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Stoph, Willi

* 9.7.1914, † 13.4.1999
Mitglied des Politbüros des ZK der SED, Vorsitzender des Ministerrats u. des Staatsrats

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Berlin-Schöneberg; Eltern Arbeiter; Bruder  Kurt S.; 1920 – 28 Volksschule in Berlin; 1928 – 31 Ausbildung zum Maurer; 1928 – 31 KJVD Berlin-Schöneberg, hier versch. Funktionen; 1931 KPD Berlin-Schöneberg; 1931 – 34 Gelegenheitsarb. u. arbeitslos; 1931 – 34 Mitarb. des KPD-Nachrichtendienstes (»Gegnerarbeit«, »Weißapparat«), führte Quellen im Umkrs. prominenter NSDAP-Mitgl.; 1935 – 37 u. 1940 – 45 Wehrmacht, zul. Uffz., 1942 verwundet; 1939/40 Bautechniker in einem Architekturbüro in Berlin; EK; 1943 illeg. pol. Arbeit; Verbindungen zur Anton-Saefkow-Gruppe; April – Juli 1945 in sowj. Kriegsgefangenschaft.
1945/46 KPD/SED; Ltr. der KPD Berlin-Baumschulenweg; 1945 – 47 Ltr. der Abt. Baustoffindustrie u. Bauwirtschaft, 1947/48 der HA Grundstoffindustrie der Dt. ZV der Industrie; 1948 – 50 Ltr. der Abt. Wirtschaftspol. beim PV der SED; 1950 – 89 Mitgl. u. 1950 – 53 Sekr. des ZK; 1953 – 89 Mitgl. des PB;
1950 – 89 Abg. der Volkskammer, 1950 – 52 Vors. ihres Wirtschaftsaussch.; 1952 – 55 Minister des Innern; 1954 VVO; 1954 – 62 stellv. Vors. des Min.-Rats, ab 1955 verantw. für die KVP, das MfS, das Amt für Technik, das Amt für Kernforschung u. Kerntechnik u. für den Wiss. Rat für die friedl. Anwendung der Atomenergie; 1956 – 60 Minister für Nat. Verteidigung, einer der Stellv. des Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrags; 1956 – 59 Gen.-Oberst; 1959 Armeegen.; Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1962 – 64 1. stellv. Vors. u. 1964 – 73 Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Otto Grotewohl); 1964 u. 1979 Held der Arbeit; 1964 Banner der Arbeit; 1963/64 Mitgl., 1964 – 73 u. 1976 – 89 stellv. Vors., 1973 – 76 Vors. des Staatsrats (Nachf. von  Walter Ulbricht); 1965 Ehrenspange zum VVO; 1969, 1974, 1984 u. 1989 KMO;
1976 – 89 Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Horst Sindermann); 1984 Lenin-Orden, Held der DDR; 1986 ließ er Michail Gorbatschow vertraul. eine Analyse über den Zustand der DDR übermitteln u. schlug die Ablösung  Erich Honeckers vor ( Erich Mielke gehörte zu den Mitwissern), beides blieb unbeantwortet; 7.11.1989 Rücktritt mit seiner Reg., 17.11.1989 als Mitgl. des Staatsrats abberufen u. aus der Volkskammer ausgeschieden; 3.12.1989 vom ZK der SED aus der Partei ausgeschl.; 8.12. Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch den Gen.-Staatsanwalt der DDR u. Festnahme unter dem Verdacht, durch Amtsmißbrauch u. Korruption die Volkswirtschaft geschädigt u. sich persönl. bereichert zu haben; Febr. 1990 aus gesundheitl. Gründen entlassen.
Im Mai 1991 im Rahmen der Ermittlungen zu Schüssen an der Mauer festgenommen; Aug. 1992 zunächst Haftverschonung aus gesundheitl. Gründen, Nov. 1992 Eröffnung des Verfahrens, dann vorläufige, im Juli 1993 endgültige Einstellung des Verfahrens; gest. in Berlin.

Publ.: Zur weiteren Entw. der soz. Ges. in der DDR. Berlin 1974; Für das Erstarken unseres soz. Staates. Berlin 1979; DDR – Staat des Soz. u. des Friedens. Berlin 1984; Sozialismus u. Frieden zum Wohle des Volkes. Berlin 1989.
Sek.-Lit.: W. S. – Aufbau des zweiten Mannes. In: Richert, E.: Die DDR-Elite oder Unsere Partner von morgen? Hamburg 1968; Hochmuth, U.: Illeg. KPD u. Bew. »Freies Dtl.« in Berlin u. Brandenb. 1942 – 1945. Biogr. u. Zeugnisse aus der Widerstandsorg. um Saefkow, Jacob u. Bästlein. Berlin 1998; Mählert, U.: W. S. – Ein Fußsoldat der KPD als Verteidigungsminister der DDR. In: Ehlert, H., Wagner, A. (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biogr. Skizzen. Berlin 2003.
BRB; HME

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