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Sperling, Fritz

* 11.10.1911, † 21.4.1958
2. Vorsitzender der KPD, Opfer SED-interner Repressionen

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Algringen (Lothringen/Algrange, Frankreich); Vater Bergarb.; 1918 – 26 Volksschule in Hamborn; 1926 – 29 Ausbildung zum Buchhalter; 1926 ZdA u. SAJ; Mitbegr. der ZdA-Jugendgr. Hamborn, ab 1927 deren Ltr.; 1930 in den Gaujugendaussch. von Rheinl.-Westf. gewählt; 1931 Übertritt zum KJVD; 1932 KPD; ab 1933 Ltr. des KJVD-UB Hamborn; 2.3.1933 verhaftet, März – Juni 1933 Haft in Hamborn; 1934 stellv. Ltr. der KJVD-BL Ruhr, dann Ltr. der KJVD-BL Niederrhein; 1935 stellv. Ltr. der KJVD-Auslandsstelle in Amsterdam; Sept. 1935 nach Moskau; 1935 – 37 Lehrgang an der Internat. Leninschule in Moskau (»Herbert Wächtler«); 1937 Instrukteur des ZK der KPD für illeg. Einsätze in Dtl.; 1939 Mitgl. der KPD-Abschnittsltg. Süd; 1940 Gärtnereihilfsarb.; April 1941 in Zürich wegen »fortgesetzter kommunist. Tätigkeit u. Prop.« verhaftet u. zu drei Mon. Gefängnis verurteilt, 1941/42 Haft im Zuchthaus Regensdorf; 1943/ 44 interniert; 1944 Mitgl. der Ltg. der KPD in der Schweiz.
Juli 1945 Rückkehr nach Dtl. (München); 1945 Pol.-Sekr. des KPD-Bez. Südbayern; Juni – Sept. 1946 zus. mit sechs anderen KPD-Funktionären inhaftiert wegen unerlaubten Grenzübertritts (Teiln. an der Berliner KPD-Reichskonferenz im März 1946); ab 1946 Vors. des KPD-LV Bayern (Nachf. von Georg Fischer); 1947 KPD-Vertreter im Bizonalen Wirtschaftsrat; 1948 Mitgl. des KPD-PV, zuständig für die Abt. Org. des PV u. den KPD/ SED-Nachrichtendienst (»N-Apparat«, »Parteiaufklärung«); Mai 1950 2. Vors. der KPD (Nachf. von  Kurt Müller); 26.1.1951 im Regierungskrankenhaus der DDR (trotz schwerer Erkrankung u. ohne Haftbefehl, der erst am 17.4.1953 erlassen wurde) durch  Richard Stahlmann (MfS) verhaftet, Einzelhaft im Keller (»U-Boot«) der MfS-U-Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, schwere Folter durch dt. ( Erich Mielke) u. sowj. Vernehmer, über mehrere Jahre verweigerte med. Versorgung; 1952 dritter Herzinfarkt (keine ärztl. Hilfe erhalten); am 18.3.1954 Geheimprozeß vor dem OG der DDR, als »Kriegsverbrecher, Faschist u. Agent« angeklagt u. wegen »Verbrechens gegen den Frieden« zu sieben Jahren Zuchthaus sowie zu 15 Jahren Sühnemaßn. aufgrund konstruierter Anschuldigungen verurteilt; ab Mai 1954 Zuchthaus Brandenb.,
ab 18.2.1956 MfS-Gefängnis Berlin-Lichtenberg; 8.3.1956 als »Begnadigter« u. wegen seines schlechten Gesundheitszustands entlassen; Krankenhaus Berlin-Friedrichshain; im Juni 1956 erklärte eine U-Kommission des KPD-PV ( August Stötzel, Jule Jürgensen,  Adolf Pöffel) intern, F. S. sei unter falschen Anschuldigungen inhaftiert gewesen u. schlug seine Rehabil. u. die Wiederherstellung seiner Parteiehre vor; gest. in Berlin an den Haftfolgen; 1990 durch den PV der PDS rehabil.

Sek.-Lit.: Seliger, K.: Der Fall F. S. Ein Beitrag zur Geschichte der SED. In: Dtl. Archiv 4 (1971) 3; Jahnke, K. H.: »... ich bin nie ein Parteifeind gewesen«. Der tragische Weg der Kommunisten F. u. Lydia S. Bonn 1993; Stern, D.: F. S., der »Kommunist aus innerster Überzeugung«. (3 Teile). In: Wochenztg. (Zürich), 10.4., 17.4. u. 24.4.2008.
BRB

© Die Urheberrechte am Lexikon und aller seiner Teile liegen beim Ch. Links Verlag. Die Weiterverwendung von Biographien oder Abschnitten daraus bedürfen der Zustimmung des Verlages.
Redaktionsschluss: Oktober 2009. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet.
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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 11. Oktober 1911 in Algringen/ Lothringen, Sohn eines Bergmanns. Nach kaufmännischer Lehre Buchhalter. 1926 Mitglied der SAJ und Mitbegründer des ZdA-Jugendausschusses in Hamborn. Sperling trat 1931 zum KJVD über und wurde 1932 Mitglied der KPD. Anfang 1933 Leiter des KJVD Hamborn, hier von März bis Juni 1933 inhaftiert. 1934 zunächst stellvertretender Leiter des KJVD Ruhr, dann Leiter des Bezirks Niederrhein. In die Niederlande emigriert, war Sperling 1935 stellvertretender Leiter der KJVD-Auslandsstelle in Amsterdam und ging dann auf Parteibeschluß nach Moskau. Hier absolvierte er unter dem Parteinamen Herbert Wächter bis 1937 einen Kurs an der Internationalen Leninschule. Danach ZK-Instrukteur der KPD und Mitglied der AL Süd in der Schweiz, offiziell war er Gärtnereihilfsarbeiter. Die Schweizer Behörden haben Sperling wegen »fortgesetzter kommunistischer Tätigkeit und Propaganda« verhaftet, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und anschließend interniert. Ab Juli 1945 wieder in Deutschland, wurde er nach Zulassung der Parteien Sekretär der KPD-BL Südbayern und übernahm als Nachfolger von Georg Fischer den Vorsitz des KPD-Landesvorstandes Bayern. Er kam 1947 als KPD-Vertreter in den Bizonalen Wirtschaftsrat, gehörte seit Ende April 1948 dem KPD-PV an und wurde hauptamtlicher Orgsekretär. Nach der Verhaftung Kurt Müllers in Ost-Berlin im März 1950 rückte Sperling am 10. Mai 1950 zum Stellvertreter von Max Reimann auf. Obwohl in den folgenden Monaten wesentlich an der Stalinisierung der KPD und der »Entlarvung von Parteifeinden« beteiligt, geriet er selbst in die Säuberungswelle. Seit August 1950 verstärkten Angriffen ausgesetzt, weil er als ehemaliges Leitungsmitglied der KPD in der Schweiz in engem Kontakte zu Noel H. Field gestanden hatte. Er wurde im Januar 1951 unter dem Vorwand gründlicher medizinischer Untersuchung und Behandlung nach Ost-Berlin beordert und reiste gemeinsam mit seiner (aus der Schweiz stammenden) Frau Lydia, geborene Hug (*26.7. 1918 – † 15. 6. 1990), in die DDR. Dem schwerkranken Sperling wurde im Regierungskrankenhaus in Ost-Berlin Anfang Februar 1951 von Reimann mitgeteilt, er sei aus dem PV ausgeschlossen, und Hermann Matern von der ZPKK informierte ihn darüber, »daß seine Angelegenheit deswegen noch nicht abgeschlossen sei, weil sich wahrscheinlich eine andere Stelle eingeschaltet habe«. In der Nacht vom 26. zum 27. Februar 1951 wurde Sperling von einem MfS-Kommando mit Richard Stahlmann an der Spitze verhaftet, krank in das berüchtigte Untersuchungsgefängnis des MfS eingeliefert. Dort haben ihn KGB- und MfS-Vernehmer schwer gefoltert und ihm mehrere Jahre lang sogar dringende medizinische Hilfe verweigert. Am 18.März 1954 wurde er in einem Geheimprozeß vor dem 1. Strafsenat des Obersten Gerichts in Ost-Berlin, wegen »Verbrechens gegen den Frieden« zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Sperling blieb bis zum 8. März 1956 im Zuchthaus Brandenburg bzw. in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Lichtenberg eingesperrt, dann als »Begnadigter« entlassen und in das Krankenhaus Berlin-Friedrichshain gebracht. Erst Ende Juli 1957 wurde in einer Ausgabe des illegalen KPD-Zentralorgans »Freies Volk« lapidar mitgeteilt, »daß das Parteiverhältnis des Genossen Fritz Sperling geklärt ist, und er das Vertrauen der Partei besitzt«. An den Folgen der MfS-Haft starb Fritz Sperling am 22. April 1958 in Ost-Berlin. 1993 veröffentlichte Karl Heinz Jahnke eine Biographie über Fritz und Lydia Sperling.

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