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Böse, Ernst

* 1.3.1901, † 12.9.1962

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 1. März 1901 in Oebisfelde; nach dem Besuch des Lehrerseminars Volksschullehrer in Neuhaldensleben. Seit 1919 in der KPD aktiv, im Prozeß gegen Kommunisten vor dem Landgericht Magdeburg im April 1921 wurde er freigesprochen. Auf dem VIII. Parteitag der KPD 1923 als Anhänger der rechten Kommunisten zum Ersatzmitglied des ZA für den Bezirk Magdeburg-Anhalt gewählt, arbeitete als Redakteur für die KPD-Zeitung in Bernburg. 1924 zog Böse für die KPD als Abgeordneter in den Landtag von Anhalt ein. Aus Protest gegen den ultralinken Kurs der Partei trat er noch 1924 gemeinsam mit weiteren Kommunisten aus der KPD aus. Bekannt wurde er durch seine gegen die Führung gerichtete Schrift »Wahnsinn oder Verbrechen? Am Grabe des Kommunismus« (Bernburg, März 1925). Er griff die neue linke Führung, namentlich Arkadi Maslow, Arthur Rosenberg, Max Schütz u. a. an, denen er vorwarf, den Begriff der Disziplin bis »zum Kadavergehorsam« überspannt zu haben, die KPD leiste der »Reaktion Vorschub«. Böse trat zur SPD über und war auch nach 1945 für diese Partei in Hamburg aktiv. Hier war er vor allem in der Schulungsarbeit tätig und setzte sich mit dem Marxismus auseinander. Seine Schrift »Materialistische Geschichtsauffassung. Eine kritische Einführung« erschien 1947 (2. Aufl. 1948) im Hamburger SPD-Verlag, ebenso »Karl Marx. Sein Leben und Werk« (1948) und auch »Probleme der Marxistischen Gesellschaftslehre« (1948). Böse verteidigte den Marxismus, distanzierte sich aber scharf vom Leninismus. Zu seinen Arbeiten hatte Herbert Wehner 1947 positive Gutachten für den Verlag angefertigt. Ernst Böse starb am 12.September 1962 in Hamburg.

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