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Hoelz, Max

* 14.10.1889, † 15.9.1933

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 14. Oktober 1889 in Moritz bei Riesa als zweites von sechs Kindern einer Landarbeiterfamilie; nach schwerer Jugend als Ackerknecht, dann als Hausdiener in Pensionen, u. a. in Baden-Baden tätig. 1908 übersiedelte er nach London, war Küchenjunge und Wagenwäscher und studierte gleichzeitig am Polytechnikum in Chelsea. 1910 nach Deutschland zurückge-
kehrt, schloß sich Hoelz dem CVJM und der evangelischen Organisation »Weißes Kreuz« an. In Falkenstein im Vogtland wurde er Gehilfe eines Landvermessers. 1914 meldete er sich freiwillig, war bis 1918 an der Front und wurde mit dem EK II ausgezeichnet. Zur Arbeiterbewegung hatte der unpolitische Hoelz zunächst keinerlei Verbindung, erst nachdem er im November 1918 in den Soldatenrat von Falkenstein gewählt worden war, schloß er sich der USPD an. Dort gründete er schließlich im Frühjahr 1919 eine Gruppe der KPD.
Der hervorragende Organisator wurde Vorsitzender des Arbeitslosenrates, seine Entschlossenheit und seine aktionistischen Bravourstücke machten ihn überall rasch bekannt. Hoelz setzte sich vehement für die unteren Schichten ein, organisierte jedoch auch anarchistische Aktionen. Dabei terrorisierte der Rebell das Besitzbürgertum, erpreßte von den Fabrikanten Abgaben und verteilte das Geld an die Armen. Von der Polizei gesucht, flüchtete Hoelz 1919 und wirkte für die KPD als Agitator in Sachsen und Bayern. Während des Kapp-Putsches kehrte er nach Falkenstein zurück, baute im Vogtland eine »Rote Armee« auf, nach deren Niederlage emigrierte er in die Tschechoslowakei. Wegen seiner disziplinlosen Haltung im Frühjahr 1920 aus der KPD ausgeschlossen, trat er Ende 1920 der linksradikalen KAPD bei. Nach Ausbruch der Kämpfe im März 1921 in Mitteldeutschland leitete er die »Roten Garden« und war durch seine Taten in aller Munde. Er ging nach der Niederschlagung der März-Aktion nach Berlin, wo er im April 1921 verhaftet wurde. Ein Sondergericht verurteilte Hoelz im Juni 1921 zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe. Immer wieder wurde die Nachprüfung des Urteils verlangt (er war angeblich für einen Mord verantwortlich) – etwa im April 1927 von Bert Brecht, Albert Einstein, Heinrich George, Heinrich und Thomas Mann und vielen anderen Persönlichkeiten. Im Juli 1928 durch eine Amnestie wieder frei, übersiedelte Hoelz 1929 in die Sowjetunion. 1933 lebte er in Gorki, war aber zunehmend in Gegensatz zur stalinistischen Praxis geraten, obwohl er gerade in der UdSSR als revolutionärer Führer groß herausgestellt wurde.
Max Hoelz zählte zu den populärsten deutschen Kommunisten der Weimarer Republik, von seinen Zeitgenossen als »Tatmensch« gelobt, gehaßt oder verachtet. Er spielte in den Aufständen der frühen zwanziger Jahre eine bedeutende Rolle, übte allerdings innerhalb der kommunistischen Parteiorganisation selbst keine wichtigen Funktionen aus. Bekannt wurden seine Memoiren »Vom ?weißen Kreuz? zur roten Fahne«. In der UdSSR ist Max Hoelz am 15.September 1933 in der Oka ertrunken, sofort verbreiteten die Parteikommunisten, es sei ein Unglücksfall gewesen. Doch schon bald wurde vermutet, die sowjetische Geheimpolizei habe den sehr guten Schwimmer Hoelz ermordet. Inzwischen steht fest, daß er ein frühes Opfer der stalinistischen Säuberung war. Denn 1936/37 konstruierte das NKWD sogar eine »konterrevolutionäre, terroristische, trotzkistische Verschwörung«, der neben Erich Wollenberg und Zensl Mühsam angeblich auch der zu diesem Zeitpunkt bereits über drei Jahre tote Max Hoelz angehört haben soll.

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Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
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