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Wetzel, Rudi

* 10.1.1909, † 31.8.1992
Chefredakteur der »Wochenpost«, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Presse

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Rechenberg (Erzgeb.); Vater Dekorations- u. Möbelmaler; Volksschule, Aufbauschule in Dresden, Abitur; ab 1929 Studium der Pädagogik an der TH Dresden; 1929 SPD; 1931 KPD; Vors. des Kommunist. Studentenbunds in Dresden; 1934 Abbruch des Studiums durch Verhaftung, zwei Jahre Zuchthaus, anschl. KZ Sachsenburg; 1937 Emigr. nach Budapest, dann über Paris nach London u. Hull; Ausbildung u. Arbeit als Elektroschweißer; 1938 nach Göteborg u. Jönköping; Mitgl. im schwed. Metallarbeiterverb.; 1940 geriet er als Verf. der sog. Göteborger Resolution gegen den dt.-sowj. Nichtangriffspakt in Gegensatz zur KPD-Führung in Moskau, daraufhin wurde er von der KPD zeitw. isoliert; 1942 nach Stockholm; ab 1943 wieder Parteiarbeit; Red.-Sekr. der »Pol. Information«; im Exil entstanden viele Artikel, häufige Ps.: »B. Wernau«, »Karl Scharf«, »Max Richter«.
Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Hauptref. in der Abt. Presse-Rundfunk-Information beim ZK der SED; 1947 Ltr. der Auslandspressestelle (2. stellv. Ltr. der Abt. Agit.); 1949 PHS; 1950 – 53 Chefred. des SED-Funktionärsblatts »Neuer Weg«; 1953 – 57 Vors. des Verb. der Dt. Presse (Nachf. von  Karl Bittel); Mitgl. des Präs. der Internat. Org. der Journalisten; 1953 Chefred. der »Friedenspost«; 1953 – 57 Aufbau u. Chefred. der »Wochenpost«; aus Protest gegen die Haltung der SED-Führung zu den Volkserhebungen in Polen u. Ungarn 1956 verfaßte er gem. mit dem Red.-Kolleg. am 27.10.1956 einen Brief an das PB des ZK der SED, in dem »wahrheitsgetreue Informationen« u. Einhaltung der »Leninschen Normen des Partei- u. Staatslebens« eingeklagt wurden; mußte auf Druck der Parteiführung daraufhin im Jan. 1957 seine Ämter niederlegen, Ausscheiden aus dem Berliner Verlag; Juni 1957 Red. bei der Illustrierten »Freie Welt«, Febr. 1958 wegen »ideolog. Mängel« fristlos aus dem Verlag Kultur u. Fortschritt entlassen; 1959 Red. bei der Ztschr. »Urania«, ab 1965 freischaff. Journalist, Reportagen für schwed. Ztschr.; spätestens seit 1968 unter ständ. Kontrolle des MfS; als Freund des Regimekritikers  Rudolf Bahro 1975 – 77 an der Redaktion von dessen Buch »Die Alternative« beteiligt, blieb aber nach Rudolf Bahros Verhaftung relativ unbehelligt.
1990 PDS; am 25.1.1990 vom a. o. Kongreß des VDJ rehabil.; gest. in Berlin.

Publ.: Der Mann im Lodenmantel. Autobiogr. Novellen. Berlin 1978, 1980.
Sek.-Lit.: Scholz, M.: R. W. – Schicksal eines ehem. Schweden-Emigranten in der SBZ / DDR. In: Exil (1992) 2; Polkehn, K.: Das war die »Wochenpost«. Berlin 1997; Herzberg, G., Seifert, K.: Rudolf Bahro – Glaube an das Veränderbare. Berlin 2002.
MFS

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