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Schoenlank, Reinhold

* 2.1.1890, † 6.1.1960

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 2. Januar 1890 in Nürnberg, Sohn des sozialdemokratischen Journalisten und Reichstagsabgeordneten Bruno Schoenlank (*16. 5. 1859 – † 30. 10. 1901); besuchte die Höhere Bürgerschule in Leipzig und Erfurt und lernte Drogist. 1907 wegen antimilitaristischer Jugendarbeit verhaftet, wanderte dann nach Brasilien aus, gründete dort mit Gleichgesinnten eine »kommunistische Kolonie«, war schließlich Bierbrauer und Apotheker und kehrte wieder nach Deutschland zurück. Als Hotelangestellter 1910 durch einen Unfall erblindet, war er ab 1911 Zögling an der Hallenser Blindenanstalt. Dort 1913 wegen politischer Betätigung entlassen, später Leiter eines Arbeiterjugendheimes in Halle. 1917 Mitglied der USPD, wurde wegen aktiver Antikriegsarbeit festgenommen, kam erst bei Ausbruch der Revolution frei. Seit 1919 Mitglied der KPD, reiste als Wanderredner der Zentrale durch Deutschland, nahm am III., IV. und V. Parteitag 1920 in Karlsruhe, bzw. in Berlin sowie am VII. Parteitag im August 1921 in Jena teil, wo er für den Bezirk Halle-Merseburg in den ZA gewählt wurde. Schoenlank veröffentlichte am 14. Oktober 1925 im Bezirksorgan »Klassenkampf« einen Artikel, der sich u. a. kritisch mit der Taktik der Komintern befaßte. Er wurde deshalb am 20. Oktober 1925 gegen die Stimmen der Ultralinken aus der Partei ausgeschlossen, protestierte zwar dagegen, doch die Komintern bestätigte seinen Ausschluß. Später wieder Mitglied der SPD, er war ein bekannter Schriftsteller und engagierte sich im Zentralverband der Arbeitsinvaliden. Nach 1933 Berufsverbot, aber nicht verhaftet. 1945 wieder Mitglied der SPD, dann der SED, zunächst wurde Schoenlank Oberregierungsrat für Sozialwesen in der Provinzialverwaltung Sachsen-Anhalt, dann Dozent an der Universität Halle. Er geriet 1950 in die stalinistischen Säuberungen, wurde zeitweilig aus der SED ausgeschlossen, später »rehabilitiert« und Arbeiterveteran in Halle. Reinhold Schoenlank starb am 6. Januar 1960 in Berlin.
Sein jüngerer Bruder Bruno Schoenlank (* 31. 7. 1891 – † 1. 4. 1965) lernte Buchhändler bei J.H. W. Dietz in Stuttgart, schrieb Artikel für die »Gleichheit«, die »Schwäbische Tagwacht« und den »Vorwärts«. Leistete während des Weltkrieges wie sein Bruder antimilitaristische Arbeit in Berlin und in der Armee. Mitglied der USPD, ab Mitte November 1918 Feuilletonredakteur der »Freiheit«. Während der Januarkämpfe 1919 aktiv auf seiten der Spartakisten an der Besetzung des »Vorwärts«-Gebäudes beteiligt, veröffentlichte in der »Freiheit« am 20. Januar 1919 ein Gedicht auf Rosa Luxemburg. Von 1919 bis 1921 gehörte er der KPD an, trat aber 1921 als Anhänger Paul Levis wieder aus und wurde später Mitglied der SPD. Als Schriftsteller und Redakteur zugleich ein führender Sprechchordichter der sozialdemokratischen Arbeiterkulturbewegung, emigrierte er 1933 in die Schweiz und wohnte bis zu seinem Tod in Zürich.

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