Biographische Datenbanken

Küchenmeister, Walter

* 9.1.1897, † 6.2.1943

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


(* 1897 – † 1943)
Geboren am 9. Januar 1897 in Waldheim/Sachsen, Sohn eines Schuhmachers. Eisendreher und Bergarbeiter, seit 1911 aktiv in der Jugendbewegung und der Gewerkschaft. 1917/18 bei der Marine, beteiligte sich am Aufstand der Kieler Matrosen im November 1918 und ging in Berlin zur SPD, 1921 Übertritt zur KPD. Funktionär in Ahlen, Redakteur der »Westfälischen Arbeiterzeitung« und des »Ruhr-Echos«. 1926 wegen »unproletarischen Verhaltens« aus der KPD ausgeschlossen, er wurde als Polizeispitzel verdächtigt und soll Gelder unterschlagen haben. Anschließend freier Schriftsteller und Inseratenwerber. 1929 Übersiedlung nach Berlin, hier Zusammenarbeit mit Karl Otto Paetel und den Nationalbolschewisten. 1933 und 1934 zweimalige Inhaftierung, u. a. im KZ Sonnenburg. Nach seiner Freilassung Verbindung zu Harro Schulze-Boysen, Küchenmeister gehörte zum Kern der entstehenden Widerstandsgruppe. Er half bei der Herstellung von Flugschriften u. a. »Der rote Stoßtrupp«, organisierte Spendensammlungen für politische Gefangene und politische Schulungen unter Berliner Studenten. Wegen einer schweren Tbc-Erkrankung zum Kuraufenthalt in der Schweiz, trat er in Kontakt mit KPD-Funktionären, z. B. mit Wolfgang Langhoff. Nach seiner Rückkehr wieder im Führungskreis der Schulze-Boysen-Gruppe. Durch die von Wilhelm Guddorf in die Gruppe hineingetragenen Vorbehalte wegen Küchenmeisters früheren Ausschlusses aus der KPD kam es zu Konflikten. Am 16. September 1942 in Berlin festgenommen, vom 2. Senat des Reichskriegsgericht am 6.Februar 1943 wegen Zugehörigkeit zur Widerstandsorganisation »Rote Kapelle« zum Tode verurteilt, wurde Walter Küchenmeister am 13. Mai 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Seine Lebensgefährtin Elfriede Paul (*14.1. 1900), die er in die illegale Arbeit einbezogen hatte, wurde zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie war ab August 1945 Landärztin in Burgdorf/Niedersachsen, wieder in der KPD und von 1945 bis 1947 Ministerin für Aufbau, Arbeit und Wohlfahrt in der Landesregierung Niedersachsen, zugleich dort MdL. Ende 1947 übersiedelte Elfriede Paul in die SBZ, wurde Mitglied der SED und Abteilungsleiterin in der Zentralverwaltung für Gesundheitswesen, ab 1949 Leiterin der Medizinischen Abteilung der Versicherungsanstalt von Ost-Berlin. Später am Aufbau des Instituts für Sozialhygiene der Medizinischen Akademie Magdeburg beteiligt, bekam sie dort einen Lehrstuhl bis zur Emeritierung 1964. 1950/51 untersuchte die ZPKK Elfriede Pauls zeitweilige Kontakte nach 1945 zu Kurt Müller, dessen Frau Hedda Fischer und Edu Wald, sie saß deswegen vom 23. August bis 14.September 1951 in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Berlin. 1980 erhielt sie den VVO in Gold. Ihre Lebenserinnerungen erschienen 1981 unter dem Titel »Ein Sprechzimmer der Roten Kapelle«. Elfriede Paul starb am 30. August 1981 in Ahrenshoop.

© Die Urheberrechte am Lexikon und aller seiner Teile liegen beim Karl Dietz Verlag. Die Weiterverwendung von Biographien oder Abschnitten daraus bedürfen der Zustimmung des Verlages.
Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
Karl Dietz Verlag Berlin, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Tel. 030 - 29 78 45 34

Zum Abkürzungsverzeichnis