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Steinberger, Nathan

* 16.7.1910, † 26.2.2005
Wirtschaftswissenschaftler

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Berlin in einer jüd. Familie, Vater Schirmmacher; 1928 Abitur am Kaiser-Friedrich-Realgymnasium Berlin-Neukölln; Mitgl. der sozialist. jüd. »Freien Jugend«; 1925 KJVD u. am Aufbau der Kommunist. Pennälerfrakt. u. des Sozialist. Schülerbunds beteiligt, 1927 wg. Zugehörigkeit zur sog. Karl-Korsch-Frakt. aus dem KJVD ausgeschlossen; 1928 Austritt aus der jüd. Gemeinde, KPD; 1928 – 32 Stud. zunächst der Med., dann Nationalökon. u. Gesch. an der Univ. Berlin, 1932 Dipl.-Volkswirt; anschl. vom ZK der KPD als Wirtschaftsreferent nach Moskau delegiert, dort Mitarb. am Internat. Agrarinst. der KI u. 1935 Prom. mit Untersuchungen zur Agrarpolitik des Nationalsozialismus; 1934 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft, 1936 sowj. Staatsbürgerschaft; April 1937 Verhaftung durch das NKWD, als »Volksfeind u. Trotzkist« zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt, 1946 Entlassung zur »ewigen Verbannung«, Tätigkeit in Industriebetrieben in Magadan; 1955 (nichtöff.) Rehabilitierung.
Dez. 1955 Übersiedl. in die DDR; 1956 DDR-Staatsbürgerschaft u. »Wiederherstellung der Parteimitgliedschaft«; zunächst Abt.-Ltr. in der SPK u. im Inst. für Agrargesch. der DAL; ab 1960 Prof. an der LPG-HS Meißen, ab 1963 an der HfÖ Berlin; 1975 em.; VVO; gest. in Berlin.
St. hat vor allem als Lehrer auf die nachfolgende Generation der DDR-Ökonomen gewirkt.

Publ.: Die Agrarpolitik des Nationalsozialismus, Moskau 1935; Edwin Hoernle – ein Leben für die Bauernbefreiung. Berlin 1965 (Mithrsg.); Principles of the »new economic system of planning and management (NES) in the German Democratic Republik. In: Wiss. Beiträge des Inst. Ökonomik der Entwicklungsländer an der HfÖ »Bruno Leuschner« Berlin, 1967. Die UdSSR. Handbuch. Leipzig 1971; Berlin Moskau Kolyma u. zurück. Ein biograph. Gespräch über Stalinismus u. Antisemitismus. Berlin, Amsterdam 1996.
Sek.-Lit.: Bauer, A.: »So jagen wir dem Sozialismus nach« in: taz, 19.3.2005.
BRB

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Redaktionsschluss: Oktober 2009. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet.
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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


(* 1910 – † 2005)
Geboren am 16. Juli 1910 in Berlin, wuchs als jüngstes Kind einer jüdisch-orthodoxen Familie in ärmlichen Verhältnissen auf. Unter dem Einfluß seines älteren Bruders Adolf, der später in einem KZ ermordet wurde, schloß er sich zunächst der jüdisch-sozialistischen Jugendbewegung an. 1924 Mitglied der KJD, beteiligte sich am Aufbau der »Kommunistischen Pennälerfraktion« und des Sozialistischen Schülerbunds SSB. Da seine Ortsgruppe die Auffassungen von Karl Korsch teilte, wurde sie 1926 zeitweilig aus dem KJVD ausgeschlossen. 1926/27 gehörte Steinberger der Reichsleitung des SSB an und trat 1928 in die KPD ein. Nach dem Abitur 1929 zunächst Studium an der medizinischen Fakultät, dann Wechsel zur Nationalökonomie, wo er seine spätere Frau Edith Steinberger, geborene Lewin (* 21. 6. 1908 – † 2. 2. 2001), kennenlernte. Er spezialisierte sich auf Agrarwissenschaft und arbeitete u. a. mit Karl Wittfogel zusammen, auf dessen Empfehlung er vor Beendigung seines Studiums 1932 nach Moskau an das Agrarinstitut berufen wurde. Steinberger promovierte 1935 zum Thema »Die Agrarpolitik des Nationalsozialismus«. 1936 aus dem Agrarinstitut entlassen, er war bemüht, seine Familie (1935 war Tochter Marianne geboren) mit Deutschunterricht über die Runden zu bringen. Ende April 1937 vom NKWD festgenommen und wegen »konterrevolutionärer trotzkistischer Tätigkeit« zu lebenslänglicher Verbannung verurteilt, war bis 1946 im Lager Kolyma, dann noch bis 1955 als Verbannter in Magadan. Edith Steinberger wurde 1941 verhaftet, bis 1946 im Arbeitslager bei Karaganda, dann verbannt, sie durfte 1952 zu ihrem Mann nach Magadan. Die im Jahre 1941 sechsjährige Tochter war von einer befreundeten Familie aufgenommen worden und sah ihre Eltern erst 1952 wieder. Nathan und Edith Steinberger kamen Ende 1955 nach Ost-Berlin, er arbeitete zunächst bei der SPK und ab 1960 als Professor an der LPG-Hochschule in Meißen, ab 1964 an der Hochschule für Ökonomie in Ost-Berlin. Nathan Steinberger starb am 26. Februar 2005 in Berlin.

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