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Schwarz, Ernst

* 18.1.1886, † 29.5.1958

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


(* 1886 – † 1958)
Geboren am 18. Januar 1886 in Landsberg/ Warthe; besuchte das Gymnasium in Landsberg und Berlin und studierte nach dem Abitur in Grenoble, Bonn und Berlin. Vor dem Weltkrieg promovierte er zum Dr. phil. Er hatte keine Verbindung zur sozialistischen Bewegung, soll sogar Mitglied einer bürgerlichen Partei gewesen sein. Im Krieg war Schwarz nur kurze Zeit Soldat, dann Studienassessor. Nach der Revolution 1918 in Chemnitz Mitglied der SPD, die ihn während des Kapp-Putsches mit der Kontrolle der Polizei in Chemnitz beauftragte (später hieß es deswegen, er sei dort Polizeipräsident gewesen). Schwarz radikalisierte sich und trat Mitte 1920 zur USPD über, wurde im Sommer 1920 deren Bezirkssekretär in Kiel. Er stand auf dem linken Flügel der USPD und ging mit diesem im Dezember 1920 zur KPD. Für die KPD wurde Schwarz (unter dem Pseudonym Tiede) Bezirkssekretär in Hessen-Kassel. Nach der März-Aktion 1921 geflüchtet, kehrte er nach Berlin zurück, hier im Dezember 1921 verhaftet und nach Kassel gebracht. Nach mehrmonatiger Haft wurde Schwarz im Oktober 1922 Studienrat in Berlin. Auch in der KPD gehörte er zum linken Parteiflügel, war Mitglied der BL Berlin-Brandenburg und Delegierter des VIII. Leipziger Parteitags 1923. Als die Linken auf dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 die Führung übernahmen, wurde Schwarz (Tiede) hauptamtlicher Polleiter von Thüringen. Der »Dicke«, wie er genannt wurde, konnte jedoch den rechten Thüringer Bezirk nicht für die linke Führung gewinnen. Im Mai und im Dezember 1924 zum Reichstagsabgeordneten gewählt, schloß er sich 1925 der ultralinken Opposition um Werner Scholem und Arthur Rosenberg an. Er wurde deswegen von der Ruth-Fischer-Führung seiner Funktion in Thüringen enthoben. Im Mai 1925 kehrte er nach Berlin zurück. Nach dem »Offenen Brief« und dem Auseinanderbrechen der Ultralinken bildete Schwarz zusammen mit Karl Korsch die Gruppe »Entschiedene Linke«, wurde Mitherausgeber der »Kommunistischen Politik«. Er trat am radikalsten gegen die Komintern auf, im Reichstag wandte er sich gegen die »konterrevolutionäre« Sowjetunion. Am 30. April 1926 wurde Schwarz aus der KPD ausgeschlossen. Er trennte sich mit seinen Anhängern im Herbst 1926 von der Korsch-Gruppe, gab ein eigenes Organ heraus (»Entschiedene Linke«) und näherte sich der KAPD. Im Dezember 1927 trat er aus seiner eigenen Gruppe »Entschiedene Linke« aus, weil diese sich mit der KAPD verschmolz und er als Mitglied der antiparlamentarischen KAPD sein Reichstagsmandat hätte niederlegen müssen. Schwarz blieb bis 1928 Reichstagsabgeordneter und ging dann wieder in den Schuldienst. Politisch entfernte er sich von der Arbeiterbewegung, sympathisierte mit der Paneuropa-Bewegung und bemühte sich um eine deutsch-französische Freundschaft. Im Juli 1933 emigrierte Schwarz nach Frankreich, dann über Kuba und Mexiko in die USA, wo er zunächst in Chicago, später in Washington lebte und 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. 1956 kehrte er nach Deutschland zurück, lebte in Bad Godesberg, trat aber politisch nicht mehr hervor. Ernst Schwarz starb bei einem England-Besuch am 29.Mai 1958 in Twickenham.

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