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Schlaffer, Joseph

* 27.3.1891, † 26.4.1964

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 27. März 1891 in Kallmünz/Bayern, Sohn eines bayerischen Gendarmerieoberwachtmeisters, wuchs in Armut auf. Nach Beendigung der Schlosserlehre 1907 Wanderschaft, 1911 als Heizer zur Marine eingezogen. Ende 1912 Mitglied der SPD. Während des Weltkrieges Matrose auf einem U-Boot. Nach Ausbruch der Revolution 1918 Mitglied des Soldatenrates in Brunsbüttelkoog. Ende 1918 Rückkehr nach München, dort Übertritt zur USPD und Betriebsratsvorsitzender bei der Reichsbahn. 1920 mit der linken USPD zur KPD, wurde 1921 zu drei Jahren Festung verurteilt, weil er während der März-Aktion 1921 an den Aufstandsvorbereitungen teilgenommen hatte. Da er 1924 als Kandidat für die Reichstagswahlen aufgestellt wurde, vorzeitig aus der Festung Niederschönenfeld entlassen. In den Bayerischen Landtag gewählt, war Schlaffer Führer der weiterhin illegalen bayerischen Kommunisten. Der IX. Frankfurter Parteitag 1924 berief ihn in den ZA, er war Delegierter des V. Weltkongresses der Komintern im Juli 1924, Polleiter für Süd- und Nordbayern. Im August 1924 erhielt er – obwohl Abgeordneter – erneut drei Monate Gefängnis. Im Urteil hieß es: »Schlaffer ist gerichtsbekanntermaßen nicht nur kommunistischer Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender, sondern überhaupt der führende Mann und leitende Geist der kommunistischen Bewegung in Bayern.«
Der X. Parteitag 1925 wählte Schlaffer in Abwesenheit ins ZK. Im Januar 1926 vom Staatsgerichtshof wegen Weiterführung der illegalen KPD in Bayern zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, lebte er illegal und war 1925/26 einige Monate Polleiter des KPD-Bezirks Halle-Merseburg (Pseudoym Rudi Berger). Nach Aufhebung seiner Immunität als bayerischer Abgeordneter im Februar 1926 schickte ihn die KPD zur Komintern nach Moskau. Von dort kam er Ende 1926 als Polleiter ins Saargebiet (Pseudonym Paul Richter). Der XI. Parteitag im März 1927 wählte Schlaffer zum Mitglied des ZK. Im August 1927 in Saarbrücken verhaftet, aus dem Saargebiet ausgewiesen, nach Deutschland abgeschoben, abermals inhaftiert und 1928 amnestiert. Ab Frühjahr 1929 Polleiter in Württemberg, vom XII. Parteitag 1929 wieder ins ZK berufen und im September 1930 zum Reichstagsabgeordneten gewählt. Wegen der Niederlage der KPD bei den Kommunalwahlen in Württemberg Ende 1931 wurde Schlaffer im Januar 1932 angegriffen. Dort seiner Funktion enthoben, war er anschließend im Rheinland tätig, dann bis Dezember 1932 in Berlin Leiter des Kampfbundes gegen den Faschismus. Er kam im Juli 1932 über den Reichswahlvorschlag der KPD erneut in den Reichstag, war aber in der Partei als Anhänger der Remmele-Neumann-Gruppe isoliert. 1933 wohnte Schlaffer (zusammen mit Hermann Remmele) vier Monate illegal in Berlin, war dann unter falschen Namen (Kurt Hagert und Oswald Jaeschke) Kaufmann.
Darüber heißt es in seinem Lebenslauf: »Mit meinen neuen illegalen Papieren und mit Hilfe meines Bruders Anton, der auf meinen Vorschlag einen Eiweiß-Großhandel (Milchpulver mit Lecithin) neben seiner Bäckerei und Konditorei aufgenommen hatte, dessen Geschäftsführung ich nun unter meinem illegalen Namen übernommen hatte, verdiente ich persönlich sehr gut und vergrößerte diesen Betrieb immer mehr... Meine erste Verhaftung im Jahre 1936 ... machte dieser geschäftlichen Aufwärtsentwicklung ein Ende. Ich wurde in das SS-Gefängnis in die Prinz-Albrecht-Str. eingeliefert – fast sechs Wochen lang verhört und auch einmal verprügelt –, aber meine jahrelange geschäftliche Betätigung, die von der Gestapo genau nachgeprüft wurde, war ein solch überzeugendes Alibi, daß die Gestapo auch von einer Bestrafung wegen Urkundenfälschung, d. h. wegen Führung falscher Papiere, Abstand nahm und mich wieder auf freien Fuß setzte. Von Juni oder Juli 1936 an konnte ich wieder legal, d. h. unter meinem richtigen Namen auftreten ...« Im April 1937 erneut verhaftet und in das KZ Sachsenhausen eingeliefert, wurde Schlaffer nach Unterschreiben eines Revers, sich nicht mehr kommunistisch zu betätigen, im August desselben Jahres freigelassen.
Er arbeitete bis 1943 in verschiedenen Berufen, dann zum Militär eingezogen, geriet er im April 1945 in sowjetische Gefangenschaft bei Küstrin. Später berichtete er: »Von den ca. 60 im Lager Küstrin vorhandenen Kommunisten wurde ich zum Leiter gewählt und wurde schließlich politischer Kommandant des Lagers ... Nach meiner Entlassung im September 1945 meldete ich mich im neuen ZK der KPD ... Dahlem schickte mich sofort zur sowjetischen Militärverwaltung nach Karlshorst. Dort wurde ich von General Gorochow beauftragt, eine neue Zentralverwaltung für die Umsiedlung der Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten östlich der Oder-Neiße-Linie zu bilden...« Nach Differenzen mit Besatzungsoffizieren von diesem Posten entlassen, wurde Schlaffer Direktor des Industrieverbandes Eisen und Metall des Landes Brandenburg, dann Direktor der Hüttenwerke Hennigsdorf. Dort kündigte er im Sommer 1948, angeblich, um sich aus Gesundheitsgründen ins Privatleben zurückzuziehen. Am 24. August 1948 von Heinrich Rau, damals Vorsitzender der DWK, nach Hennigsdorf bestellt, um sein restliches Gehalt abzuholen, erwartete ihn dort nicht Rau, sondern der NKWD-Major Popow und der deutsche Kriminalkommissar Beater. Sie verhafteten ihn unter dem Vorwand: Unstimmigkeiten in der Kasse.
Schlaffer war in West-Berlin (er wohnte im französischen Sektor) allerdings mit dem Sozialdemokraten Gustav Klingelhöfer, den er aus der bayerischen Festung Niederschönfeld kannte, in Verbindung getreten und hatte ihm einen Bericht über die Zustände im Sowjetsektor gegeben. Wegen dieses Treffens denunziert, wurde Schlaffer vom 24. August bis 20. Oktober 1948 vom NKWD festgesetzt. Als angeblicher Gestapoagent den deutschen Behörden übergeben. Am 14. März 1949 unter Einstellung seines Falles auf freien Fuß gesetzt, wurde er aber nach einem Parteiverfahren aus der SED ausgeschlossen. Mitte Oktober 1956 wurde er von der ZPKK parteipolitisch rehabilitiert. Das Politbüro ordnete die Anerkennung seiner Parteimitgliedschaft an, doch er blieb in West-Berlin und betätigte sich nicht mehr für die SED, mit der er innerlich längst gebrochen hatte. Joseph Schlaffer starb am 26. April 1964 in West-Berlin an einem Herzinfarkt. Im Jahrbuch für historische Kommunismusforschung erschien 2008 eine Biographie Schaffers von Kurt Schilde.

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Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
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