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Abusch, Alexander

* 14.2.1902, † 27.1.1982
Minister für Kultur

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Krakau in einer jüd. Familie; Vater Kutscher u. Altmetallhändler, später Huthändler, Mutter Hausiererin; ab 1902 aufgew. in Nürnberg-Gostenhof; 1916 – 19 Ausbildung zum Kfm., Angest. in Nürnberg; 1918 Freie Soz. Jugend u. 1919 KPD; Teiln. an den rev. Kämpfen 1918 in Bayern u. 1923 in Thür.; 1919 – 21 Mitarb. der »Nordbayr. Volksztg.«; 1921 – 23 Red. u. 1923 Chefred. der »Bayr. Arbeiterztg.« (»Ernst Reinhardt«); 1923 in zwei Hochverratsverfahren wegen »Enthüllungen über geheime Rüstungen« verwickelt, geflohen; 1923 Mitarb. der »Neuen Ztg.« (Jena); 1923 – 26 gehörte er dem linken KPD-Flügel an; 1923 Hrsg. der Wochenztg. »Die Rev.« (Erfurt); 1924/25 Mitgl. KPD-BL Thür.; 1925 Mitarb. des KPD-Pressedienstes (Berlin); 1926/27 u. 1930 – 32 Red. »Die Rote Fahne« (Berlin); 1928 – 30 u. 1932/33 Chefred. »Ruhr-Echo« (Essen); Mitgl. der BPRS-Ltg.; 1931 Heirat mit Hildegard Aßmann; 1933 Mitgl. der KPD-BL Ruhrgeb.; 1933 Emigr. nach Paris, mit Willi Münzenberg u. André Simone Gesamtred. des »Braunbuchs über Reichstagsbrand u. Hitlerterror« (Basel 1933), gem. mit Bruno Frei Chefred. der Wochenztg. »Der Gegenangriff«; 1933/34 Chefred. der Ztschr. »Unsere Zeit« (»Ernst Bayer«); Sept. 1934 – März 35 ltd. Red. der »Arbeiter-Ztg.« (Saarbrücken); 1935 Teiln. der »Brüsseler« Konferenz der KPD in Moskau (»Fritz Bruhns«); 1935 – 37 Mitwirkung im Lutetia-Kreis (Ausschuß zur Vorbereitung einer dt. Volksfront); 1935 – 39 Chefred. der Ztg. »Die Rote Fahne« (Prag u. Paris); 1938 Geburt der Tochter Marie-Louise in Eaubonne; 1939 Mitgl. der KPD-Ltg. Paris u. Hauptmitarb. der »Dt. Volksztg.« (»Walter Meier«, »Alexander Süskind«, »Henri«); 1939/40 in Frankreich interniert, Okt. 1939 entlassen (weil Vater einer in Frankreich geborenen Tochter), Winter 1939/40 Mitgl. der illeg. KPD-Ltg. unter  Anton Ackermann in Paris; März 1940 erneute Verhaftung (nach Denunziation durch Willi Münzenberg); Internierung im »Sichtungslager« Damigny, ab Mai 1940 in Bassens b. Bordeaux, Juni 1940 Flucht aus dem lager nach Toulouse; 1940 dt. Staatsbürgerschaft aberkannt; Juli 1940 – 41 Mitgl. der KPD-Ltg. Toulouse (mit  Otto Niebergall u.  Walter Beling; Okt. 1941 Emigr. nach Mexiko; 1942 – 46 Chefred. der Ztschr. »Freies Dtl.«, Mitbegr. u. Ausschußmitgl. der BFD in Mexiko; 1943 Mitgl. des EK des Lateinamerikan. Komitees der Freien Dt.; ab Juni 1944 Vorst.-Mitgl. im Heinrich-Heine-Club, Hauptmitarb. der »Demokrat. Post«.
Juli 1946 Rückkehr nach Dtl.; Mitgl. des Präs.-Rats, 1946 – 51 Bundessekr. u. 1949 Vizepräs. des KB; 1946 Chefred. der »Weltbühne«; 1948 – 50 Mitgl. des PV der SED u. des Dt. Volksrats; 1948 Ltr. der Delegation für den Weltfriedenskongreß in Breslau (Wrocław), 1948 Mitgl. der DWK u. 1949/50 Mitgl. des Weltfriedensrats; 1949/50 Mitgl. der Prov. Volkskammer, Vors. der KB-Fraktion; Febr. – Juli 1950 Mitgl. des Sekr. des PB, verantw. Sekr. für kulturpol. Arbeit; Juli 1950 im Zusammenhang mit der Noel-H.-Field-Affäre aller Funktionen enthoben, während der Überprüfungen wurde ihm eine prozionist. Haltung als Chefred. des »Freien Dtl.« im mexikan. Exil vorgeworfen; 30.5.1951 – Okt. 1956 als IM »Ernst« des MfS erf. (Führungsoffz.:  Bruno Beater); ab Sommer 1951 (nach Beendigung des schwebenden Parteiverfahrens) Wiederaufnahme kulturpol. Arbeit, Mitgl. des Präs.-Rats des KB u. 1952 Vorst. des DSV u. der DAK sowie des PEN-Zentrums Dtl.; 1953 Mitarb. der Abt. Kultur des ZK der SED, zuständig für das Verlagswesen; 1952/53 maßgebl. an der Formalismus-Debatte beteiligt; März 1955 Zeuge der Anklage im Geheimprozeß gegen  Paul Merker; 1954 – 56 1. Stellv. Min. für Kultur; 1955 NP; 1956 – 58 Staatssekr. im Min. für Kultur; ab Febr. 1957 Mitgl. des ZK der SED (kooptiert); 1958 Medaille Kämpfer gegen den Fasch. 1933 – 45; seit Nov. 1958 Abg. der Volkskammer, ab 1971 Mitgl. des Aussch. für Kultur; Dez. 1958 – Febr. 1961 Min. für Kultur (Nachf. von  Johannes R. Becher); 1961 – 71 Stellv. des Vors. des Min.-Rats der DDR, zuständig für Kultur u. Erziehung; seit 1962 Mitgl. der Europ. Schriftst.-Vereinigung; 1962 KMO; 1963/64 federführend an den Passierscheinverhandl. mit der Bundesrep. Dtl. beteiligt; ab März 1963 Ltr. der staatl. Kommission zur Gestaltung eines einheitl. soz. Bildungssystems beim Min.-Rat; ab 1964 Präs. der Shakespeare-Ges. der DDR; 1967 Ehrenspange zum VVO; Dr. phil. h. c. der FSU Jena; 1971 NP; seit 1971 Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Einheit«; ab Okt. 1972 Vizepräs., ab 1975 Ehrenpräs. des KB; 1977 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.

Publ.: Irrweg einer Nation. Ein Beitrag zum Verständnis dt. Geschichte. Mexiko-Stadt 1945; Stalin u. die Schicksalsfragen der dt. Nation. Berlin 1949; Restauration oder Renaissance. Berlin 1954; Schiller. Größe u. Tragik eines dt. Genius. Berlin 1955; Schriften. 4 Bde. Berlin 1966 – 71; Entscheidung unseres Jahrhunderts. Berlin 1977; Memoiren. 2 Bde. Berlin 1981 u. 1986.
Sek.-Lit.: Neubert, W.: A. A. Bildnis eines Revolutionärs. Freunde u. Genossen über ihre Begegnung mit A. A. in fünf Jahrzehnten. Berlin 1972; Pohle, F.: Das mexikanische Exil. Stuttgart 1986; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994; Biogr. Porträt. »Diesseits und jenseits der Parteilinie. Die Angst des Kulturfunktionärs vor dem Nichts: A. A.« In: Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000; Greven, M. Th.: Politisches Denken in Deutschland nach 1945. Erfahrungen u. Umgang mit der Kontingenz in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Opladen u. Farmington Hills 2007.
KaH; BRB

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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Als Sohn des Kutschers und späteren Huthändlers Chaskel Abusch am 14. Februar 1902 in Krakau geboren. Nach der kaufmännischen Lehre (von 1916 bis 1919) kurze Zeit kaufmännischer Angestellter. 1918 Mitglied der FSJ, 1919 der KPD, Redakteur bei KP-Organen, zunächst der »Nordbayerischen Volkszeitung« in Nürnberg. Wegen eines Hochverratsverfahrens Flucht nach Thüringen und ab März 1923 politische Arbeit unter dem Pseudonym Ernst Reinhardt, politischer Redakteur der »Neuen Zeitung« in Jena. Nach dem Reichswehreinmarsch und dem Verbot der Partei 1923 wurde Abusch Chefredakteur der illegalen Zeitung »Revolution«, nach Aufhebung des Verbots der KPD dann vom März 1924 bis Januar 1926 Chefredakteur der »Neuen Zeitung«, Jena.
Abusch gehörte dem linken Parteiflügel an, er war von 1923 bis 1926 Mitglied der BL GroßThüringen und von 1924 bis 1926 Mitglied des ZA der KPD. 1925 schloß er sich der ultralinken Opposition 4(Werner Scholem, Arthur Rosenberg, Theodor Neubauer) an und war nach dem »Offenen Brief« der Komintern (1925) für diese bis Dezember 1926 aktiv. Auf der Konferenz des KJVD am 15. Oktober 1925 trat er als Korreferent gegen das ZK-Mitglied Philipp Dengel auf. Im März 1926 wegen seiner oppositionellen Haltung als Chefredakteur abgelöst und nach Berlin versetzt, Redakteur beim Pressedienst der KPD, danach ab Herbst 1926 Redakteur der »Roten Fahne«. Abusch trennte sich von der Opposition und ging zur Thälmann-Gruppe über. Im November 1928 kam er nach der Wittorf-Affäre als Chefredakteur an das »Ruhr-Echo« in Essen, er löste den Versöhnler Stephan ab. Im Rahmen des ultralinken Kurses wieder in der Spitzenführung, ab Juni 1930 politischer Redakteur der »Roten Fahne«, und einige Monate sogar deren Chefredakteur, als Neumann-Anhänger im Juni 1932 abgesetzt. Auf der Reichsparteikonferenz der KPD im Oktober 1932 gab Abusch eine selbstkritische Erklärung ab und bekannte sich zur Linie Thälmann. Bis Januar 1933 Chefredakteur und Mitglied des Sekretariats der BL in Essen. Abusch wurde von Walter Ulbricht zunächst nach Paris geschickt, war dort einer der beiden Hauptredakteure des »Braunbuches über den Reichstagsbrand« und an der Kampagne zur Befreiung Georgi Dimitroffs durch die Gegenprozesse in London und Paris beteiligt. Im August-September 1934 wurde er als Chefredakteur an die KPD-»Arbeiterzeitung« ins Saargebiet (zum Abstimmungskampf) beordert und blieb nach der Niederlage dort, um die neue illegale Parteileitung zu beraten. Vom März 1936 bis September 1939 war Abusch Mitarbeiter des Politbüros der KPD und Chefredakteur der »Roten Fahne« zuerst in Prag, dann in Paris. In dieser Eigenschaft nahm er am VII. Weltkongreß der Komintern, an der »Brüsseler Parteikonferenz« 1935 und an der »Berner Konferenz« 1939 teil.
Nach Kriegsausbruch bis Oktober 1939 in Frankreich interniert, gehörte Abusch im Winter 1939/40 der illegalen KPD-Leitung unter Anton Ackermann an. Am 8. März 1940 verhaftet, kam er in ein Internierungslager, Flucht nach Toulouse, hier von Juli 1940 bis Mai 1941 Mitglied der Leitung der illegalen KPD mit Walter Beling und Otto Niebergall. Im Oktober 1941 konnte er nach Mexiko reisen, wo er u. a. Chefredakteur der Zeitschrift »Freies Deutschland« wurde. Über Wladiwostok ist er am 16. Juli 1946 gemeinsam mit Paul Merker nach Berlin zurückgekehrt. Das ZS setzte Abusch als Sekretär des Kulturbundes (KB) ein und kooptierte ihn Ende 1947 in den PV der SED. Im Februar 1950 Mitglied des Sekretariats des Politbüros, im Zusammenhang mit der Noel-H.-Field-Affäre als erster führender Funktionär abgesetzt. Nach der Entmachtung und späteren Verhaftung Merkers war er vor allem 1952/53 als Jude und Westemigrant besonders gefährdet. 1951 hat ihn das MfS als »geheimen Informator« angeworben, doch 1956 beendete das MfS die Zusammenarbeit.
Erst mit Beginn der »Entstalinisierung« trat Abusch wieder in den Vordergrund. Von 1956 bis 1958 Staatssekretär im Ministerium für Kultur, nach dem Tode Johannes R. Bechers trat er dessen Nachfolge als Minister für Kultur an. Im Februar 1957 zum Mitglied des ZK kooptiert, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Bereits 1949/50 Mitglied der Provisorischen Volkskammer, 1958 wurde er erneut Abgeordneter und war lange Jahre Vorsitzender der KB-Fraktion. Von 1961 bis 1971 Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates, verantwortlich für Kultur und Erziehung. Nach 1945 Autor einer Reihe von Büchern, darunter »Der Irrweg einer Nation« (1947), »Stalin und die Schicksalsfragen der deutschen Nation« (1949). 1981 veröffentliche er seine Memoiren »Der Deckname«, 1986 folgte der zweite Band »Mit offenem Visier«. 1967 verlieh ihm die Universität Jena die Ehrendoktorwürde. Er war Träger hoher Orden, darunter des Karl-Marx-Ordens. Alexander Abusch starb am 27.Januar 1982 in Berlin

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