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Schlotterbeck, Anna

geb. Wiedmann, gesch. v. Fischer
* 2.5.1902, † 24.7.1972
Schriftstellerin, Opfer SED-interner Repressionen

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in München; Vater Arbeiter, Mutter Hausfrau; Volksschule in München, anschl. Maschinenbauschule in Esslingen, Abschluß als techn. Zeichnerin; ab 1917 kunstgewerbl. Zeichnerin u. Stenotypistin bei der Bosch AG in Stuttgart-Feuerbach; 1918 SAJ, FSJ; Teiln. an den Nov.- u. Jan.-Kämpfen des Spartakusbundes in Stuttgart; 1924 KJVD u. KPD; Mitgl. der KJVD-BL in Königsberg, Danzig, Halle u. Berlin; verh. mit dem KPD-Funktionär Robert Leibbrand; 1927 / 28 Stenotypistin bei der KI in Moskau; KPdSU; 1929 – 33 Instrukteurin bzw. Frauenleiterin der KPD-BL Berlin-Brandenburg, Abg. der BVV Berlin-Pankow; 1930 – 33 Mitarb. im KPD-Pressedienst als Red. der Ztschr. »Die Arbeiterin«; Rednerin der KPD in Berlin; ab Febr. 1933 illeg. Arbeit; Sept. 1933 Emigr. in die Schweiz; Arbeit als Dienstmädchen, dann als Arztgehilfin bei ihrem späteren Ehemann Hans von Fischer (Heirat 1939); 1933 – 48 Mitgl. der KP der Schweiz; 1937 Gründung u. leitende Mitarb. der »Centrale Sanitaire Suisse« (zus. mit H. v. Fischer); illeg. Arbeit; 1939 Schweizer Staatsbürgerschaft; Kontakte zum Ltr. des »Unitarian Service Committee«, Noel H. Field (vor dem sie die SED 1946 als angebl. amerikan. Agenten »warnte«); ab 1945 Zusammenarb. mit den OdF-Aussch. bzw. VdN in Süddtl. u. der Süddt. Ärzte- u. Sanitätshilfe sowie der Volkssolidarität in der SBZ, Org. von internat. Hilfsaktionen für Oberitalien, Ungarn, span. Emigranten u. für Griechenl.; blieb auf Anweisung von  Franz Dahlem weiter in der Schweiz.
Okt. 1948 Übersiedl. in die SBZ; 1949 SED; arbeitslos, dann Korresp. der »Tägl. Rundschau« bzw. beim SNB in Dresden; 1950 Kurzlehrgang an der SED-LPS; Febr. 1951 durch die LPKK Sachsen SED-Ausschluss wg. »Spionageverdachts«, Verbannung in die SDAG Wismut; März 1951 Heirat mit Friedrich Schlotterbeck; am 15.2.1953 zus. mit ihrem Mann ohne Angabe von Gründen Festnahme wg. »verbrecherischer Beziehungen zum amerikan. Agenten Noel H. Field«; U-Haft beim MfS Chemnitz, in Berlin-Hohenschönhausen u. in Rostock, dort im April 1954 in einem Geheimprozeß wg. »Kriegs- u. Boykotthetze« zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt; 1954 nach Berufungsverhandlung Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus; Feb. 1956 entlassen; lebte als Schriftstellerin u. Hörspielautorin in Groß-Glienicke (b. Potsdam); 1957 Tilgung der Strafe aus dem Strafregister der DDR u. parteiinterne Rehabilitierung durch die ZPKK; Mitgl. der Parteiltg. des DSV im Bez. Potsdam; verfaßte 1968 ein Manuskript über ihre Hafterlebnisse in der DDR (»Hohenschönhausen, Zelle 51«), das 1990 unter dem Titel »Die verbotene Hoffnung« erschien; gest. in Groß-Glienicke.

Publ.: Hinter den sieben Bergen. Zürich 1945 (unter dem Namen: Anna Josephine Fischer); Fallen, aber nicht zerbrechen. Aus der Chronik einer Haftzeit. In: Neue Deutsche Literatur, (1990) 5; Die verbotene Hoffnung: Aus dem Leben einer Kommunistin. Hamburg 1990.
Sek.-Lit.: Mittenzwei, W.: Exil in der Schweiz. Leipzig 1978; Kurz, D.: Eine Oase von Unerschrockenheit, Heiterkeit u. Witz. Anna u. Friedrich Schlotterbeck: Opfer des Stalinismus. In: Vorwärts, 8.11.1990; Kießling, W.: Partner im Narrenparadies. Berlin 1994; Barth, B.-R. / Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. Berlin 2005 / 2007.
BRB

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