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Stoecker, Walter

* 9.4.1891, † 10.3.1939

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 9. April 1891 in Köln, Sohn eines Ingenieurs; besuchte die Realschule, anschließend Lehre als Handlungsgehilfe. 1908 Mitglied der SPD, 1910 Volontär, dann Redakteur an SPD-Zeitungen in Kiel und Köln. 1912/13 Studium der Geschichte und Volkswirtschaft in Berlin, Leipzig und Zürich, dann Leiter der sozialistischen Studentenorganisation in Köln und Berichterstatter sozialdemokratischer Zeitungen. Von Februar 1915 bis November 1918 Soldat. 1917 Übertritt zur USPD, führend im Aktionsausschuß der Soldatenräte während der Novemberrevolution in Köln. Von Dezember 1918 bis Juni 1919 Redakteur am USPD-Organ »Volkstribüne« in Elberfeld, Stadtverordneter in Köln. Für die USPD 1919 in die Verfassunggebende Preußische Nationalversammlung gewählt, war Delegierter der USPD-Parteitage vom März und Oktober 1919. Stoecker wurde im Juni 1919 zum Sekretär der USPD-Zentralleitung nach Berlin berufen. Im Juni 1920 zog er als Abgeordneter der USPD im Wahlkreis Düsseldorf-West in den Reichstag ein.
In der USPD war Stoecker neben Ernst Däumig und Wilhelm Koenen die treibende Kraft für den Anschluß an die III. Internationale. Als einer der Führer des linken Flügels war Stoecker auch auf dem Spaltungsparteitag in Halle und wurde Mitglied des ZK der linken USPD, nach der Vereinigung in die Zentrale der VKPD gewählt, einer der sechs Sekretäre der Leitung. Auf dem VII. Jenaer Parteitag 1921 nicht mehr in die Parteispitze entsandt, blieb aber als Reichstagsabgeordneter wichtiger Funktionär. Der VIII. Parteitag 1923 berief Stoecker wieder in die Zentrale und im gleichen Jahr zum Polleiter des Oberbezirks West (Nordrhein-Westfalen), mit Sitz in Köln. Aktiv an den Vorbereitungen des geplanten Oktoberaufstandes 1923 beteiligt, war er 1924 einer der Führer der Mittelgruppe und bis zum IX. Parteitag 1924 Mitglied im Polbüro, dann nicht mehr in die Zentrale gewählt, zog er aber im Mai 1924 wieder in den Reichstag ein. Nach Auflösung des Parlaments im Oktober 1924 polizeilich gesucht (Steckbrief: »1,60-1,65 groß, blondes Haar, englischer Bart, spitzes Kinn«). Durch seine Wiederwahl im Dezember 1924 erlangte er erneut Immunität und übernahm den Vorsitz der kommunistischen Reichstagsfraktion. Er gehörte dem Parlament bis Juli 1932 an und gab mit Wilhelm Pieck das Mitteilungsblatt der kommunistischen Fraktion »Der Rote Wähler« heraus. Nach dem »Offenen Brief« 1925 wieder stärker zur aktiven Parteiarbeit herangezogen, berief ihn der XI. Parteitag 1927 ins ZK der KPD. Während der Wittorf-Affäre stimmte er gegen Ernst Thälmann, schwenkte aber mit der Mehrheit des ZK rasch um, dann auch vom XII. Parteitag 1929 abermals ins ZK gewählt. Stoecker leitete ab 1928 den von ihm mitgegründeten Internationalen Bund der Freunde der Sowjetunion. 1932 in den Hintergrund gedrängt, saß er auch in keinem Parlament mehr, wirkte aber als KI-Instrukteur u. a. längere Zeit in Spanien und reiste als Vorsitzender des Bundes der Freunde der Sowjetunion Ende August 1932 zum Antikriegskongreß nach Amsterdam. Stoecker nahm am 7. Februar 1933 noch an der Tagung der KPD-Führung in Ziegenhals bei Berlin teil. In der Nacht des Reichstagsbrandes festgenommen, kam er in die KZs Sonnenburg und Lichtenburg, im August 1937 nach Buchenwald. Dort starb Walter Stoecker, erkrankt durch schwere Arbeit im Steinbruch, am 10. März 1939 an den Folgen von Impfungen durch den berüchtigten SS-Lagerarzt Dr. Ding.
Seine Familie war nach England emigriert, seine Frau Elfriede, geb. Bayley (* 5. 1. 1897), lebte später in Ost-Berlin, wo sie am 3. August 1966 starb. Der Sohn Helmuth Stoecker (* 22. 11. 1920 – † 5. 9. 1994) war seit 1933 zusammen mit der Schwester Helga (* 9. 9. 1924 – † 3. 1. 1981) in Großbritannien, dort 1939 Mitbegründer der FDJ-GB, 1939/40 Studium der Geschichte an der Universität Bristol, dann Land- und Fabrikarbeiter. 1947 Rückkehr nach Berlin, bis 1950 Studium in Leipzig, wurde Helmuth Stoecker Historiker, Professor an der HU Berlin, 1986 Emeritierung. 1970 veröffentlichte er eine Biographie über Walter Stoeckers Frühzeit bis 1920.

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