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Jannack, Karl

* 23.1.1891, † 27.5.1968

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Als uneheliches Kind am 23. Januar 1891 in Cölln bei Bautzen geboren, auf dem Dorf aufgewachsen, durchlebte eine schwere Jugend. Einige Zeit als Knecht tätig, dann Schuhmacherlehre, anschließend 1909 auf Wanderschaft. 1909 Mitglied der SPD in Bremen, Anhänger der Bremer Linken. 1913 Soldat, 1915 mit dem EK II ausgezeichnet, im Frühjahr 1916 verschüttet, dann Rückkehr nach Bremen. Mitkämpfer der Bremer Linksradikalen und der Gruppe Arbeiterpolitik, deswegen festgenommen. Jannack entzog sich der »Schutzhaft« durch Freiwilligmeldung. Wieder Soldat und bis zur Revolution 1918 in Saarburg/Lothringen. Am 11. November 1918 kam Jannack nach Bremen zurück, auf Vorschlag des USPD-Führers Alfred Henke zum Leiter des Soldatenrates gewählt. Er schloß sich den Internationalen Kommunisten an und nahm als deren Vertreter am Gründungsparteitag der KPD teil. Im Januar 1919 nach Berlin geschickt, um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht nach Bremen, einem für sie sicheren Ort, zu holen, doch die KPD-Führer blieben in Berlin. Jannack gehörte zu den Leitern der im Februar 1919 in Bremen proklamierten Räterepublik; nach deren Auflösung Sekretär des KPD-Bezirks Nordwest. Da dieser Bezirk auf dem II. Parteitag 1919 zur ultralinken Opposition zählte, wurde auch ihr Delegierter Jannack aus der KPD ausgeschlossen. Im Oktober 1919 Mitunterzeichner eines Briefes von Heinrich Laufenberg, in dem es hieß: »Fordert die Zentrale auf, sich bei Euch in Bremen zu verantworten. Der brutalen Vergewaltigung gegen Eure Beauftragten setzt Eure Fäuste entgegen.« Jannack schloß sich aber nicht der KAPD an, sondern kam nach einigen Monaten zur KPD zurück. 1920 Mitglied der Bremer Bürgerschaft und Vorsitzender des KPD-Bezirks Nordwest. Auf allen Parteitagen – von 1920 bis 1923 – in den ZA der KPD gewählt. 1922 als Redakteur zum »Ruhr-Echo« in Essen, anschließend Redakteur in Düsseldorf und Köln. Im August 1923 nach Remscheid berufen, wo ihn die KPD-Mehrheit des ADGB zum Gewerkschaftssekretär wählte.
Jannack galt als eifriger Anhänger Heinrich Brandlers, deshalb wurde er Mitte 1924 nach dem Sieg der Linken seiner Funktion enthoben. Weil er die Fraktionsarbeit der Brandler-Anhänger leitete und deren Rundbriefe versandte, schloß ihn die KPD am 10. Oktober 1924 aus. Nach dem »Offenen Brief« und der Überprüfung der Ausschlüsse wurde auch Jannack im Oktober 1925 wieder in die KPD aufgenommen. In den folgenden Jahren als Instrukteur bzw. Sekretär in verschiedenen Organisationen wie der Roten Hilfe, der IAH und dem RFB tätig. Er war für die RGI in Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Frankreich im Einsatz, kam 1927 wieder nach Deutschland zurück, war kurze Zeit Redakteur an der »Sozialistischen Republik«, dann an der »Welt am Abend« in Essen, wo er Bernhard Menne ablöste. Bei den Auseinandersetzungen mit den Rechten 1928/29 blieb Jannack auf der ZK-Linie. Von 1930 bis Anfang 1933 Bezirksleiter der Roten Hilfe Niederrhein in Düsseldorf. Jannack arbeitete nach 1933 noch kurze Zeit illegal, emigrierte Ende Mai 1933 nach Lothringen/Frankreich, lebte in Saarburg und arbeitete in der Roten Hilfe und an der Zeitung »Humanité«. Seine Frau, die er im Weltkrieg in Saarburg kennengelernt hatte, flüchtete ebenfalls aus Deutschland (sie starb 1940). Von Januar bis Juni 1940 in Frankreich interniert, wurde er im Oktober 1940 von der Gestapo festgenommen und nach Deutschland transportiert. Um einer Verurteilung durch die NS-Justiz zu entgehen bzw. ein möglichst mildes Urteil zu erreichen, bat Jannack in einem Schreiben an das Reichssicherheitshauptamt vom 8. Februar 1942 (HStA Düsseldorf, Gestapo Akte 3594), ihm »die Gelegenheit zu geben, als Soldat des Führers im deutschen Freiheitskampf mitzuarbeiten«.
Er führte weiter aus: »Daß ich vor, während und nach der Internierung für nationalsozialistische Ziele tätig war, wird durch zahlreiche deutschgesinnte Lothringer bestätigt. Mit zugehörig zu den Gründern der Deutschen Volksgemeinschaft in Saarburg stellte ich mich sofort in den Dienst der Organisation, zuerst als Zellenleiter, später als Organisationsleiter der Ortsgruppe.« Ungeachtet dieses Briefes wurde Jannack nach sieben Monaten Gestapohaft in Düsseldorf vom OLG Hamm zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt, die er in Hamm und Wolfenbüttel verbüßte. Anschließend erfolgte die Überführung in das KZ Buchenwald, wo er bis Kriegsende blieb. Im April 1945 ging Jannack zunächst nach Lothringen, kehrte aber im September 1945 nach Deutschland zurück. Mitglied der KPD, ab Oktober 1945 Sekretär der Kreisbodenkommission in Bautzen, 1946 Vorsitzender der SED Lausitz und er gehörte dem LV Sachsen an. Von Dezember 1946 bis April 1949 war er stellvertretender Landrat des Kreises Bautzen. Am 23.November 1949 erhielt Jannack eine »Rüge« wegen »Fehler und Schwächen«. Als Landrat abgelöst, wurde er 1950 Leiter der Kaderabteilung des Bundesvorstandes der Domowina bzw. der Filiale der Deutschen Notenbank in Bautzen. Von Ende 1952 bis Anfang 1955 leitete Jannack die Abteilung Inneres in der Hauptabteilung Sorbische Volksbildung beim Ministerium für Volksbildung der DDR. In seinen Lebenserinnerungen, »Wir mit der roten Nelke«, die Jannack 1959 in Bautzen veröffentlichte, verdammte er seine früheren Freunde von der Opposition. Im April 1966 erhielt er den VVO in Gold. Karl Jannack starb am 27. Mai 1968.

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