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Werner, Ruth (eigtl.: Ursula Maria Beurton)

geb. Kuczynski
* 15.05.1907, † 07.07.2000
Schriftstellerin, Agentin des sowjetischen Nachrichtendienstes GRU

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Nationalökonom u. Statistiker, Mutter Malerin, Bruder Jürgen K.; aufgew. in Berlin-Schlachtensee; Lyzeum in Berlin-Zehlendorf; 1924 – 26 Ausbildung zur Buchhändlerin in Berlin; 1924 – 30 ZdA; 1924 KJV, RHD; 1926 KPD; 1926/27 Bibliothekarinnenschule u. Mitarb. einer Leihbibliothek; 1926/27 Besuch einer KPD-Schule in Berlin; 1927/28 Mitarb. im Ullstein-Verlag, wegen KPD-Mitgliedschaft entlassen; Dez. 1928 – Aug. 1929 Arbeit in einer Buchhandlung in New York; Aug. 1929 Rückkehr nach Berlin, Heirat mit dem Architekten u. KPD-Mitgl. Rudolf Hamburger; Aug. 1929 – Juni 1930 Ltr. der Marxist. Arbeiter-Bibliothek Berlin; Juli 1930 – 35 China-Aufenthalt (Shanghai); Nov. 1930 Kontakt zu Richard Sorge, von ihm für den sowj. militär. Nachrichtendienst GRU rekrutiert (zuletzt Oberst der Roten Armee); ab Herbst 1933 sieben Mon. in der UdSSR; dann nachrichtendienstl. Einsätze (»Sonja«, »Sonja Schultz«) als Funkerin der GRU, März – Dez. 1934 in Mukden (Mandschurei), Dez. 1934 – Aug. 1935 in Peking, Aug./Sept. 1935 in der UdSSR, Sept. 1935 – Juli 1936 in Polen, April – Mai 1938 in der UdSSR; Herbst 1938 – Dez. 1940 Einsatz in der Schweiz, Funkausbilderin, zeitweise Ltr. der GRU-Residentur (»Rote Drei«) in der Schweiz (mit Sándor Radó); 1937 Rotbannerorden; 1940 Heirat mit dem brit. GRU-Agenten Leon Beurton, brit. Staatsbürgerschaft; 1941 – 50 in England; 1944 zus. mit Erich Henschke beteiligt an der Infiltration des OSS durch KPD-Emigranten, die als Fallschirmagenten der GRU nach Dtl. geschickt wurden (»Operation Hammer«); nachrichtendienstl. Kurier für den Physiker Klaus Fuchs, nach dessen Verhaftung Flucht in die DDR.
März 1950 Rückkehr nach Berlin; SED; 1950 – 53 Ltr. der Abt. Kap. Länder in der HA Auslandsinformation im Amt für Information u. 1953 – 56 in der KfA; 1952 OdF / VdN; in den 50er Jahren journalist. Tätigkeit, Reportagen, Erzählungen; ab 1956 freischaff. Schriftst. in Berlin; 1969 sowj. Rotbannerorden; mit der 1977 publ. Autobiogr. »Sonjas Rapport« gelang ihr ein Bestseller; 1978 NP u. KMO; 1982 Mitgl. des PEN (DDR), dann Dt. PEN-Zentrum Ost; 1982 VVO; 1986 Jubiläumsmedaille 40. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 1941 – 45; 1987 Ehrenspange zum VVO; 1990 Mitgl. des PDS-Beirats der Alten; gest. in Berlin; posthume russ. Auszeichnung »Orden der Freundschaft«.

Publ.: Ein ungewöhnliches Mädchen. Berlin 1958; Olga Benario. Berlin 1958; Sonjas Rapport. Berlin 1977 (erste vollst. dt. Ausgabe Berlin 2006); Der Gong des Porzellanhändlers. Drei Erz. Berlin 1977; Gedanken auf dem Fahrrad. Publizistik. Berlin 1980; Kurgespräche. Erz. Berlin 1988. Biogr. Film-Portrait: Mieder, S.: »Deckname Sonja« – Das geheime Leben der Agentin R. W. (ARD 2001).
Sek.-Lit.: Foote, A.: Handbuch für Spione. Darmstadt 1954; Whymant, R.: Richard Sorge – der Mann mit den drei Gesichtern. Hamburg 1999; Fischer, B.: Farewell to Sonja, the Spy Who Haunted Britain. In: International Journal of Intelligence and Counterintelligence (2002) 1; Panitz, E.: Treffpunkt Banbury oder Wie die Atombombe zu den Russen kam. Berlin 2003; Hempel, R.: Funksprüche an Sonja. Die Geschichte der R. W. Berlin 2007.
KaH; BRB

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