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Budzislawski, Hermann

(Ps. Hermann Eschwege u. a.)
* 11.2.1901, † 28.4.1978
Chefredakteur der »Weltbühne«

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Fleischermstr.; Knabenschule der Jüd. Gemeinde Berlin, Oberrealschule, 1919 Abitur; 1919 – 23 Studium der Nationalökon. u. Staatswiss. an den Univ. Berlin, Würzburg u. Tübingen, 1923 Prom. zum Dr. rer. pol. mit der Diss. »Ökon. der menschl. Erbanlagen« in Tübingen; 1923/24 kfm. Angest.; 1924/25 Red. bzw. Chefred. der Ztschr. »Industrial and Trade Review for India« in Berlin; 1925/26 Hauslehrer in Fiesole (b. Florenz); 1926 Heirat mit Johanna Levy; 1926 – 33 Chefred. der Wiss. Korrespondenz Berlin u. freier journalist. Mitarb. des »Nachtexpress« u. der »Weltbühne« in Berlin; 1928/29 Mitbegr. u. Sekr. der »Ges. zur Förderung des Siedlungswerks in Birobidshan«; 1929 – 33 SPD, wollte 1932 Mitgl. der KPD werden, blieb aber auf Anraten von  Walter Ulbricht als KPD-Verbindungsmann in der SPD; März 1933 Flucht nach Zürich, bis Sept. 1933 unter dem Ps. Hermann Fischli Mitarb. des Berliner Büros der »Frankfurter Ztg.«; Nov. 1933 zus. mit dem Schweizer Emil Walter Gründer des antifa. Pressedienstes »Neue Presse Korresp.«; Jan. 1934 nach Prag; 1934 – 38 Mitbegr. u. Vors. des Dt. Volksfrontkomitees in Prag; 1934 – 39 Hrsg. u. Chefred. der »Neuen Weltbühne« in Prag bzw. ab Okt. 1938 in Paris; 1935 Ausbürgerung aus Dtl.; 1938 tschechoslowak. Staatsbürgerschaft; Mai 1938 nach Paris, Vors. des Aktionsaussch. Dt. Oppositioneller in Paris; enge Geheimkontakte zur Exil-KPD, in deren Auftrag Öffnung der »Neuen Weltbühne« für die Volksfrontpolitik; 1939 Mitgl. im »Aktionsaussch. der dt. Opposition« in Paris; Sept. 1939 Zerwürfnis mit der KPD-Auslandsltg. wg. des Hitler-Stalin-Pakts; Sept. 1939 Verbot der »Neuen Weltbühne« durch die franz. Behörden; 1939/40 in Frankreich interniert, mit Unterstützung des Emergency Rescue Committee Flucht nach Portugal u. mit Hilfe des Unitarian Service Committee Okt. 1940 Emigr. in die USA; bis 1948 in New York, hier Red. u. Autor für bedeutende Tagesztgn.; 1940/41 freier Journalist; 1941 – 45 Mitarb. u. Rechercheass. der amerik. Journalistin Dorothy Thompson; 1943 – 48 Kommentator u. Kolumnist (»Donald Bell«) der linksliberalen Overseas News Agency New York, hier Zusammenarb. mit  Maximilian Scheer; 1944 Mitbegr. des Council for a Democratic Germany.
Sept. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Mitgl. der SED; seit 1948 pol. Kommentator des Mitteldt. Rundfunks; 1949 VDJ; 1948 – 54 Prof. für internat. Pressewesen an der Univ. Leipzig; 1949/50 Abg. der (Prov.) Volkskammer; Nov. 1950 als Westemigrant Funktionsverbot u. praktisch arbeitslos, Ende 1952 wieder aufgehoben; 1952 KB; 1953 – 58 Mitgl. im ZV bzw. Präs. des VDJ; 1954 – 59 Dir. des Inst. für Pressegeschichte der KMU Leipzig, 1959 – 67 dort Dir. des Inst. für Theorie u. Praxis der Pressearbeit; 1954 – 62 Dekan der Fak. für Journalistik; 1954 – 59 Mitgl. des FDGB-BV; 1954 – 58 Mitgl. der ZPL der Fak. für Journalistik; 1955 – 66 Mitgl. des Exekutivrats der Weltföderation der Wissenschaftler; 1956 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; 1958 kurzz. Ltg. der Sendereihe »Berliner Treffpunkt« im DFF (als Vertreter von  Karl-Eduard v. Schnitzler); 1958 – 66 Abg. der Volkskammer, FDGB-Fraktion, stellv. Vors. des Aussch. für Kultur, ab 1967 Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1962 Mitgl. des Dt. Friedensrats u. 1963 des Präs. der UNESCO-Kommission der DDR; Dr. h. c. der KMU Leipzig; Mitgl. des ZV der Gewerkschaft Wiss. u. des FDGB-Bundesvorst.; 1967 – 71 Hrsg. u. Chefred. der »Weltbühne«; 1970 VVO; 1974 Ehrenspange zum VVO; 1976 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.

Publ.: Soz. Journalistik. Eine wiss. Einführung. Leipzig 1966.
Sek.-Lit.: Journalismus u. Gesell. Fs. der Fak. Journalistik der KMU Leipzig. H. B. zum 65. Geburtstag. Leipzig 1966; Kurth, P.: American Cassandra. The Life of Dorothy Thompson. Boston u. a. 1990; Eckert, Th. A.: Die Neue Weltbühne unter Leitung von H. B. im »Fahrwasser der KPD«? In: Grunewald, M. (Hrsg.): Autour de »Front populaire allemand«. Bern 1990; Krauss, M.: Hans Habe, Ernst Friedländer, H. B. Drei Zonen, drei Städte, drei Schicksale. In: Krohn, C.-D. (Hrsg.): Zwischen den Stühlen? Remigranten u. Remigration in der dt. Medienöffentlichkeit der Nachkriegszeit. Hamburg 2002; Teuber, T.: Ein Stratege im Exil. H. B. u. die neue Weltbühne. Frankfurt (Main) 2004.
BRB

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