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Baumgarten, Hans

* 26.3.1892, † 16.10.1979

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 26. März 1892 in Eisleben als Sohn eines Tischlers. Metalldreher, seit 1908 Mitglied des DMV, seit 1910 der SPD. Nach Wanderschaft 1914 in Berlin, von 1915 bis 1917 Soldat im Ersten Weltkrieg, dann als Metallarbeiter reklamiert. Er gehörte zu den Mitorganisatoren des Berliner Aprilstreiks (»Brotstreik«). Seit 1917 in der USPD und im Spartakusbund, seit 1919 KPD-Mitglied. Er war Betriebsratsvorsitzender der Optischen Werke in Teltow, wurde während des Kapp-Putsches verwundet und kam 1921 in die KPD-Buchhandlung. 1925 RFB-Funktionär in Berlin, arbeitete er ab 1926 für den Nachrichtendienst der Komintern (OMS). 1933 illegale Tätigkeit in Deutschland, emigrierte Ende 1933 mit seiner Lebensgefährtin Charlotte Ruge, geborene Schwarz in die Sowjetunion. Charlotte Schwarz (* 7. 10. 1895 in Berlin) hatte 1914 den Lehrer und Studienrat Edwin Ruge geheiratet, 1929 geschieden. Seit 1927 KPD-Mitglied, arbeitete sie für die sowjetische Handelsvertretung und war ebenfalls für OMS tätig. Von Ende 1933 bis 1938 arbeitete sie in Moskau als Dolmetscherin bei der OMS, zwischenzeitlich erledigte sie Auslandseinsätze für die Komintern. 1937 konnten sie gemeinsam nach Frankreich ausreisen, waren dort von 1939 bis 1941 interniert, Ende 1941 gelangten sie nach Mexiko. Beide arbeiteten in der Bewegung Freies Deutschland, Charlotte Baumgarten war von 1943 bis 1952 Chefredakteurin einer deutschsprachigen Zeitschrift. Im Sommer 1952 kamen Hans und Charlotte Baumgarten in die DDR, er arbeitete bis 1953 an der Akademie für Staat und Recht in Potsdam-Babelsberg. Hans Baumgarten starb am 16. Oktober 1979 in Potsdam. Bis 1960 leitete seine Frau das Institut für Literatur und Sprachen an der Akademie für Staat und Recht, anschließend journalistische Arbeit. Charlotte Baumgarten starb am 27.Dezember 1986 in Potsdam. Ihre beiden Söhne aus erster Ehe (Walter * 7. 6. 1915 und Wolfgang * 1. 11. 1917) emigrierten 1933 als Jungkommunisten in die Sowjetunion. Walter Ruge wurde 1941 verhaftet und zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Sein Bruder Wolfgang wurde im September 1941 nach Kasachstan verbannt, arbeitete u. a. als Holzfäller. Er konnte 1948 in Swerdlowsk sein Geschichtsstudium abschließen. 1955 bzw. 1958 kamen beide in die DDR, Walter Ruge begann als Fotograf bei der DEFA, Wolfgang arbeitete am Zentralinstitut für Geschichte der AdW, promovierte und habilitierte sich. Wolfgang Ruge, der am 26.Dezember 2006 starb, veröffentlichte 2003 seine Lebenserinnerungen »Berlin – Moskau – Sosswa. Stationen eines Lebens«.
2006 schuf Stefan Mehlhorn das biographische Filmporträt »Über die Schwelle«, das dem Leben Walter Ruges nachgeht.

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Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
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