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Biefang, Johann (Julius)

* 2.8.1893, † 1937/38

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 2. August 1893 in Moers; Bergarbeiter, nach dem Weltkrieg Mitglied der USPD, ab 1920 Mitglied und ehrenamtlicher Funktionär der KPD. Bis 1929 Bergarbeiter und 1. Vorsitzender des Betriebsrates einer Schachtanlage. 1927 auf dem XI. Parteitag der KPD in Essen zum Mitglied des ZK der KPD gewählt. Dort war er einer der »Arbeitervertreter« und hatte die Zahlen-Deckbezeichnung »38« sowie »44«, wurde aber auf dem XII. Parteitag 1929 nicht wiedergewählt. Im Mai 1929 anläßlich der Organisierung eines Proteststreiks wegen des »Blutmais 1929« von der Grubendirektion entlassen, wurde Biefang zunächst als Lokalredakteur an die »Niederrheinische Arbeiterzeitung« nach Duisburg bzw. an die »Arbeiterzeitung« nach Dortmund geschickt, zuletzt Redakteur am »Ruhr-Echo« in Essen. 1930 Übersiedlung in die Sowjetunion, dort Anerkennung als Politemigrant. Mitarbeiter der deutschen Sektion bei der Komintern bzw. Bergarbeiter im Donbass. 1932 erschien in Moskau seine Broschüre: Hans Biefang, Ruhrkumpel in Sowjetstädten. Bis heute ist das weitere Schicksal Johann Biefangs ungeklärt. Wahrscheinlich ist, daß er – wie tausende andere – Opfer der stalinistischen Säuberungen wurde. Seine mit ihm 1930 in die Sowjetunion übergesiedelte Frau Helene Biefang, geborene Dolleck (* 30. 6. 1895 – † 18. 3. 1988), kam im Mai 1950 in die DDR. Von 1933 bis 1936 war sie Kursantin an der KUNMS in Moskau, von 1937 bis 1946 Sekretärin im Verlag für ausländische Literatur, von 1947 bis 1950 in gleicher Funktion beim Ministerium für Innere Angelegenheiten in Moskau. Seit ihrer Ankunft in der DDR Mitglied der SED, arbeitete sie von 1950 bis 1958 und von 1965 bis 1970 als Hilfsredakteurin am IML. 1980 erhielt sie den VVO in Gold. Aus ihren Kader-Unterlagen geht hervor, daß ihr Sohn Hans Biefang (* 15. 6. 1920) 1941 wegen Papierdiebstahls in der UdSSR zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, 1942 in Engels (Wolgagebiet) krank aus der Haft entlassen wurde und 1944 gestorben ist. Über ihren Mann gab sie lediglich zu Protokoll, er sei 1937 nach Spanien gegangen und dort 1938 gefallen. Auch die Gedenktafel für die im »Spanischen Freiheitskampf Gefallenen« auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde verzeichnet Biefang. Das ist aber kein Beweis dafür, daß er nicht doch ein Opfer der stalinistischen Säuberungen wurde.

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Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
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