Biographische Datenbanken

Leviné, Eugen

* 9.5.1885, † 3.5.1919

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 9. Mai 1885 in St. Petersburg, Sohn eines Großkaufmanns, der 1886 starb. 1897 mit der Mutter nach Deutschland übergesiedelt, besuchte das Gymnasium in Wiesbaden, nahm 1905 das Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg auf und studierte 1904/05 in Berlin. Im September 1905 ging er nach Rußland und nahm an der Revolution teil.
Leviné, der Mitglied der russischen Sozialrevolutionären Partei war, wurde 1906 und erneut 1908 verhaftet und mißhandelt; 1909 konnte er nach Deutschland zurückkehren. Er schloß sein Studium der Nationalökonomie in Heidelberg mit der Dissertation »Typen und Etappen in der Entwicklung gewerkschaftlich organisierter Arbeiter« ab. Unter dem Pseudonym Goldberg (dem Mädchennamen seiner Mutter) arbeitete er für die SPD-Presse, er war in der SPD und im Mannheimer »Karl-Marx-Klub« der radikalen Sozialdemokraten aktiv. 1915 wurde Leviné badischer und damit deutscher Staatsbürger, er übersiedelte nach Berlin, wurde im Krieg zum Landsturm eingezogen und war Dolmetscher in einem Lager russischer Kriegsgefangener.
Im Mai 1915 heiratete er Rosa Broido (* 18. 5. 1890 – †11. 11. 1979), Tochter eines Rabbiners, die später in der KPD wirkte, Ernst Meyer heiratete und zuletzt in London als Anti-Stalinistin und unabhängige Kommunistin bekannt wurde. Sie veröffentlichte 1972 eine weitverbreitete Leviné-Biographie und 1979 ihre eigenen Memoiren »Im inneren Kreis«. 1916 wurde ihr Sohn in Heidelberg geboren.
Eugen Leviné schloß sich der Spartakusgruppe um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht an, trat mit dieser 1917 der USPD bei und arbeitete 1918 in Berlin als Abteilungsleiter der sowjetischen Telegrafenagentur ROSTA. Nach der Novemberrevolution war er für den Spartakusbund im Rheinland tätig, die Arbeiter in Essen sandten ihn als Delegierten zum 1. Reichsrätekongreß. Leviné war Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD, wo er sich – mit der Mehrheit der KPD – gegen die Beteiligung an den Wahlen zur Nationalversammlung aussprach, wie sie Paul Levi gefordert hatte. Leviné nahm an den Januarkämpfen 1919 in Berlin teil und war dann in Braunschweig und im Ruhrgebiet aktiv.
Im März 1919 ging er nach Bayern und kam an die Spitze der KPD in München. Diese lehnte unter seinem Vorsitz die Beteiligung an der »Scheinräterepublik« (7. bis 15. April) ab. Am 15. April übernahm Leviné die Führung der kommunistischen Münchner Räterepublik (15. April bis 3. Mai 1919), die er bis zum 27. April leitete. Nach der militärischen Niederschlagung der Räterepublik ging er auf Beschluß der Parteiführung in die Illegalität. Am 13. Mai verhaftet, verteidigte Leviné vor dem Münchner Sondergericht mutig seine kommunistische Überzeugung (»Wir Kommunisten sind alle Tote auf Urlaub«). Eugen Leviné wurde zum Tode verurteilt und trotz zahlreicher Proteste am 5. Juni 1919 in München-Stadelheim erschossen.

© Die Urheberrechte am Lexikon und aller seiner Teile liegen beim Karl Dietz Verlag. Die Weiterverwendung von Biographien oder Abschnitten daraus bedürfen der Zustimmung des Verlages.
Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
Karl Dietz Verlag Berlin, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Tel. 030 - 29 78 45 34

Zum Abkürzungsverzeichnis