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Tschesno-Hell, Michael

(Ps. Hans Michael)
geb. Tschesno
* 17.02.1902, † 24.02.1980
Filmautor; Leiter des Verlags Volk und Welt

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Wilna (Rußland / Vilnius, Litauen) in einer jüd.-lit. Fam.; Vater Kfm.; 1914 Evakuierung der Fam. nach Nischni Nowgorod, 1921 Rückkehr nach Wilna; 1922 Trennung von der Fam., Übersiedl. nach Leipzig; 1922 KPD; 1923 – 25 Studium der Rechtswiss. u. Politökon. in Jena (ohne Abschluß), Mitarb. der Kostufra; 1925 – 29 in Leipzig, dort Markthelfer u. Werkstudent; verf. Diss. »Über das Erbbaurecht in der Sowjetunion«; Mitarb. in der kommunist. Presse; ferner tätig als Übersetzer (1929 – 33 unter dem Ps. Michail Swjetly vor allem für den Malik-Verl. u. den Agis-Verl.), Journalist, Landarb., Dreher, Lektor; 1929 Übersiedl. nach Berlin, dort Mitarb. der »Welt am Abend«, nach Differenzen mit Willi Münzenberg ausgeschieden; dann Pressechef in der Filmabt. der russ. Handelsvertretung in Berlin; 1932 – Jan. 1933 Ltr. des Korrespondenzbüros »Feuilletonbüro« in Berlin; Mitgl. im BPRS; ab Jan. 1933 illeg. Arbeit in Berlin (»Paul Misch«), Aug. 1933 auf Parteibeschluß Emigr. nach Paris, dort u. a. Ltr. der KPD-Org. der emigr. dt. Schriftsteller; Dez. 1935 im Auftrag der RHD Org. der Rettungskampagne für 600 inhaftierte Wuppertaler Gewerkschafter in den Niederl. (»Paul«, »Piet«); ab 1936 wieder in Paris, hier weiter RHD-Arbeit, u. a. Ltr. der Kampagne zur Befreiung von Etkar André; seit Anfang der 1930er Jahre Arbeit für den sowj. Militär-Nachrichtendienst GRU (»Mischa«, »Swetly«); publiziert u. a. in der »Basler Rundschau«, »Pariser Tageszeitung« u. »Die Weltbühne«; 1936 Untersuchung der Moskauer KI-Zentrale wg. angebl. Unklarheiten in seiner Parteivergangenheit; Umschulung zum Metallarbeiter; Sept. 1939 interniert, kurzztg. entlassen (wg. französ. Staatsangehörigkeit der Tochter); Mai 1940 erneut interniert, Einsatz in versch. Arbeitskompanien, im Sept. 1942 mit der Fam. in die Schweiz geflüchtet (illegale Einreise); dort Mitarb. der KPD-Ltg. Süd; BFD; in versch. Lagern interniert; ab Nov. 1944 Chefred. bzw. Hrsg. (mit Hans Mayer u. Stephan Hermlin) der Emigr.-Ztschr. u. Schriftenreihe »Über die Grenzen«; Mai-Sept. 1945 BFD-Beauftr. für dt. Militärinternierte u. Flüchtlinge in der Schweiz (Nachf. von Walter Fisch), Mitgl. des BFD-Landesaussch.
Okt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; anschl. bis 1947 Vizepräs. der ZV für Umsiedler; im GRU-Auftrag Aufbau eines Nachrichtennetzes unter den Umsiedlern; 1946 SED; Febr. 1947 Mitbegr. des Verlags Volk u. Welt in Berlin (zus. mit Wilhelm Beier), bis Febr. 1950 dessen Ltr.; Chefred. der Ztschr. »Die Neue Heimat«; 1948 dt. Staatsbürgerschaft; 1949 – 51 Mitgl. des Vorst. der DSF; 1950 Vors. des kulturellen Beirats bzw. Ltr. der HA Kultur im Min. für Volksbildung; ab Ende 1950 freiberufl. Schriftst.; Autor bzw. Mitautor der ersten Spielfilme über Ernst Thälmann (»Ernst Thälmann – Sohn seiner Kl.«, 1954; »Ernst Thälmann – Führer seiner Kl.«, 1955) u. Karl Liebknecht (»Solange Leben in mir ist«, 1966; »Trotz alledem!«, 1972); 1953 – 62 Kontakt- bzw. Auskunftsperson des MfS; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1958 – 69 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1962 VdN-Rentner, Banner der Arbeit; 1964 offizielle Namensänderung in Tschesno-Hell; 1967 – 72 Vizepräs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden u. des Vorst. des DSV; 1969 Mitgl. der DAK; 1954, 1957 u. 1966 NP; 1969 VVO; 1977 KMO; gest. in Berlin.

Publ.: Rußland antwortet (1949); Der Hauptmann von Köln (1956); Die Mutter u. das Schweigen (1965); Der Maler mit dem Stern (1969).
Sek.-Lit.: Tschesno-Hell, U.: Übersicht über das literar. Werk MTH’s, Reden, Interviews. Berlin 1984; Schwartz, M.: Vertriebene u. »Umsiedlerpolitik«. München 2004; Barck, S., Lokatis, S. (Hrsg.): Fenster zur Welt. Berlin 2005.
HeM; BRB

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