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Zetkin, Clara

* 5.7.1857, † 20.6.1933

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Als älteste Tochter (von drei Kindern) des Dorfschullehrers Gottfried Eißner am 5. Juli 1857 in Niederau/Sachsen geboren. Die Mutter, Josephine Vitale, stammte aus der Familie eines Ordonnanzoffiziers Napoleons. Clara Eißner besuchte nach dem Gymnasium und der Übersiedlung der Eltern nach Leipzig von 1873 bis 1878 das von der Frauenrechtlerin Auguste Schmidt geleitete Lehrerinnenseminar. Sie bestand die Lehrerinnenprüfung »mit Auszeichnung«. Während des Studiums Bekanntschaft mit dem russischen Revolutionär Ossip Zetkin, der sie mit den sozialistischen Theorien von Marx vertraut machte. Daraufhin wurde sie Sozialdemokratin, was zum Bruch mit ihrem Elternhaus und ihrer (demokratisch-bürgerlichen) Umgebung führte. 1880 wurde Ossip Zetkin aus Deutschland ausgewiesen, Clara folgte ihm, war zunächst Hauslehrerin in Linz und Zürich. Sie kam nach Paris, heiratete dort Ossip Zetkin. Ihre Kinder, Maxim (*1883) und Kostja (* 1885), wuchsen in Paris auf. Als ihr Mann nach langer Krankheit schon Ende Januar 1889 starb, verschlimmerte sich das schwere soziale Los der Familie.
Clara Zetkin nahm als Mitarbeiterin des SPD-Organs »Sozialdemokrat« an der Gründung der II.Internationale 1889 teil und hielt dort das Referat zur Arbeiterinnen- und Frauenfrage. Nach Aufhebung des Sozialistengesetzes kehrte sie 1891 nach Deutschland zurück und wurde Herausgeberin der Frauenzeitschrift »Gleichheit«, deren Redaktion sie bis 1917 leitete. Clara Zetkin zählte bald zu den führenden Sozialdemokraten in Europa, wurde 1907 zur Sekretärin des Frauensekretariats der Sozialistischen Internationale berufen, sie war Delegierte fast aller Kongresse der Internationale und Parteitage der SPD bis zum Weltkrieg. Von 1895 bis 1913 wurde sie auf allen Parteitagen der SPD in die Kontrollkommission gewählt, bis zum Weltkrieg gehörte sie dem Parteivorstand an. Clara Zetkin stand als Marxistin auf dem linken Flügel der Partei und hatte sich eng an Rosa Luxemburg angeschlossen. Als die Reichstagsfraktion der SPD am 4. August 1914 den Kriegskrediten zustimmte, protestierte sie zusammen mit Franz Mehring, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht öffentlich gegen diese Burgfriedenspolitik. Sie wurde Mitbegründerin der Gruppe Internationale bzw. der Spartakusgruppe und der USPD.
Im März 1915 leitete Clara Zetkin in Bern eine internationale Frauenkonferenz der linken Opposition der Sozialdemokratie, geriet jedoch in Konflikt mit Lenin, dem diese Konferenz zu »zentristisch« war. 1916 in »Schutzhaft« genommen, kam sie wegen Krankheit 1917 wieder frei, war an ihrem Wohnsitz Stuttgart aktiv für die Spartakusgruppe. Im Mai 1917 entzog ihr der SPD-Parteivorstand ihr Lebenswerk, die Zeitschrift »Gleichheit«. Ihre schriftstellerische Tätigkeit konnte sie dann in der Beilage der »Leipziger Volkszeitung« fortsetzen. Clara Zetkin war Anhängerin der bolschewistischen Oktoberevolution, die sie öffentlich (wie Franz Mehring, aber anders als Rosa Luxemburg) begeistert begrüßte. Am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 nahm sie nicht teil, sondern blieb bis März 1919 formal in der USPD und vertrat diese im Württembergischen Landtag. Die Ermordung ihrer Freundin Rosa Luxemburg im Januar 1919 hat sie tief erschüttert und auch radikalisiert. Allerdings hatte Luxemburg 1899 in einem Brief an Leo Jogiches noch ein hartes Urteil über Clara Zetkin gefällt: Sie »schnattert sehr viel und radikal, aber eine eigene Meinung hat sie nicht«.
Clara Zetkin kam 1919 in die Zentrale der KPD und gehörte vom II. Parteitag 1919 bis zum VIII. Parteitag 1923 als gewähltes Mitglied diesem Gremium an. In der KPD war sie die einzige Führerin, die schon in der alten sozialdemokratischen Bewegung großen Respekt genoß, also in der Tradition der Arbeiterbewegung verankert war. Wegen ihres lauteren Charakters allseits geachtet, wurde Clara Zetkin bereits im Juni 1920 (neben Paul Levi) als eine der beiden kommunistischen Abgeordneten in den Reichstag gewählt. Sie vertrat die KPD dann ununterbrochen bis 1933 im Reichstag.
In den innerparteilichen Auseinandersetzungen gehörte Clara Zetkin zum rechten Flügel. Zusammen mit Levi trat sie Ende 1920 vorübergehend aus der Zentrale aus und beinahe hätte sie mit ihm auch die KPD verlassen (nach der März-Aktion 1921). Lenin, der sie sehr schätzte, konnte sie jedoch zum Verbleib in der Partei bewegen. Sie war eine treue Anhängerin und Verehrerin Lenins und des bolschewistischen Rußlands, auch wenn sie der Politik der Komintern oft kritisch gegenüberstand. Typisch war, daß sie auf dem Vereinigungsparteitag von KPD und linker USPD Ende 1920 pathetisch erklärte, bei einem Besuch in Rußland habe sie empfunden: »Ziehe deine Schuhe aus, der Boden, da du stehst, ist heiliger, revolutionärer Boden.« Die starke Bindung Clara Zetkins an Sowjetrußland bestimmte ihr weiteres politisches Leben. In den zwanziger Jahren oft erkrankt, hielt sie sich die meiste Zeit in der Sowjetunion auf.
1923/24 stellte sich Clara Zetkin hinter Heinrich Brandler und August Thalheimer und kämpfte erbittert gegen den Kurs der Ruth-Fischer-Zentrale. Trotz ihrer großen Popularität wurde sie 1924 von den Linken nicht mehr in die Zentrale der KPD gewählt und auch nicht (wie von der alten Zentrale 1923 vorgesehen) als Kandidatin zur Reichspräsidentenwahl 1925 nominiert. Statt ihrer präsentierte die KPD Ernst Thälmann. Auch auf dem X. Parteitag 1925 kam sie nicht ins ZK, erst nach dem »Offenen Brief« erhielt sie wieder Einfluß in der KPD. Clara Zetkin wandte sich scharf gegen die linke Opposition und besonders gegen Ruth Fischer. Seit 1927 wieder ZK-Mitglied, war sie Gegnerin der neuen ultralinken Wendung von 1928, und es schien, als wolle sie 1929 zur KPO übergehen. Schwerkrank und fast erblindet blieb sie trotz ihrer Kritik auch nach dieser Schwenkung in der KPD, wurde dennoch vom XII. Parteitag 1929 nicht mehr ins ZK gewählt. In jenen Jahren lebte sie fast ständig in Moskau, eng befreundet mit Lenins Witwe Nadeshda Krupskaja.
Bei den Auseinandersetzungen zwischen Stalin und Bucharin gehörten ihre Sympathien den Rechten, doch äußerte sie öffentlich keinen nennenswerten Einwand, unterstützte aber insgeheim die rechte Opposition in der KPD. Im August 1932 kam Clara Zetkin – sehr gebrechlich – letztmals nach Berlin, um als Alterspräsidentin die Legislaturperiode des Reichstags mit einer Rede zu eröffnen. Unter dem Protest der Nazi- und Rechtsparteien sprach sie scharf gegen die Nationalsozialisten. Einen Tag später konstatierte eine bürgerliche Zeitung: »Freund und Feind hörten dieser Vertreterin bolschewistischer Ideen zu. Ihre kommunistische Weltanschauung ist wahrhaft ehrlich, sie ist überzeugt von dem, was sie sagt, und das gebietet Toleranz ihr gegenüber, auch wenn ihre Auffassungen nicht zu akzeptieren sind.« Bei Hitlers Machtantritt im Januar 1933 war sie wieder in der UdSSR. Clara Zetkin starb am 20. Juni 1933 in Archangelskoje bei Moskau, ihre Urne wurde an der Kreml-Mauer beigesetzt. Die Widersprüche ihrer Haltung scheinen symptomatisch für jene kommunistischen Führer, die trotz aller Bedenken gegen die Politik Stalins und die Entwicklung der KPD nicht nachdrücklich dagegen opponierten, weil sie ihr Idol »Rußland« nicht zu kritisieren wagten und so dem Stalinismus den Weg erleichterten. Dieser Standort, einerseits durch die absolute Ergebenheit zur Sowjetunion, andererseits durch die kritische Sicht der KPD- und der Komintern-Politik geprägt, zeigt das Dilemma Clara Zetkins, die zwischen kritischem und stalinistischem Kommunismus schwankte.
Ihr Sohn Maxim (* 1. 8. 1883 – † 19. 8. 1965) war später führend im Gesundheitswesen der DDR tätig, ihr Sohn Kostja (* 14. 4. 1885 – †6.4. 1980) lebte in Kanada. Von ihren zahlreichen Beiträgen gab die SED zwischen 1957 und 1986 eine dreibändige Auswahl heraus, doch darin fehlten vor allem ihre innerparteilichen Streitschriften. Der französische Historiker Gilbert Badia veröffentlichte 1994 eine Clara Zetkin-Biographie, eine umfangreiche kritische Biographie von Tanja Puschnerat erschien 2003.

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Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
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