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Busse, Ernst

* 24.11.1897, † 31.8.1952
Innenminister von Thüringen

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Solingen; Vater Schleifer; Volksschule; Ausbildung zum Schleifer, danach bis 1925 im Beruf tätig; 1912 SAJ, 1913 Mitgl. des DMV, 1916 Jugendfunktionär; 1916/17 Militärdienst, wegen Krankheit in die Rüstungsindustrie entlassen; 1918 Spartakusbund, 1921 KPD; Arbeiterkorrespondent; 1925 – 30 hauptamtl. im DMV, wegen pol. Differenzen gemaßregelt; 1930/31 ehrenamtl. Ltr. der aus dem DMV ausgeschl. Metallarb. des Bez. Mönchen-Gladbach, ab 1931 mit Bernhard Bästlein RGO-Ltr. im Bez. Köln-Aachen-Trier, danach Bez.-Ltr. in Thür.; 1932/ 33 Abg. des Dt. Reichstags; Ltr. der RGO Köln, dann der BL Erfurt; 1933 wegen illeg. pol. Arbeit verhaftet u. zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt; 1933 – 36 KZ Lichtenburg, ab 1937 KZ Buchenwald, dort Mitgl. der illeg. KPD u. vertrat mit  Walter Bartel u.  Harry Kuhn die dt. Gefangenen im internat. Lagerkomitee, Block-, Lagerältester u. Kapo im Krankenbau.
Mai 1945 stellv. Ltr. der pol. Polizei in
Erfurt, Mitgl. der KPD-BL Thür.; Juni 1945 Ltr. des Landesarbeitsamtes in Weimar; Juli
1945 – Nov. 1946 1. Vizepräs. der Landesverw. Thür.; 1946 Mitgl. des Sekr. des SED-LV; Nov. 1946 – Mai 1947 Innenmin., Vors. der Landeskommission für die Bodenreform; Juli 1947 – 49 Vizepräs. der Dt. Verw. für Land u. Forst in Berlin; 1948 Mitgl. des agrarpol. Aussch. beim ZS der SED; 1949 Vors. des Zentralverb. der landw. Genossenschaften Dtl.; 18.4.1950 von sowj. Organen verhaftet u. am 27.2.1951 vom Militärtribunal der Garnison des sowj. Sektors der Stadt Berlin als angebl. Kriegsverbercher zu lebenslanger Haft verurteilt; im Sonderlager Nr. 6 Workuta (Republik Komi) gest.; 1.9.1956 parteinterne Rehabil. durch die ZPKK der SED; am 31.3.1990 von der Zentralen Schiedskommission der PDS rehabilitiert.

Sek.-Lit.: Niethammer, L. (Hrsg.): Der »gesäuberte« Antifa. Die SED u. die kommunist. Kapos von Buchenwald. Berlin 1994.
HME; BRB

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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 24. November 1897 in Solingen, Sohn eines Schleifers; lernte auch Schleifer. 1916/17 Soldat, wegen Krankheit in die Rüstungsindustrie entlassen. 1918 Mitglied des Spartakusbundes, 1919 der KPD, ehrenamtlich Referent der BL Rheinland-Westfalen. 1925 in München-Gladbach zum hauptamtlichen DMV-Sekretär gewählt, blieb er bis 1930 in dieser Funktion. 1930 Ausschluß aus dem DMV. 1931 zusammen mit Bernhard Bästlein Leiter des Sekretariats der RGO im Bezirk Köln. Im Juli 1932 im Wahlkreis Koblenz-Trier in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Ab Januar 1933 RGO-Leiter in Thüringen, bis zu seiner Verhaftung im Oktober 1933 in Erfurt illegale Arbeit. Im November 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ab 1937 im KZ Buchenwald. Dort gehörte er zum illegalen »Parteiaktiv« und war deutscher Vertreter im Internationalen Lagerkomitee. Als Blockältester, 1. Lagerältester und zuletzt Kapo im Krankenbau, besaß er eine einflußreiche Position in der von der SS geduldeten Lagerselbstverwaltung. Nach der Befreiung stellvertretender Chef der Polizei in Weimar, leitete er die KPD-BL Thüringen. Nachdem die US-Besatzungstruppen abgezogen und die SMA gebildet war, wurde Busse 1. Vizepräsident der Landesverwaltung Thüringen bzw. ab Herbst 1946 Innenminister. 1946/47 gehörte er dem Sekretariat des SED-LV Thüringen an. Gegen Busse gab es seitens der Berliner KPD-Zentrale mehrere Untersuchungen und Anschuldigungen wegen seiner Rolle als Lagerältester in Buchenwald und Kapo im Krankenbau. Er wurde 1947 aus Thüringen nach Berlin berufen und als Vizepräsident der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft politisch »kaltgestellt«. Gegen Busse ermittelten dann auch sowjetische Stellen wegen des Vorwurfs von Liquidierungen russischer Häftlinge im Krankenbau des KZ Buchenwald. Am 29.März 1950 zu einer Besprechung nach Berlin-Karlshorst einbestellt und dort vom NKWD verhaftet. Am 27. Februar 1951 wurde Busse vom Militärtribunal der sowjetischen Garnison in Berlin aufgrund des Kontrollratsgesetzes Nr. 10 als »Kriegsverbrecher« zu lebenslänglicher Lagerhaft verurteilt und am 11. Juni 1951 in das Sonderlager Nr. 6 in Workuta eingeliefert. Dort ist Ernst Busse am 31. August 1952 im Schacht 1 infolge der unmenschlichen Haftbedingungen umgekommen. Seine Frau Anna Busse (*13.10.1907 – †9.2.1984), Tochter eines Wäschereibesitzers, war Arbeiterin. Seit 1930 in der Kampfgemeinschaft rote Sporteinheit und im KJVD, 1931 in der KPD aktiv, ab 1933 illegale Arbeit für RGO Thüringen. Sie wurde im Oktober 1939 festgenommen und zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt, 1944 in Solingen erneut verhaftet. 1946/47 Sekretärin im thüringischen Innenministerium, von 1950 bis 1952 kaufmännische Angestellte und ab 1952 Instrukteurin bei der IG Druck und Papier der DDR. Sie bekam jahrelang keine Auskunft über den Aufenthalt ihres Mannes, erst nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 wurde ihr mündlich mitgeteilt, daß Busse verstorben sei. Mitte der sechziger Jahre zog Anna Busse in ihre Geburtsstadt Erfurt. Durch die ZPKK der SED wurde Ernst Busse 1956 nichtöffentlich »rehabilitiert«, blieb jedoch über dreißig Jahre in der DDR eine »Unperson«.

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