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Budich, Willi

* 16.4.1890, † 22.3.1938

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 16. April 1890 in Cottbus, Kind einer sorbischen Bauernfamilie. Schlosserlehre, 1909 Ingenieurstudium am Technikum in Mittweida. 1910 Mitglied des DMV und der SPD. 1914 Einberufung zum Militärdienst, während des Krieges stieß er zur Spartakusgruppe und wurde enger Mitarbeiter von Leo Jogiches und Hugo Eberlein. Nach einer Verwundung an der Westfront Schreiber der Berliner Garnisonsverwaltung (Garde-Feldartillerie). Budich gehörte als Spartakusmitglied auch der USPD an und war an der Herstellung und Verbreitung illegaler Flugblätter für die Armee beteiligt. Gemeinsam mit Jogiches einer der Organisatoren des Spartakusbundes (Deckname Brandt), wurde am 24. März 1918 verhaftet. Durch die Revolution befreit, leitete er in der Zentrale des Spartakusbundes die militärische Arbeit, als Führer des Roten Soldatenbundes. Bei einer Demonstration am 6.Dezember 1918 schwer verletzt, verlor Budich einen Arm. Gerüchte um seinen Tod veranlaßten Rosa Luxemburg, Lotte Pulewka zu beauftragen, nach Budich zu suchen. Diese fand ihn im Berliner Virchow-Krankenhaus.
Nach seiner Genesung im März 1919 Übersiedlung nach München, in der Räterepublik Mitglied des Vollzugsrats (Pseudonym Dietrich). Nach der Niederschlagung der Räterepublik 1919 zunächst Flucht nach Wien, anschließend in die Sowjetunion. Dort Delegierter des II. Weltkongresses der KI, wurde persönlich von Lenin empfangen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1921 illegale Rückkehr nach Deutschland. Nach dem VII. Parteitag der KPD 1921 Leiter des Oberbezirks der KPD Nord-Ost (Pommern, Ostpreußen, Danzig und Mecklenburg). Im Frühjahr 1922 verhaftet, Überstellung nach Berlin. Da die Gefahr der Auslieferung nach Bayern bestand, wo ihn ein Todesurteil erwartete, flüchtete Budich erneut in die Sowjetunion. Hier im Apparat der Komintern und in der Leitung der Internationalen Roten Hilfe (IRH) tätig. Von 1924 bis 1928 unter dem Pseudonym Gerbilski Leiter der russisch-österreichischen Handelsgesellschaft Russawstorg in Wien. Ab 1928 wieder in Moskau, Mitarbeiter am MELI. Da der Haftbefehl aus dem Jahre 1919 durch eine Amnestie aufgehoben worden war, konnte Budich im Dezember 1929 nach Deutschland zurückkehren. Er wurde Redakteur der »Roten Fahne«, anschließend Leiter der Verlagszentrale AG (Druck und Vertrieb der KPD-Presse- und Literatur) und Leiter der Geschäftsabteilung (GESCHA) des ZK.
Im November 1932 in den Reichstag gewählt, wurde ihm während der Reichstagssitzung am 7.Dezember 1932 bei einer Schlägerei mit den Nazis das Knie zertrümmert. Im Dezember 1932 befand er sich in einer Klinik und lebte bis Mai 1933 illegal. Ende Mai 1933 wurde Budich mit zwei seiner Sekretärinnen von der Gestapo verhaftet und im KZ Columbiahaus schwer mißhandelt. Eine von Fritz Heckert und Jelena Stassowa von Moskau aus organisierte internationale Befreiungskampagne, die auch die französischen Schriftsteller Louis Aragon und Romain Rolland unterstützten, führte zu Budichs Entlassung aus der Gestapohaft. Über Prag emigrierte er im August 1933 in die UdSSR, kam sofort in ein Sanatorium und arbeitete anschließend als Mitglied der Exekutive der IRH (MOPR) in Moskau. Dort wurde er vom NKWD am 19.September 1936 verhaftet. Am 22. März 1938 wurde Willi Budich in Moskau zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen.

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Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
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