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Sachse, Willy

* 7.1.1896, † 7.6.1944

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 7. Januar 1896 in Leipzig, Sohn eines Böttchers und späteren Gastwirts; besuchte ein Technikum. Im Oktober 1914 zur Marine eingezogen, Oberheizer auf dem Linienschiff »Friedrich der Große«. Anhänger der USPD, er spielte bei der Flottenmeuterei 1917 eine beachtliche Rolle. Zusammen mit Max Reichpietsch, Albin Köbis, Hans Beckers und Willy Weber wurde Sachse am 26. August 1917 zum Tode verurteilt, Reichpietsch und Köbis wurden erschossen, die Strafen der anderen Verurteilten in Zuchthausstrafen umgewandelt, Sachse erhielt 15 Jahre Zuchthaus. Durch die Revolution 1918 befreit, schloß er sich der USPD an und war zunächst Mitglied des Zentralrats der revolutionären Matrosen, dann des Arbeiter- und Soldatenrates in Leipzig. Er kam mit der linken USPD 1920 zur KPD, war führend an der März-Aktion 1921 in Mitteldeutschland beteiligt und ab 1922 hauptamtlicher Sekretär im UB Bitterfeld. Der VII. Jenaer Parteitag 1921 und der VIII. Leipziger Parteitag 1923 wählten ihn in den ZA der KPD. Im Februar 1923 als Nachfolger von Georg Schumann Polleiter des Bezirks Halle-Merseburg, 1924 von der linken Führung als Polleiter in den Bezirk Hessen (Frankfurt) gesandt, dort wirkte er unter dem Pseudonym Schuhmann. Ab 1925 in Hamburg (Pseudonym Willy Halle), von Oktober 1925 bis Januar 1926 Polleiter des Bezirks Wasserkante, anschließend Orgleiter. Das SPD-Organ »Hamburger Echo« brachte am 6. März 1926 Auszüge aus einem unterwürfigen Gnadengesuch, das Sachse 1917 angeblich an den Kaiser geschrieben haben soll. Obwohl er versicherte, daß die Gnadengesuche gar nicht von den Verurteilten stammten, wurde Sachse vom ZK abgelöst, da er in Hamburg ohnehin einen schweren Stand hatte. Nach Aufenthalt in Moskau Mitarbeiter an verschiedenen KP-Zeitungen. Die 1925 von Sachse (Pseudonym Anti-Nautikus) verfaßte und mit einem Vorwort von Ernst Thälmann veröffentlichte Broschüre »Deutschlands revolutionäre Matrosen« wurde im Januar 1926 beschlagnahmt. Ein Prozeß gegen ihn endete im April 1928 mit einem Freispruch. Seit Mai 1926 war er unter Paul Böttcher Kultur- und Feuilletonredakteur an der Leipziger KP-Zeitung »Sächsische Arbeiterstimme«. Sachse wurde Ende 1928 wegen Rechtsabweichung aus der KPD ausgeschlossen, wieder Techniker. Er trat in Leipzig der KPO bei, von der er sich aber 1932 wieder entfernte, war kurze Zeit Angestellter beim »Münzenberg-Konzern«. Während der Nazizeit publizierte Sachse Reise- und Abenteuerromane, die auch ins Französische übertragen wurden. Die Reichsschrifttumskammer schloß ihn aus, weil er es ablehnte, ein Buch über die Seefahrt im nationalsozialistischen Sinne zu schreiben. Ab 1939 Techniker in einer chemischen Fabrik, lernte er über Alexander Graf Stenbock-Fermor Josef (Beppo) Römer kennen und übernahm die Gruppe Nord, einer von Römer gegründeten illegalen Widerstandsgruppe. Am 2. Februar 1942 verhaftete die Gestapo Sachse, dessen Sohn zu dieser Zeit als Soldat fiel. Nach zweijähriger Untersuchungshaft im Polizeigefängnis und KZ am 7.Juni 1944 vom VGH zum Tode verurteilt, wurde Willy Sachse am 21.August 1944 in Brandenburg als Opfer der NS-Diktatur hingerichtet.

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