H.: Durchsetzt von Parteifeinden, Agenten, Verbrechern ... Zu den Parteisäuberungen in der KPD (1948 – 1952) u. der Mitw. der SED. Berlin 1995.
BRB

© Die Urheberrechte am Lexikon und aller seiner Teile liegen beim Ch. Links Verlag. Die Weiterverwendung von Biographien oder Abschnitten daraus bedürfen der Zustimmung des Verlages.
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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 3. Juli 1902 im württembergischen Ober-Urbach, Sohn einer Arbeiterfamilie; Lehre und Arbeit als Weißgerber. 1919 Mitglied der FSJ und der KPD. Nuding gehörte bis 1926 der KJVD-BL Württemberg an. Im Auftrag der IAH reiste er 1923 als Instrukteur in die USA. Nach seiner Rückkehr 1925 Polleiter des KJVD in Württemberg und Mitglied der dortigen KPD-BL, sowie Mitglied des ZK des KJVD. 1927/28 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, danach Polleiter des KPD-UB Hagen, von Mai bis Dezember 1929 Instrukteur des ZK in Oberschlesien, anschließend Polleiter des UB Chemnitz. Nach längerer Krankheit im Oktober 1931 Agitpropsekretär der Reichsleitung des »Verbandes der proletarischen Freidenker«. Unter Walter Ulbricht war Nuding von Mai bis Dezember 1932 Orgleiter der BL Berlin-Brandenburg, Ende 1932 bis zum Reichstagsbrand Leiter der Orgabteilung des ZK. Am 28.Februar 1933 verhaftet, blieb er bis Anfang Juli 1934 in »Schutzhaft«, dann Emigration in die âSR, anschließend in die Sowjetunion. Im EKKI tätig und von 1935 bis 1938 Mitarbeiter des ZK der KPD für Kader und Abwehrfragen, nach Ablösung Hans Kippenbergers für die Überprüfung des AM-Apparates zuständig. Unter dem Parteinamen Claus Degen 1935 Teilnehmer der »Brüsseler Konferenz« der KPD, 1935/36 instruierte er von Zürich aus die illegale KPD in Württemberg. Das Politbüro beschloß am 28. Februar 1937, Nuding habe Leo Flieg im Auslandssekretariat des ZK der KPD in Paris abzulösen. Diese Tätigkeit mußte Nuding bereits Ende 1938 aufgeben, denn wegen »schwerwiegender Wachsamkeitsvergehen« wurde er sämtlicher Funktionen entbunden. 1939/40 im Lager Gurs interniert, Landarbeiter in Südfrankreich. Unter dem Namen Jean Bauer beteiligte sich Nuding an illegaler Arbeit der Résistance und der Bewegung »Freies Deutschland«.
1945 wurde Nuding 2. Vorsitzender der KPD Württemberg, später Baden-Württemberg. Er war von April 1948 bis Juli 1950 Mitglied des Sekretariats des PV der KPD (verantwortlich für Arbeit und Soziales), bis 1950 Abgeordneter des Landtags Baden-Württemberg und im September 1949 in den Deutschen Bundestag gewählt. Auf dem III. Parteitag der SED im Juli 1950 von Wilhelm Pieck öffentlich kritisiert, wurde Nuding »schwerer opportunistischer Fehler« (u. a. versöhnlerisches Verhalten gegenüber Kurt Müller, Ablehnung der Arbeitsgemeinschaft SED-KPD usw.) bezichtigt. Die Empfehlung der PKK, ihn wegen »parteischädigenden Verhaltens« aus der KPD auszuschließen, wurde aber vom Sekretariat abgelehnt. Im Oktober 1950 schwer erkrankt, widersetzte er sich der dringenden »Empfehlung« auf Übersiedlung in die DDR und zog sich aus der aktiven politischen Arbeit zurück. Hermann Nuding starb am 31.Dezember 1966 in Stuttgart.
Er war von 1923 bis 1947 mit Paula Kopp (*1902 – †1980), spätere Paula Rueß, verheiratet, einer bekannten württembergischen Kommunistin. Sie war 1923 Redakteurin der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« in Stuttgart, später u. a. Kurier zwischen dem KJVD und der KJI. Nach 1933 im Auslandssekretariat des ZK in Frankreich, im Januar 1940 verhaftet, schloß sie sich der Résistance an. Am 1. November 1943 in Paris festgenommen, schwer gefoltert, kam in das KZ Ravensbrück. 1945 Frauensekretärin des DGB Heidelberg, später aktive Arbeit für die KPD/DKP und die VVN.

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