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Pieck, Wilhelm (Friedrich Wilhelm Reinhold)

* 3.1.1876, † 7.9.1960
Präsident der DDR

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Guben; Vater Kutscher, Mutter Wäscherin; 1882 – 90 Volksschule u. 1890 – 94 Tischlerlehre in Guben; 1894 – 96 Wanderjahre als Geselle; ab Okt. 1896 – 1906 als Tischlergeselle in Bremen; 1898 Heirat mit der Schneiderin Christine Häfker (3 Kinder: Elly P., verh.  Winter, geb.: 1.11.1898,  Arthur P., geb.: 28.12.1899, Eleonore P., verh.  Staimer, geb. 14.4.1906); 1894 Dt. Holzarb.-Verb.; Ende 1895/96 einige Mon. Vors. von dessen Ortsverein Osnabrück; 1.7.1895 SPD; 1899 Stadtbez.-Vors. der SPD in Bremen; 1900 Vors. der Zahlstelle Bremen des
Dt. Holzarb.-Verb.; 1904 Vorstandsmitgl. u. Hauptkassierer des Bremer Gewerkschaftskartells; unter Einfluß von Heinrich Schulz (Chefred. der sozialdemokrat. »Bremer Bürger-Ztg.«), marxist. Entw. u. linke Parteiposition; Teiln. am Bremer Parteitag der SPD 1904; 1905 Vors. der Pressekommission des Bremer SPD-Organs; 1905 stellv. Vors. des SPD-Bildungsaussch. in Bremen; 1905 – 10 Mitgl. der Bremer Bürgerschaft; Juli 1906 – 10 hauptamtl. Sekr. des Sozialdemokrat. Vereins in Bremen; 1907/08 Teiln. am Halbjahreskurs der zentr. Parteischule der SPD in Berlin (Lehrer u. a. Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Heinrich Cunow); Delegierter der SPD-Parteitage 1908 in Nürnberg u. 1909 in Leipzig; März 1910 vom PV zum 2. Sekr. des Zentr. Bildungsaussch. der SPD (Vors.: Heinrich Schulz) u. Sekr. der zentr. Parteischule berufen, enger Kontakt mit Franz Mehring; Delegierter des Chemnitzer Parteitags der SPD 1912; 2. Vors. des Sozialdemokrat. Wahlvereins Berlin-Steglitz; nach Ausbruch des 1. Weltkriegs an Bemühungen zur Sammlung der opp. Kräfte in der Partei beteiligt (zus. mit Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring,  Hermann Duncker); April 1915 beauftragt mit Druck u. Verbreitung der Zschr. »Die Internationale«; Mai 1915 führend beteiligt an der Frauendemonstration gegen den Krieg in Berlin, daraufhin Mai – Okt. 1915 »Schutzhaft«, anschl. Militärdienst (Infanterie) an Neiße u. Westfront (u. a. Verdun); Jan. 1916 Teiln. an der Reichskonferenz der Gruppe Internationale (fortan Spartakusgr.) in Berlin; Dez. 1916 vom PV der SPD als Parteiangest. gekündigt; April 1917 Teiln. an der Reichskonferenz der Spartakusgr. u. Gründungsparteitag der USPD in Gotha; Juni – Okt. 1917 U-Haft, anschl. Desertion u. illeg. Arbeit in Berlin (u. a. an der Vorber. des Streiks der Berliner Rüstungsarb. Jan. 1918 beteiligt); Febr. 1918 Emigr. nach Amsterdam; dort i. A. der Spartakusgr. neben Erwerbstätigkeit als Tischler Arbeit für die Red. des »rev.-soz.« Wochenblatts »Der Kampf«; 26.10.1918 Rückkehr nach Berlin; Mitgl. des illeg. Vollzugsaussch. der Berliner rev. Obleute; seit Bildung des Spartakusbunds (11.11.1918) Mitgl. seiner Zentr., verantw. für rev. Agit.-Arbeit in Berlin; (zus. mit  Jacob Walcher) Vors. des Gründungsparteitags der KPD (30.12.1918 – 1.1.1919 in Berlin); Mitgl. der Zentr. bzw. (ab 1925) des ZK der KPD – 1946, bei den Januarkämpfen 1919 mit Karl Liebknecht eingetreten für den Sturz der Reg. durch bewaffn. Aufstand, 15.1.1919 zus. mit Karl Liebknecht u. Rosa Luxemburg verhaftet, 17.1.1919 Flucht (unter umstrittenen Umständen); Juli – Nov. 1919 erneut verhaftet u. Flucht; März 1920 von der KPD-Zentr. als pol. Berater der Roten Ruhrarmee entsandt; seit April 1920 Mitgl. einer Militärkommission der KPD-Zentr.; Referat auf dem 4. Parteitag der KPD (April 1920 in Berlin) zur Wahlagit. für die Reichstagswahlen; auf dem Vereinigungsparteitag der USPD-Linken mit der KPD (Dez. 1920 in Berlin) Wahl zum Sekr. der Zentr.; 1920 – 24 Ltr. ihres Org.-Büros; Berichterstatter der Geschäftsberichte der Zentr. auf dem 7. u. 8. Parteitag der KPD (1921 bzw. 1923); Sept. – Nov. 1921 erste Reise nach Sowjetrußland (zus. mit Fritz Heckert) zur Berichterstattung vor dem EKKI u. Beratungen mit Wladimir I. Lenin u. a. Führern der KPR(B); 1921 – 28 Mitgl. des Preuß. Landtags; seit 1922 Mitgl. des EK der IRH, Nov. 1937 – Juli 1941 (Auflösung) dessen Vors.; 1924 Ltg. der RHD (zus. mit Clara Zetkin), ab März 1925 – 33 Vors. ihres ZK bzw. Zentralvorst.; Aug. 1923 Mitgl. eines Aussch. zur Aufstandsvorber. u. Ltr. einer Kommission für Waffenbeschaffung; Dez. 1923/Jan. 1924 (zus. mit anderen Mitgl. der Partei-Zentr.) zu Beratungen im EKKI; Teiln. an Trauerfeierlichkeiten anläßl. des Todes von Wladimir I. Lenin u. erste Begegnung mit Jossif W. Stalin; ab Okt. 1925 Ltr. der Geschäftsabt. u. ab Dez. 1925 des Org.-Büros, Febr. 1926 – Nov. 1929 Pol.-Sekr. der BL Berlin-Brandenb.-Lausitz (im Zuge innerparteilicher Cliquenkämpfe von  Walter Ulbricht abgelöst); seit 18.11.1926 Mitgl. des PB bis zu dessen Auflösung März 1937; ab Dez. 1929 Ltr. der Kommunalpol. Abt. des ZK der KPD; 1928 – 43 Mitgl. des EKKI, ab 1931 auch des Präs. u. des Pol.-Sekr. des EKKI; 1928 – 33 Mitgl. des Dt. Reichstags; 1929 – 33 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Berlin u. Fraktionsvors. der KPD; 1929 – 33 Mitgl. des Preuß. Staatsrats; 1932 – 33 Mitgl. des Preuß. Landtags u. Fraktionsvors. der KPD; Nov. 1930 – Juni 1932 Vertreter der KPD beim EKKI; Jan. – Mai 1932 Rektor der Internat. Lenin-Schule der KI in Moskau; Juli 1932 Kand. des Sekr. des ZK der KPD u. mit der Ltg. der parl. Tätigkeit der KPD beauftragt; zugl. Anleitung einer Abt. Waffen- u. Materialbestände; 7.2.1933 Teiln. an der illeg. Funktionärsberatung des ZK in Ziegenhals (b. Berlin); 23.2.1933 Auftreten auf der letzten legalen Massenkundgebung der KPD in Berlin (Sportpalast); bei der Reichstagswahl 5.3.1933 erneutes Mandat (annuliert), illeg. Führungsarbeit; ab 25.5.1933 auf Anweisung der KI zus. mit  Franz Dahlem u. Wilhelm Florin als illeg. »Auslandsltg.« der KPD in Paris; Mitte Nov. – Ende Dez. 1933 in Moskau; Berichterstatter auf dem XIII. Plenum des EKKI über Lage in Dtl. u. Tätigkeit der KPD, vertrat in Auseinandersetzungen innerhalb der Auslandsltg. (seit April 1934) zus. mit Walter Ulbricht die sich verändernde taktische Linie der KI-Führung (Einheits -u. Volksfront); Reisen nach Moskau 10. – 25.7., 15.9. – 3.10. u. zus. mit der Auslandsltg. ab 17.12.1934 zur Klärung der Differenzen (bes. mit F. Schulte, H. Schubert, Franz Dahlem u. Wilhelm Florin) u. Vorber. des VII. Weltkongresses der KI; 3. – 17.1.1935 zu Beratungen der Politkommission des EKKI (u. a. Georgi Dimitroff, Manuilski) mit den KPD-Führungskadern; Verbleib in Moskau zur Vorber. des VII. Weltkongr. (25.7. – 20.8. 1935), erstattet den Tätigkeitsbericht des EKKI; Wahl zum Sekr. des EKKI; auf sog. Brüsseler Parteikonferenz der KPD (3. – 15.10. 1935 b. Moskau) Hauptreferat (»Der neue Weg zum gem. Kampf für den Sturz der Hitlerdiktatur«) im Sinne der takt. Neuorientierung der KI auf Einheits- u. Volksfrontpol.; Wahl zum Parteivors. für die Zeit der Haft Ernst Thälmanns, pol. Führungstätigkeit zus. mit den bei der KI verbleibenden PB-Mitgl. Wilhelm Florin u. Fritz Heckert (gest. 7.4. 1936); seit 3.10.1935 zugl. Ltr. des Balkansekr. des EKKI; 28.5. – 28.6.1936 Aufenthalt in Paris zur Aktivierung der Volksfrontarbeit i. A. der KI, u. a. erw. PB-Sitzung; Teiln. an Sitzungen des Aussch. zur Vorber. einer dt. Volksfront (Vors.:  Heinrich Mann), Entwurf von »Richtlinien für die Ausarbeitung einer pol. Plattform der dt. Volksfront«; zwischenzeitl. auch Beratungen in Amsterdam mit dortiger KPD-Abschnittsltg.; März 1937 Aufhebung des PB der KPD auf Beschluß des EKKI-Sekr.; Febr. – Mai 1938 intensive Beratungen im EKKI mit den KPD-Führungskadern wegen Differenzen im Pariser Volksfrontaussch. (Ablösung  Walter Ulbrichts als Ltr. des Pariser KPD-Sekr.), 14.9.1938 – 14.2.1939 erneuter Aufenthalt in Paris zwecks Überwindung der Schwierigkeiten im Volksfrontaussch. u. Vorber. einer erw. ZK-Sitzung, u. a. Gespräche mit Heinrich u. Thomas Mann, F. Stampfer (SPD) u. Jacob Walcher (KPO), Teiln. an Sitzungen des Volksfrontaussch., Hauptreferat auf sog. Berner Parteikonferenz der KPD (30.1. – 1.2.1939 b. Paris); 10. – 21.3.1939 Teiln. am XVIII. Parteitag der KPdSU(B); nach Internierung der Pariser KPD-Sekr.-Mitgl. bei Ausbruch des 2. Weltkriegs erklären sich die bei der KI in Moskau agierenden ZK-Mitgl. (neben W. P., Wilhelm Florin, Walter Ulbricht u. Herbert Wehner bzw. »Funk«) Sept. 1939 zur Führung der KPD; 23.5. – 6.7.1940 Krankenhausaufenthalt u. Kur; Anleitung des in der UdSSR ab 10.9. 1941 tätigen »Dt. Volkssenders« als propagandist. Hauptorgan der KPD-Führung, Okt. 1941 Aufruf »An das dt. Volk u. an das dt. Heer«; 15.10.1941 Evakuierung mit EKKI nach Ufa, 5.11. – 27.12.1941 Erkrankung; 27.3.1942 Rückkehr nach Moskau; 25.1.1942 Mitunterz. eines Aufrufs von 60 KPD-Funktionären u. dt. Schriftst. u. Künstlern in der UdSSR; Dez. 1942 Mitverf. eines mit der KI-Führung erarbeiteten fiktiven »Friedensmanifests der westdt. Beratung der nat. Friedensbew.« als aktuelle Programmatik der KPD-Führung für den antifa. Kampf; 1942 – 45 Ansprachen im Rahmen der dt.-spr. Sendungen des Moskauer Rundfunks; ab Febr. 1943 Konzipierung differenzierter Arbeitsgr. der KPD-Führung zur Einflußn. auf den antifa. Widerstandskampf in Dtl. (Gewerkschaften, Militär, Bauern, Frauen, Jugend, Org.-Fragen der Partei), Auftreten in Kriegsgefangenenlagern (April 1942 u. Febr. bzw. Juni 1943 in Krasnogorsk, Juni 1943 im Offizierslager Susdal u. a.); seit Mai 1943 mit sowj. Parteifunktionären u. Politorganen der Roten Armee Vorber. zur Gründung des Nationalkomitees Freies Dtl., Teiln. an der Gründungskonferenz des NKFD (12./13.7.1943 in Krasnogorsk), Mitgl. des NKFD u. aktive Einflußn.; Teiln. an der Gründungskonferenz des Bunds Dt. Offz. (11./12.9.1943); März 1944 – April 1945 Ltg. der »Arbeitskommission des ZK der KPD« zur Ausarbeitung der Programmatik für die Nachkriegszeit; Okt. 1944 Entwurf eines »Aktionsprogramms des Blocks der kämpfer. Demokratie«; ab Sept. 1944 Lektionen an neugeschaff. Parteischule der KPD bei Moskau u. in der Abendschule zur Vorber. leitender Kader für den Einsatz im Nachkriegsdtl.; Anf. April 1945 zus. mit sowj. Partei- u. Armeeorganen Ausarbeitung von »Richtlinien für die Arbeit der dt. Antifaschisten in dem von der Roten Armee besetzten dt. Gebiet«.
4. – 9.6.1945 Beratungen mit den Ltr. der drei nach Dtl. entsandten, i. A. der Roten Armee tätigen Gruppen von KPD-Funktionären (Walter Ulbricht,  Anton Ackermann,  Gustav Sobottka) bei Jossif W. Stalin u. a. PB-Mitgl. der KPdSU sowie Georgi Dimitroff zur Ausarbeitung des Aufrufs der KPD vom 11.6.1945 u. der nächsten Aufgaben der Partei; Juli 1945 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); Vors. des am 2.7.1945 gebildeten Sekr. des ZK der KPD; 19.7.1945 Auftreten auf der ersten Großkundgebung der KPD in Berlin-Neukölln; führend beteiligt an der Schaffung des Blocks der antifa.-demokrat. Parteien (14.7.1945) u. bei der Vereinigung von KPD/SPD in der SBZ (im gem. zentr. Arbeitsaussch., bei den gem. »Sechziger-Konferenzen« (20./21.12.1945 u. 26.2.1946) u. ab 15.1.1946 in der zus. mit  Otto Grotewohl geleiteten gem. Studienkommission zur Ausarbeitung der »Grundsätze u. Ziele der SED« u. des Parteistatuts); engste Zusammenarbeit mit Vertretern der SMAD ( Wladimir S. Semjonow,  Fjodor J. Bokow,  Sergej I. Tulpanow u. a.); 2.9.1945 Rede vor Landarb. / Bauern in Kyritz zum Auftakt der Bodenreform in der SBZ, Rede auf der Zentr. Kulturtagung der KPD (3. – 5.2.1946 in Berlin); Auftreten auf der Reichskonferenz der KPD (2./3.3.1946 Berlin), dem 15. Parteitag der KPD (19./20.4.1946) u. dem Vereinigungsparteitag KPD/SPD (21./22.4.1946 in Berlin); gem. mit Otto Grotewohl parität. Vors. der SED bis April 1954 u. Mitgl. des ZS bzw. (ab Jan. 1949) des PB des PV bis zu seinem Ableben; gem. mit Otto Grotewohl propagandist. Auftreten in der brit. u. amerik. Zone (Juli 1946 bzw. März 1947); 1946 – 49 Abg. des Brandenb. Landtags; Pol. Bericht des PV auf dem II. Parteitag der SED (20. – 24.9.1947 in Berlin); maßgebl. beteiligt an der ab Mitte 1948 forcierten Entw. der SED zu einer Partei neuen Typus nach Stalinschem Vorbild; 1947 – 52 Teiln. an sieben Beratungen der SED-Führungsspitzen in Moskau mit Jossif W. Stalin u. a. PB-Mitgl. der KPdSU: 30.1. – 7.2.1947 (31.1. Stalin), 25. – 31.3.1948, 12. – 24.12.1948 (18.12. Stalin), 16. – 28.9.1949, 3. – 6.5.1950 (Stalin), 29.3. – 10.4.1952 (1. u. 7.4. Stalin); 10. – 16.10.1952 Teiln. am XIX. Parteitag der KPdSU (11.10. Begrüßungsansprache); Juni 1948 gem. mit Otto Grotewohl Reisen nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien u. in die ČSR bzw. Mai 1949 nach Polen u. Sept. 1949 in die ČSR zum Ausbau der Verbindungen mit den »Bruderparteien« der »volksdemokrat. Staaten« bzw. zur Anbahnung von Wirtschaftsbeziehungen; führende Rolle bei der Entw. der »Volkskongreßbew. für Einheit u. gerechten Frieden: Kovors. des auf dem ersten Dt. Volkskongreß (6./7.12.1947 in Berlin) gewählten Ständ. Aussch. bzw. des auf dem zweiten Dt. Volkskongreß (17./18.3.1848) gewählten Dt. Volksrats; 11.10.1949 von Prov. Volkskammer u. Prov. Länderkammer der DDR zum Präs. der DDR gewählt; erstattet auf dem III. Parteitag der SED (20. – 24.7.1950 in Berlin) den Bericht des PV; Rede auf dem I. Nationalkongreß der NF (25./26.8.1950 in Berlin), der die offiz. Vorber. der ersten Einheitslistenwahlen zur DDR-Volkskammer einleitete; Staatsreisen Dez. 1950 in die VR Polen u. Okt. 1951 in die ČSR; Auftreten auf der II. Parteikonferenz der SED (9. – 12.7.1952 in Berlin), die den planm. Aufbau der Grundlagen des Soz. in der DDR beschließt; 19.2.1953 Beginn einer schweren Erkrankung, nach klinischer Behandlung 27.4. – 30.7.1953 Kuraufenthalt in Barwicha b. Moskau; während dieser Zeit Gespräche mit Wjatscheslaw Molotow (28.5. u. 25.6.) u. Michail Suslow (29.5. u. 16.7.); 5.8.1953 Wiederaufn. der Amtsgeschäfte, weitgehend auf Repräsentationspflichten beschränkt; Begrüßungsansprache auf dem IV. Parteitag (30.3. –6.4.1954 in Berlin); bes. ab März 1956 wegen erneut verschlechtertem Gesundheitszustand stark eingeschränkte Amtsausübung; 31.1.1957 letztmalige Teiln. an einer ZK-Tagung; Teiln. am V. Parteitag der SED nur zur Eröffnung am 10.7.1958; 1951 Held der Arbeit; 1953 KMO; 1954 VVO; zahlr. ausländische Orden; gest. in Berlin.

Publ.: Reden u. Aufsätze, Bd. I/II. Berlin 1954; Gesammelte Reden u. Schriften, Bd. I-VI, IML beim ZK der SED. Berlin 1959 – 1981; Badstübner, R., Loth, W. (Hrsg.): W. P. Aufzeichnungen zur Deutschlandpol. 1945 – 53. Berlin 1994.
Sek.-Lit.: Voßke, H., Nitzsche, G.: W. P. Biogr. Abriß. IML. Berlin 1975; Voßke, H.: W. P. Leipzig 1975; W. P.: Bilder u. Dok. aus dem Leben des ersten dt. Arbeiterpräs. Berlin 1955; Unser Wilhelm (Erinnerungen an W. P.), zusammengest. u. eingel. von H. Voßke. IML. Berlin 1979.
HoL; HME

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Redaktionsschluss: Oktober 2009. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet.
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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 3. Januar 1876 in Guben, Sohn eines Kutschers und einer Wäscherin. Nach einer Tischlerlehre von 1890 bis 1894 ging er auf Wanderschaft. 1894 wurde er Mitglied der Gewerkschaft, im folgenden Jahr der SPD. Von 1896 bis 1910 in Bremen, anschließend in Berlin wohnhaft, arbeitete er bis 1906 als Tischler, danach hauptamtlich als Parteisekretär. Er unterhielt von 1910 bis 1914 als Sekretär des SPD-Bildungsausschusses enge Verbindungen zu Friedrich Ebert. Bei Kriegsausbruch schloß sich Pieck als Kriegsgegner der Gruppe Internationale, der späteren Spartakusgruppe an, deshalb vom SPD-Parteivorstand seines Postens enthoben. Von Mai bis Oktober 1915 inhaftiert und anschließend zum Militär eingezogen, kam er 1916 an die Front. Nach einem Lazarettaufenthalt 1917 desertierte er und flüchtete im Februar 1918 nach Holland. Im Oktober 1918 kehrte er nach Berlin zurück und wurde hier enger Mitarbeiter Karl Liebknechts.
Auf dem Gründungsparteitag der KPD wurde Pieck in die Parteizentrale gewählt. In diesem Gremium konnte er sich bis 1933 halten, weil er sich (eher dem rechten Flügel zugehörig) immer der jeweiligen Linie anpaßte, was ihm den Ruf eines Opportunisten eintrug. Clara Zetkin wandte sich im Dezember 1921 strikt dagegen, daß Pieck als Nachfolger von Ernst Reuter (Friesland) Generalsekretär der KPD werde, denn ihm mangele »jeder politische Sinn, er ist so fanatisch eingestellt, daß er als Generalsekretär unmöglich ist, wenn wir nicht der KPD den Totenschein schreiben wollen«. Von 1921 bis 1928 und wieder 1932 war Pieck Abgeordneter des Preußischen Landtags, von 1928 bis 1933 auch des Deutschen Reichstags. In der KPD arbeitete er bis 1924 im zentralen Orgbüro, leitete von 1926 bis 1929 den stärksten KPD-Bezirk Berlin-Brandenburg. Dort nach dem ultralinken Kurswechsel 1929 von Walter Ulbricht abgelöst, nicht zuletzt weil er bei der vorübergehenden Absetzung des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann (Wittorf-Affäre) keine klare Position bezogen hatte. Zunächst hatte Pieck sich gegen Thälmann gestellt, war aber nach einem Gespräch mit Stalin – dieser hatte ihm erklärt, die KPD käme ohne Pieck aus, dieser aber nicht ohne die Partei – sofort umgeschwenkt. Er war von November 1930 bis Mai 1932 KPD-Vertreter bei der Komintern-Führung in Moskau, schon der VI. Kongreß der Komintern 1928 hatte ihn zum Mitglied des Spitzenorgans EKKI gewählt, in dessen Präsidium kam er 1931. Im Mai 1932 kehrte Pieck nach Berlin zurück und wurde als Kandidat des Sekretariats des ZK der KPD in deren oberste Führung berufen, denn inzwischen hatte er sich der Politik Stalins völlig unterworfen.
Ein Blatt der kommunistischen Opposition schrieb damals über ihn: »Die Moskauer haben ihn Teddy [Thälmann"> auf die Nase gesetzt, denn es muß doch wenigstens einer im Sekretariat sein, der bis drei zählen kann. Pieck kann bis drei zählen, wenn er es auch manchmal verbirgt ... Der Generalsekretär Pieck von 1932 ist nicht der Revolutionär von 1918 und 1920, sondern ein ausgestopfter Papagei.« Im Mai 1933 emigrierte Pieck nach Paris, wo er sich bis Januar 1935 aufhielt. Mit Ulbricht gehörte er im Politbüro zunächst zur Minderheit, die eine Änderung des ultralinken Kurses der KPD forderte. Als der VII. Weltkongreß der Komintern 1935 die neue Linie der »Einheits- und Volksfront« festgelegt hatte, wurde Pieck auf der »Brüsseler Konferenz« als Nachfolger des in Deutschland inhaftierten Thälmann zum Parteivorsitzenden gewählt. Ab 1935 in Moskau, blieb er während der blutigen Stalinschen Säuberungen, der zwei Drittel der gleich ihm emigrierten deutschen Kommunisten zum Opfer fielen, Leiter der Exil-Führung. 1943 gehörte er zu den Mitbegründern des Nationalkomitees Freies Deutschland. Der Auflösungsbeschluß der Komintern im Mai 1943 trug auch Piecks Unterschrift. 1944/45 war er in Moskau an den Beratungen über den Wiederaufbau der KPD nach dem Krieg und die Möglichkeit der Regierungsübernahme nach der »Vernichtung« der Sozialdemokratie maßgeblich beteiligt.
Am 1. Juli 1945 kehrte Pieck als KPD-Vorsitzender nach Berlin zurück, wo inzwischen durch Ulbricht – mit Billigung und Unterstützung der Sowjetischen Besatzungsmacht (SMAD) – die KPD wieder gegründet worden war. Mit seiner verbindlichen Art gegenüber den Führern der anderen SBZ-Parteien (SPD, CDU, LDP) gelang es ihm, die Kommunisten koalitionsfähig zu machen und insbesondere Otto Grotewohl vom Zentralausschuß der SPD in Berlin zu beeindrucken. Offensiv vertrat Pieck die neue strategische Linie der KPD, in Deutschland ein parlamentarisches, demokratisches Regime aufzubauen (»antifaschistisch-demokratische Ordnung«), aber die stalinistische Zielsetzung zunächst noch zu verbergen. So vermochte die KPD mit Zwang (Einschaltung der SMAD gegen sozialdemokratische Gegner der »Einheitspartei«) und Betrug im April 1946 in der SBZ die SPD in die SED einzuschmelzen. Pieck wurde Vorsitzender der SED (gemeinsam mit Grotewohl) und Mitglied des Zentralsekretariats bzw. seit 1949 des Politbüros. Obwohl bei mehreren Verhandlungen der SED mit Stalin zugegen, nahm sein politischer Einfluß ab. Am 11.Oktober 1949 von der Provisorischen Volkskammer zum ersten Präsidenten der neugegründeten DDR gewählt, war Pieck nunmehr auf einen eher repräsentativen Posten abgeschoben. Mit seinem jovialen Auftreten entsprach der damals 73jährige zwar dem erwünschten Typus eines »Landesvaters«, doch zu politischen Entscheidungen in der SED und der DDR wurde er kaum noch herangezogen. Wegen schwerer Krankheit konnte er zuletzt auch seine Amtspflichten nicht mehr wahrnehmen. Wilhelm Pieck starb am 7. September 1960.

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