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Bittel, Karl

* 22.6.1892, † 18.4.1969
Direktor des Deutschen Instituts für Zeitgeschichte

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Darmstadt; Vater Bankbeamter; Volks- u. Oberrealschule in Freiburg i. Br.; Mitbegr. der Jugendorg. »Wandervogel«; 1911 Abitur; 1911 – 15 Studium der Volkswirtschaft, Rechtswiss. u. Geschichte an den Univ. Heidelberg, Freiburg u. Tübingen; ab 1911 zugl. Volontär an der »Freiburger Volksstimme«; 1913 – 16 Sekr. beim Konsumverein Esslingen; 1915 Prom. zum Dr. rer. pol. mit der Arbeit »Eduard Pfeiffer u. die dt. Konsumgenossenschaftsbew.«; 1917 Geschäftsf. im Lebensmittelamt Mannheim u. im Badischen Landeswohnungsverein Karlsruhe; 1918 Angehöriger des Arbeiter- u. Soldatenrats in Karlsruhe; 1918 – 24 Hrsg. u. Red. der linksradikalen Jugendztschr. »Pol. Rundbriefe«; 1919 KPD; 1920 Doz. an der Zentr. Parteischule der KPD in Jena; 1920/21 Red. der KPD-Ztg. »Kämpfer« (Chemnitz); 1922/23 Ltr. der Genossenschaftsabt. des ZK der KPD (Hrsg. der Ztschr. »Der kommunist. Genossenschaftler« u. »Die Genossenschaft im Klassenkampf«) u. von 1922/23 zugl. besoldeter Sekr. des Konsumvereins u. Stadtverordneter von Weißenfels; Nov. 1922 Ltr. der 1. Dt. Genossenschaftssekt., 1923 Deleg. auf dem 1. Weltkongreß der KI-Bauernorg. »Krestintern«; 1923 – 27 Aufenthalt in der UdSSR, 1925 – 27 Sekr. der COOP-Sekt. des EKKI; Aug. 1927 Rückkehr nach Dtl.; 1928 – 30 Ltr. des Org.-Büros der sowj. Handelsvertr. sowie von 1930 – April 1933 in gleicher Funktion bei der dt.-sowj. Derop AG in Berlin; Übersiedl. nach Ludwigshafen; Mai 1933 von der Gestapo am Bodensee verhaftet, bis 1934 in den KZ Heuberg u. Ulm inhaftiert, 1934 – 45 unter Polizeiaufsicht; wiss. Arbeiten, u. a. »Mesmer u. sein Problem« (1940) sowie 1942 eine Dokumentation über Paracelsus.
1945 Mitgl. des Sekr. u. der KPD-LL Baden; Vors. der VVN in Baden; 1946 – 48 Mitbegr. der KPD-Ztg. »Unser Tag« (Offenburg), Lizenzträger u. Chefred.; Mitgl. der KPD-LL.; Mai 1949 Übersiedl. in die SBZ; 1.6.1949 – 51 Geschäftsf., stellv. Ltr., 1951 – 57 Dir. des DIZ; 1949 – 57 Chefred. der Halbmonatsschrift »Dokumentation der Zeit«; 1951 – 53 1. Vors. des VDP (Nachf. von  Fritz Apelt); Honorarprof. an der KMU Leipzig; 1954 VVO; seit 1957 ord. Prof. für Allg. Geschichte der neuesten Zeit an der HU Berlin; Ende 1957 Gastvorlesungen in der UdSSR; 1958 wiss. Berater des Min. für Ausw. Angelegenh.; 1958 Medaille Kämpfer gegen den Fasch.; 1962 KMO; 1963 – 69 Mitgl. des Präs.-Rats des KB; Übersiedl. nach Ahrenshoop; stellv. Vors. des KB im Bez. Rostock; Fritz-Heckert-Medaille u. Franz-Mehring-Medaille; gest. in Berlin.

Publ.: Der Kommunistenprozeß zu Köln 1852 im Spiegel der zeitgenöss. Presse. Berlin 1955; Zeitgeschichte als Wissenschaft. Berlin 1956.
Sek.-Lit.: Prokop, S.: K. B. als Publizist u. Zeithistoriker. In: Helsinki 1975. Genutzte Möglichkeiten u. verpasste Chancen. Berlin 2000.
BRB; AnH

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Redaktionsschluss: Oktober 2009. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet.
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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 22. Juni 1892 in Darmstadt, Sohn eines hessischen Staatsbeamten. 1911 Abitur am Realgymnasium in Freiburg, Mitglied der von ihm 1909 mitgegründeten bürgerlichen Jugendbewegung Wandervogel. Er studierte in Heidelberg, Freiburg und Tübingen, wo er am 11.März 1915 mit einer Dissertation über das Thema: »Eduard Pfeiffer und die deutsche Konsumgenossenschaft« promovierte. Gleichzeitig von 1913 bis 1916 Sekretär beim Konsumverein in Esslingen. Von 1917 bis 1919 Geschäftsführer im Lebensmittelamt Mannheim und im Badischen Landeswohnungsverein Karlsruhe. Während der Krieges betätigte sich Bittel als Journalist; er gab die Zeitschrift »Politische Rundbriefe« heraus und gehörte der »Freideutschen-Jugend« an. Nach der Novemberrevolution 1918 wurde er in den Arbeiter- und Soldatenrat in Karlsruhe gewählt, trat der SPD bei, wechselte aber schon im Februar 1919 in Stuttgart zur KPD. In der Folgezeit hauptamtlicher Funktionär der KPD, zunächst als Redakteur (u. a. beim Chemnitzer »Kämpfer«). 1921 Leiter der Abteilung Genossenschaft in der Berliner Zentrale und von 1922/23 zugleich besoldeter Sekretär des Konsumvereins und Stadtverordneter von Weißenfels. Ende 1924 ging Bittel als Spezialist für Genossenschaftswesen nach Moskau und arbeitete in der Gewerkschaftsabteilung des EKKI. Im Januar 1927 Rückkehr nach Deutschland, erneut in der Genossenschaftsabteilung des ZK der KPD tätig. Da er zum rechten Flügel der Partei tendierte, trat er in der ultralinken Periode nach 1928 politisch in den Hintergrund. Von 1928 bis 1930 in der sowjetischen Handelsvertretung beschäftigt, von 1930 bis April 1933 bei der Derop in Berlin. Im Mai 1933 von der Gestapo am Bodensee verhaftet, blieb er bis 1934 in den KZs Heuberg und Ulm. Bittel stand bis 1945 unter Polizeiaufsicht, konnte aber unbehelligt am Bodensee leben und wissenschaftlich arbeiten. 1940 erschien seine Arbeit »Messmer und sein Problem«, 1942 eine Paracelsus-Dokumentation. Seine Werke wurden in NS-Deutschland gedruckt. 1945 wurde Bittel wieder journalistisch aktiv und trat der KPD bei. 1946 Chefredakteur und Lizenzträger der KPD-Zeitung »Unser Tag« in Offenburg und Mitglied des Sekretariats der KPD-Landesleitung in Südbaden. Bittel war bis zu seiner Übersiedlung im Frühjahr 1949 in die SBZ auch Vorsitzender der VVN Baden. Im Juni 1949 wurde er Geschäftsführer und stellvertretender Leiter, 1951 bis 1957 Direktor des Deutschen Instituts für Zeitgeschichte in Ost-Berlin, gleichzeitig gab er die Halbmonatsschrift »Dokumentation der Zeit« heraus. Er wurde am 1. Oktober 1957 zum Professor mit Lehrauftrag an die Humboldt-Universität berufen. Bittel erhielt zu seinem 70. Geburtstag den Karl-Marx-Orden. Auch nach 1945 Autor zahlreicher Schriften, u. a. »Die Feinde der deutschen Nation«, 1952; »Zeitgeschichte als Wissenschaft«, 1956. Er übersiedelte in den sechziger Jahren nach Ahrenshoop und wirkte als stellvertretender Vorsitzender des Kulturbundes im Bezirk Rostock. Karl Bittel starb am 18. April 1969 in Ost-Berlin.

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