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Ruge, Wolfgang

* 1.11.1917, † 26.12.2006
Historiker

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Berlin; kommunist. Elternhaus, Vater Studienrat, Mutter Übersetzerin, KI-Funktionärin, Journalistin; 1924 – 30 Rütli-Schule, ab 1930 Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln; Kommunist. Kindergr., Jung-Spartakus, ab 1930 SSB u. KJVD; ab Jan. 1933 illeg. Flugblattaktionen für den SSB in Berlin; Aug. 1933 mit dem Bruder nach Moskau, dort bis 1936 Kartenzeichner in der KUNMZ; 1935 Mitgl. der sowj. Gewerkschaft; 1936 sowj. Staatsbürgerschaft; nach Auflösung der KUNMZ ab Sommer 1936 Arbeit als Kartenzeichner an der histor. Fak. der Moskauer Staatl. Univ., dort 1938 Kündigung wg. dt. Herkunft; 1938 – 41 Kartenzeichner u. Red. am Tschernyschewski-Inst. für Gesch., Lit. u. Philos. in Moskau, daneben kartograph. Arbeiten für die PHS des ZK der KPdSU; 1940 10. Klasse an einer Moskauer Abendschule, Abitur; ab 1940 Fernstud. der Gesch. am Tschernyschewski-Inst.; Sept. 1941 vom NKWD als »verdächtiger Deutscher« nach Kasachstan verbannt (der Vater war 1938 an Nazi-Dtl. ausgeliefert, der Bruder 1941 zu 10 Jahren Lagerhaft verurteilt worden); 1941 / 42 Arbeit in einem Kolchos im Rayon Ossakarowka; 1942 Zwangsverpflichtung in die Arbeitsarmee, Holzfäller im Ural; ab Nov. 1945 Zeichner im Baukontor eines Holzbetriebs in Sosswa, Gebiet Swerdlowsk, dort auch Teiln. an geolog. Expeditionen; 1945 – 48 illeg. Fernstud. der Gesch. an der Univ. Swerdlowsk, 1948 Staatsexamen; 1946 – 49 Fernstud. als Englisch-Dometscher in Moskau, Dipl. als Übersetzer; 1947 Ernennung zum Ing.; 1951 – 56 Oberingenieur in o. g. Baukontor; 1955 Aufhebung der Verbannung.
1956 Ausreise in die DDR, nach Potsdam; DDR-Staatsbürgerschaft; ab Mai 1956 Mitarb. am Inst. für Gesch. der DAW; SED; ab 1959 Ltr. der Arbeitsgr. »Geschichte der Weimarer Rep.«; Mitarb. am Bd. III u. IV der »Geschichte der dt. Arbeiterbew.«; Mitgl. der Historiker-Kommission DDR–UdSSR; 1968 VVO; 1975 NP; 1983 em.; 1988 Dr. h. c. der FSU Jena; Autor mehrerer Bücher zur Geschichte der Weimarer Republik, von Biogr. über Erzberger, Stresemann, Hindenburg, einer Teilbiogr. über Hitler sowie biograph. Essays über Zetkin, Noske, Rathenau, Ossietzky, Hugenberg u. a.; 1989 / 90 SED / PDS; gest. in Potsdam.

Publ.: Stresemann. Ein Lebensbild. Berlin 1966; Weimar – Republik auf Zeit. Berlin 1969; Hindenburg. Porträt eines Militaristen. Berlin 1974; Das Ende von Weimar. Monopolkapital u. Hitler. Berlin 1983; Stalinismus. Eine Sackgasse im Labyrinth der Geschichte. Berlin 1991; Berlin – Moskau – Sosswa. Stationen einer Emigration. Bonn 2003; Beharren, kapitulieren oder umdenken. Gesammelte Schriften 1989 – 1999. Berlin 2007; Filmporträt »Über die Schwelle« über den Bruder Walter R. (R.: S. Mehlhorn), 2006.
Sek.-Lit.: Lenins Testament u. die Folgen. Kolloquium anläßl. des 80. Geburtstages von Prof. Dr. W. R. Hrsg. von Helle Panke e. V. Berlin 1998; Keßler, M.: Exilerfahrung in Wiss. u. Politik. Köln 2001; Engelberg, A.: Wer verloren hat, kämpfe. Berlin 2007.
BRB

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Redaktionsschluss: Oktober 2009. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet.
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