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Volk, Karl (Robert)

* 1.4.1896, † 1961

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 1. April 1896 in Zolkiev (damals Galizien), Sohn eines Kaufmanns, verlebte seine Jugend in Proßnitz/Mähren. Nach dem Gymnasium studierte er in Prag einige Semester Volkswirtschaft und Philosophie. Er wurde nach dem Krieg Mitglied der jüdischen sozialistischen »Poale Zion«, seit Gründung Mitglied der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei. Volk war 1921 kurze Zeit in Rußland, dann Sekretär der russischen Botschaft in Peking, schließlich Leiter des russischen Pressebüros in Wien. Ende 1922 Übersiedlung nach Deutschland, hier als hauptamtlicher Funktionär der KPD 1923 Polleiter des Bezirks Niedersachsen. Von den Linken im April 1924 abgelöst, noch einige Monate Chefredakteur der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig, kam er dann ein Jahr in den Komintern-Apparat nach Moskau. Dort wechselte er – früher Anhänger der Mittelgruppe – zu den Linken. 1925 ging Volk als Chefredakteur des »Kämpfers« nach Chemnitz (Pseudonym Karl Chemnitz) und bekannte sich damals zu den Chemnitzer Linken, er war eng mit Heinrich Süßkind befreundet. In Berlin übernahm er 1926 die Leitung des KPD-Pressedienstes.
Gemeinsam mit Süßkind trennte er sich 1928 von den Linken und wurde in der Folgezeit einer der führenden Versöhnler. Durch Vereinbarungen zwischen den Spitzen von KPD und KPdSU im Februar 1928 wurde Volk zu Beginn der ultralinken Wende der Partei vom Pressedienst entfernt und als Chefredakteur an die »Hamburger Volkszeitung« versetzt, aber sofort nach der Wittorf-Affäre als Gegner Ernst Thälmanns seines Postens enthoben. Wieder in Berlin, leitete er die Versöhnler-Gruppe nach deren offizieller Kapitulation Ende 1929 illegal weiter. Dabei konnte er sich vor allem auf Berliner Funktionäre stützen, die unter seiner Führung auch noch nach 1933 arbeiteten. Volk nahm an der »Versöhnler-Konferenz« 1933 in Zürich teil und hoffte vor allem nach dem VII. Weltkongreß der Komintern 1935 auf eine Wende der Generallinie. Nach den Moskauer Schauprozessen, insbesondere gegen Bucharin 1938, brach er endgültig mit der KPD. Volk lebte zuerst in Frankreich, wanderte während des Krieges illegal in die USA ein und trug dort den Namen Robert Rintel. Unter dem Pseudonym Ypsilon war er Herausgeber des Buches »Pattern for World Revolution«, Chicago-New York 1947, eines der frühen Werke mit internen Kenntnissen über die Stalinisierung der KPD. Als Mitarbeiter für Rußlandfragen an verschiedenen amerikanischen Zeitungen hielt er auch Verbindungen zur SPD. Karl Volk starb im März 1961 in New York.

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