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Dietrich, Paul Reinhold

* 6.11.1889, † 20.5.1937

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


(* 1889 – † 1937)
Geboren am 6. November 1889 in Groß-Vargula bei Langensalza/Thüringen, Sohn eines Beamten. Nach der Realschule kam er auf ein Lehrerseminar. 1910/11 Militärdienst, danach Volksschullehrer in einem sächsischen Bergarbeiterdorf. 1912 Mitglied der SPD und Korrespondent an SPD-Zeitungen in Nordhausen und Erfurt. Soldat im Weltkrieg, wurde wegen antimilitaristischer Propaganda und Gehorsamsverweigerung inhaftiert. 1918 Mitglied der USPD, 1919 Redakteur der von ihm gegründeten USPD-Zeitung für Langensalza und Mühlhausen. Nach der Vereinigung von USPD und KPD zur VKPD ging Dietrich nach Jena und blieb bis 1923 Chefredakteur des »Gothaer Volksblattes«. Bis 1923 einer der Führer der Thüringer KPD, auf dem VIlI. Parteitag 1923 in die Redaktionskommission gewählt und als Mitglied in den ZA berufen. 1924 wurde er zunächst stellvertretender Chefredakteur und von Ende 1924 bis Ende 1925 Chefredakteur der »Hamburger Volkszeitung« und Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Im Februar 1926 Polleiter des Bezirks Wasserkante und noch im Frühjahr 1926 im ZK-Apparat in Berlin.
Auf dem XI. Parteitag 1927 wurde Dietrich als Mitglied ins ZK berufen und im Mai 1928 im Wahlkreis Thüringen in den Reichstag gewählt. Er leitete verschiedene Bezirke an, verfaßte kleinere Schriften und Zeitungsaufsätze und galt als »Federhalter« Ernst Thälmanns. Dietrich schloß sich aber 1928 der Versöhnler-Gruppe an und wurde einer ihrer Wortführer. Beim VI. Weltkongreß der Komintern im Sommer 1928 beratendes Mitglied der deutschen Delegation, arbeitete er nach der Rückkehr in der Redaktion der »Roten Fahne« und im Reichstag. Nach der Wittorf-Affäre gemaßregelt, 1929 nicht mehr ins ZK gewählt, schied er 1930 auch aus dem Reichstag aus. Nach Moskau versetzt, war er im Auftrag der Komintern bis Oktober 1930 in Ägypten tätig. Dort verhaftet und ausgewiesen, kam über Deutschland nach Moskau zurück, wo er Referent der Agitpropabteilung des EKKI wurde. Anschließend im Büro der MOPR bzw. im Büro der Internationalen Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller, danach Redakteur bei der VAA. Im Dezember 1933 in das Saargebiet entsandt. Dietrich gab hier 1934/35 gemeinsam mit Lex Ende die »Deutsche Volkszeitung« heraus. Er ging nach der Saarabstimmung zunächst nach Paris, Ende April 1935 in die UdSSR.
In Moskau wurde gegen ihn eine Untersuchung durchgeführt, da er in Paris Verbindungen zu »parteifeindlichen Elementen« gehabt habe. Während des Verfahrens beauftragt, nach Leningrad zu fahren, um dort an der »Roten Zeitung« zu arbeiten. Dietrich wurde verantwortlicher Sekretär und Leiter der Auslandsabteilung der »Roten Zeitung«. Er erhielt am 20. Mai 1937 noch die sowjetische Staatsbürgerschaft. Am 11.August 1937 vom NKWD verhaftet, wurde Paul Reinhold Dietrich am 29. Oktober 1937 zum Tode verurteilt und am 5. November 1937 in Lewaschowo bei Leningrad erschossen.

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Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
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