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Schulze, Hermann

* 4.4.1897, † 58 und 196

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 4. April 1897 in Gera-Untermhaus, Sohn einer Weberfamilie; lernte Schlosser und arbeitete in Textilfabriken. 1916 Mitglied der SPD, im Weltkrieg aktiv in der Spartakusgruppe, Teilnehmer der linksradikalen Jugendkonferenz in Jena 1916, 1917 Mitglied der USPD. Schulze nahm als Gast am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. Vorsitzender der KPD in Gera, dort bis 1929 Stadtrat. Er wurde 1924 und erneut 1927 in den Thüringer Landtag gewählt und war in der BL Thüringen Sekretär für Kommunalpolitik. Bei den Auseinandersetzungen in der Thüringer KPD 1928/29 schloß er sich (wie fast die ganze Fraktion) der KPO an und war dann in der KPO-Thüringen tätig. Er saß 1933 in »Schutzhaft« im KZ Sulza. 1939 Einberufung zur Wehrmacht, abkommandiert zur Bewachung von englischen und französischen Kriegsgefangenen. Schulze wurde 1943 verhaftet unter dem Verdacht, eine illegale Organisation zur Unterstützung der Kriegsgefangenen aufgebaut zu haben, in die Militärstrafanstalt Naumburg eingeliefert, aber vom Kriegsgericht im April 1944 nicht verurteilt. 1945 trat Schulze der SPD bei, war Bezirksbürgermeister in Gera-Untermhaus. 1946 in die SED übernommen, von 1948 bis 1959 Angestellter in einer Färberei, nach einem Herzanfall arbeitsunfähig, Leiter des Sportamtes und bis 1950 auch Vorsitzender des Wohnungsausschusses für Gera. Als früherer KPO-Funktionär wurde Schulze im Dezember 1950 aus der SED ausgeschlossen mit dem Vorwurf, er hätte »Nazis gedeckt«. Sogar die Verleihung der Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus« wurde ihm verwehrt, die VdN-Bezirkskommission Gera erhielt zwischen 1958 und 1967 nicht die dafür notwendige Bestätigung aus Ost-Berlin. Hermann Schulze starb am 11. September 1967 in Gera.

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