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Brass, Otto

* 21.12.1875, † 13.11.1950

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 21. Dezember 1875 in Wermelskirchen, Sohn eines Webers. Feilenhauerlehre, von 1895 bis 1897 Militärdienst. Brass trat 1893 der Gewerkschaft und zwei Jahre später der SPD bei. Von 1897 bis 1903 war er selbständiger Feilenhauermeister in Remscheid, anschließend Krankenkassenangestellter. Ab 1898 Vorsitzender der Filiale des Feilenhauerverbandes und Vorstandsmitglied der SPD Remscheid, 1905 Geschäftsführer und Verleger der »Arbeiterzeitung« in Remscheid. 1914 Gegner der Politik des Parteivorstandes, wurde 1917 Mitglied der USPD und Vorsitzender der Bezirksorganisation Niederrhein sowie Geschäftsführer der »Bergischen Volksstimme«. Von 1917 bis 1920 gehörte er dem ZK der USPD an. Brass war für Düsseldorf Delegierter zum 1. und 2. Reichsrätekongreß, er trat für die Annahme der 21 Bedingungen zur Aufnahme in die Komintern ein. 1919 Abgeordneter der Nationalversammlung und von 1920 bis 1924 des Reichstags (Wahlkreis Düsseldorf-Ost). Im Dezember 1920 wurde er Mitglied der Zentrale der VKPD, schied aber bereits zwei Monate später aus diesem Gremium aus. Brass unterstützte die von Paul Levi eingebrachte Resolution gegen die Haltung der Komintern zur Gründung der KP Italiens. Im August 1921 nahm er noch am VII. Parteitag der KPD teil, wurde aber im Januar 1922 aus der KPD ausgeschlossen und trat der KAG bei. Anschließend ging er zur USPD und ab September 1922 zurück in die SPD. Brass gründete 1920 den Zentralvertrieb zeitgeschichtlicher Bücher und übernahm 1921 die Laubsche Verlagsbuchhandlung, beide Institutionen leitete er bis 1933. Im März 1933 von der SA verhaftet und im KZ Columbiahaus gefoltert. Nach seiner Freilassung suchte Brass Kontakt zu ehemaligen Mitgenossen und bildete mit Hermann Brill die Widerstandsgruppe Deutsche Volksfront, die Verbindung zur Gruppe »Neu Beginnen« hatte. 1935 verfaße er ein »10-Punkte-Programm für die Entwicklung nach dem Sturz Hitlers«. Im September 1938 wurde Brass mit der Mehrzahl der Mitglieder dieser Widerstandsgruppe Opfer einer Verhaftungswelle. In der Gestapozentrale in der Prinz-Albrecht-Straße schwer gefoltert, im Juli 1939 vom VGH zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, saß er bis zur Befreiung im April 1945 in Brandenburg/Görden.
Brass gehörte sofort dem Vorbereitenden Gewerkschaftsausschuß für Groß-Berlin an und war Mitunterzeichner des Aufrufs zur Schaffung freier Gewerkschaften vom 15. Juni 1945. Er arbeitete hauptamtlich im FDGB-Bundesvorstand und in der Versicherungsanstalt Groß-Berlin und war seit 1946 Mitglied der SED. Otto Brass starb am 13. November 1950 in Masserberg/Thüringen.
Sein Sohn Otto Brass jun. (*11. 9. 1900 – † 23. 9. 1972), geboren in Remscheid, von Beruf Elektriker, war seit 1920 Mitglied der KPD und lebte ab 1932 mit der Familie in der UdSSR. Dort am 28. August 1937 vom NKWD verhaftet, wurde er am 16. Februar 1938 wegen »konterrevolutionärer Tätigkeit« zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Seine gesamte Familie, Frau und drei Kinder, wurde nach Sibirien verbannt. Otto Brass jun. war ununterbrochen bis 1954 im Gulag. Erst am 8.April 1954 wurde er entlassen und am 28.März 1955 durch die sowjetischen Behörden rehabilitiert. Er kehrte nicht nach Deutschland zurück und starb in Fergana/Usbekistan.

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Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
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