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Herrmann, Liselotte

* 23.6.1909, † 20.6.1938

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 23. Juni 1909 in Berlin, Tochter eines Ingenieurs. Sie studierte Chemie und Biologie an der TH in Stuttgart und an der Universität Berlin. 1928 Mitglied des KJVD, im November 1931 der KPD. Im Juli 1933 von der Berliner Universität verwiesen, sie hatte bereits Verbindungen zum AM-Apparat der KPD. Im Mai 1934 wurde ihr Sohn Walter geboren (Vater war Fritz Rau), sie kehrte im September 1934 nach Stuttgart zurück, Stenotypistin im Ingenieurbüro ihres Vaters. Ab Ende 1934 enge Zusammenarbeit mit Stefan Lovacz, dem Leiter der illegalen KPD in Württemberg. Liselotte Herrmann leitete Informationen über die geheime Aufrüstung und die Produktion von Rüstungsgütern in den Dornier-Werken in Friedrichshafen sowie über den Bau einer unterirdischen Munitionsfabrik bei Celle an Heinrich Reichel, einen Instrukteur des ZK der KPD in der Schweiz weiter. Am 7.Dezember 1935 festgenommen, blieb sie 19 Monate in Untersuchungshaft und litt besonders unter der Trennung von ihrem Sohn, der bei den Großeltern aufwuchs. Am 12. Juni 1937 verurteilte sie der VGH wegen »Landesverrats und Vorbereitung zum Hochverrat« zum Tode. Gemein-
sam mit Stefan Lovacz, Josef Steidle und Artur Göritz wurde Liselotte Herrmann am 20. Juni 1938 in Berlin-Plötzensee von den Nazis als erste Frau in NS-Deutschland hingerichtet. 1993 veröffentlichte Ditte Clemens unter dem Titel »Schweigen über Lilo« eine dokumentarische Erzählung über ihr Schicksal.

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